Ich bin nach dem Lesen ziemlich ernüchtert. Wie zuvor beschrieben, die Ausgangslage eines Massenmörders, der als Bodyguard einer reichen Dame engagiert wird, hatte seinen Reiz, jedoch wird dieser Aufhänger quasi bereits im allerersten Kapitel aus dem Fenster geworfen. Generell passiert zu viel zu schnell und der Gedanke drängte sich mir auf, dass die Mangaka gar nicht die Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Menschen, die langsam zueinander finden, schreiben wollte, sondern eher von zwei gequälten Personen, die einander Halt geben. Letzteres wäre prinzipiell in Ordnung gewesen, nur so finde ich das Marketing bezüglich des Mangas ziemlich verfehlt. Dieser Manga ist wirklich das Gegenteil von slow burn, da die Hauptfiguren Freya und Neneo sich gleich im ersten Kapitel ineinander verlieben und anscheinend sogar schon viel weiter in ihrer Beziehung gehen, als man es bei ihrer Vergangenheit denken möchte. Nicht falsch verstehen, ein ewiges Hin und Her ist gleichfalls nichts für mich, nur frage ich mich, womit man 7+ Bände füllen will, wenn das Hauptpaar sofort im allerersten Kapitel zuammenkommt?
Enttäuscht hat mich an diesem viel zu schnellem Verlauf ebenso, dass zwar durch den Titel suggeriert wird, dass Kälte, Eis und Schnee eine gewisse Rolle spielen, aber man den Großteil des Bandes in frühsommerlichen Gefilden verbringt und die Figuren mehrfach darüber klagen, wie warm es schon wieder geworden ist. Ich mag Storys, die in kalten Gebieten spielen, und dachte, dass der titelgebende Schnee eine größere Rolle einnehmen wird. Pustekuchen, bislang.
Oberflächlich ist ein Wort, mit dem ich den Titel beschreiben würde, denn alle interessanten und potenziell spannenden Aspekte werden viel zu hastig abgehandelt, wenigstens für mein Empfinden. Erneut, wäre das eine Kurzreihe könnte ich das nachvollziehen, doch bei der Bandlänge habe ich eigentlich kein Bedürfnis, alles Erdenkliche lediglich im Schnellverlauf zu erleben. Die etwas kratzigen Zeichnungen geben mir ebenfalls wenig, wobei ich diese, bei einer besseren Behandlung der Geschehnisse, verzeihen könnte.
Zumindest der Umgang mit Neneos Traumata sowie die Figur des Halbert konnten mein Wohlwollen erringen. Das waren zwei Punkte, die den Band lesenswert gemacht haben, aber für mich wahrscheinlich nicht ausreichen werden, mir auch die nächsten zuzulegen.
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