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  1. #76
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    Hallo zusammen,

    kurze Infos zu zweier von mir in diesem Thread vorgestellten Titeln:

    "Shimauma", die atemlose Gewaltorgie in Japans Unterwelt, wurde unter der wortwörtlichen Übersetzung "Zebra" in Italien von der Panini-Mangasparte Planet Manga lizenziert und erscheint am 11. September 2014 zum Preis von 6,50 Euro.

    Diese Ankündigung bedeutet, dass der Titel nun frei zum lizenzieren im Ausland ist und ich wage mich jetzt einmal weit aus dem Fenster und sage, mit Hinblick auf die kürzlich bei Panini France erschienenen Titel wie "Tokyo Yamimushi" und "Yukito", die in eine ähnliche, wenn auch gemäßigtere Richtung tendieren, dass eine französisische Lizenz-Ankündigung nicht mehr sehr weit entfernt scheint.

    Dadurch hoffe ich, dass mehr westliche Leser Zugang zu dieser Sadistenoper erhalten und sich ein eigenes Bild eines der hier vorgestellten Werke machen können.

    Weiterhin hat sich der französische Titel des koreanischen "Maeil Maeil Sigdolag" von "Everyday Foodies" zu "A vos papilles!" gewandelt und erscheint jetzt am 18. September für ca. 9 - 10 Euro pro Band bei Clair de Lune.
    Geändert von Kulturkerbe (09.09.2014 um 20:47 Uhr)

  2. #77
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    Boys on the Run von Hanazawa Kengo
    erschienen im Seinen-Magazin Big Comic Spirits (dort u. a. auch veröffentlicht: Oyasumi Punpun, Mogura no Uta, Oishinbo, Yamikin Ushijima-kun) beim Verlag Shōgakukan
    beendet in 10 Bänden
    Erscheinungsjahr: 2005




    Inhaltsbeschreibung:
    Tanishi Toshiyuki ist 29 Jahre alt. Ein Mann in voller Blüte also – könnte man meinen. Doch seine derzeitige Lebenssituation fühlt sich für ihn ganz und gar nicht wie ein Spaziergang im Glanze an, vielmehr so als müsse er tagtäglich durch einen langen Tunnel waten, inmitten von Schlick und Unrat. Für Tanishi gilt ein über allem stehendes Motto: Durchhalten und auf den richtigen Moment warten. Dieses Credo verfolgt der junge Mann schon seit 29 Jahren und eingebracht hat es ihm bisher eine wenig erfüllende Anstellung als verantwortlicher „Auffüller“ der ikonischen Gashapon-Automaten eines kleinen Unternehmens. Nicht zu vergessen sind da auch ein unordentliches Zimmer bei seinen Eltern und seine körperliche Verfassung, die dem Begriff „schmales Hemd“ per definitionem entspricht.

    Ein Lichtblick am Ende des oben erwähnten Tunnels ist die unschuldige Uemura Chiharu, Spielzeug-Designerin in der gleichen Firma. Natürlich schwärmt Tanishi für sie und vielleicht… vielleicht ergibt sich da ja eine Möglichkeit? Lauf, Tanishi, lauf!



    Eigene kurze Meinung:
    Gut, zu Beginn möchte ich eines feststellen. Das ist wichtig für das Verständnis und meine Herangehensweise an diese Empfehlung, die mir persönlich besonders am Herzen liegt. Ich lese die Manga von Hanazawa Kengo aus einem besonderen Grund sehr gerne: Ich erkenne mich und ähnliche in den Protagonisten erschreckend oft wieder. Tanishi ist und bleibt bis kurz vor Schluss der Serie ein Blatt im Wind, von den Windböen seiner Umgebung in die eine oder andere Richtung gepustet. Oft ist es ihm auch nicht bewusst und hält die eine oder andere Richtung für einen Weg, den er aus eigener Überzeugung eingeschlagen hat. Mit entsprechenden Konsequenzen.
    Und ich habe den Eindruck, wenn ich mit anderen spreche oder auch in mich hineinsehe, geht es vielen ähnlich wie dem Protagonisten dieses Werks. Das also ist der Aufhänger. Ich halte den Titel von Hanazawa für aus dem Leben gegriffen. Mit morbidem Witz, mit Ironie und Übertreibung, aber als solches trotzdem ein sehr bodenständiger Manga.

    Ähnliches vollbringt Asano Inio und nicht umsonst hat eben dieser Hanazawa Kengo, beide veröffentlichen im gleichen Magazin ihre Manga, sollte er einen nennen müssen, den Autoren von „I am a Hero“ als Rivalen bezeichnet. Und Hanazawa hat eben jenes an anderer Stelle auch von Asano gesagt. Für den einen oder anderen vielleicht ganz amüsant zu wissen. Ich persönlich stelle mir eine Kollaboration der beiden an einem Titel sehr interessant vor.

    Der Beginn von „Boys on the Run“ stellt eine wunderbare Einführung in die Welt von Tanishi dar, in sein wenig anstrebenswertes Dasein, ja, bemitleidenswertes:

    Er wartet in einer Terekura-Kabine auf den Anruf einer Frau. Irgendeiner Frau.

    Terekura oder telephone clubs sind Etablissements, in denen Männer in kleinen Kabinen auf die Telefonanrufe von Frauen warten, die mit den Herren auf der anderen Leitung bereit sind, zu schlafen. Für eine entsprechende Gegenleistung, versteht sich. Ein heutzutage seltener genutztes Werkzeug, das japanische Gesetz, welches Geschlechtsverkehr mit Prostituierten verbietet, mehr oder weniger subtil zu umgehen.

    Tanishi wartet und wartet. Er wird ganz nervös, weil die Zeit gegen ihn spielt. Die Nutzung dieser Terekura kostet eine Gebühr und die würde ihm flöten gehen, wenn in dem entsprechenden Zeitraum niemand anruft. Kurz vor Ablauf ruft dann doch eine Dame auf seinem Apparat an und Tanishi ist mehr als glücklich, denn diese Frau scheint nach eigener Beschreibung und Ersteindruck der Stimme ein toller Fang zu sein. Sie besprechen ein Treffen und dort angekommen – welche Überraschung – ist die vor ihm stehende Interessentin ganz und gar nicht mehr nach seinem Geschmack. Klein, korpulent, Kurzhaarfrisur und einen erschreckend großen Appetit.

    Wie es weitergeht, möchte ich offen lassen, doch soviel sei gesagt. Es endet damit, dass er einige Stunden später einen Faustschlag ins Gesicht bekommt.

    Warum erzähle ich das alles im Detail? Ich halte den Anfang für recht symbolisch, was „Boys on the Run“ angeht. Tanishi ist eine ziemliche Flasche, hält sich bei allem was er tut, gerade so über Wasser und tut vor allem eins: Warten. Er wartet und ist stets der passive Part.



    Die Geschichte ist dahingehend eine einfache Coming of Age-Story, auch wenn Tanishi mit fast dreißig nicht mehr ganz in dieses Raster fallen dürfte. Häufig wiederkehrende Fragen sind im Tenor von: Wie werde ich ein Mann? Was macht einen Erwachsenen aus? Wie stehe ich für mich und die, die mir wichtig sind, ein? Und wie gehe ich mit meinen eigenen Fehlern um?

    Und Fehler, soviel sei ihm zugestanden, macht Tanishi viele auf seiner Reise. Genauer gesagt, rennt er, dem Titel ganz hervorragend entsprechend, von der einen in eine noch schrecklichere und von dort in eine noch viel schrecklichere Situation, oftmals geschuldet seinem eigenen unzureichend konsequentem Charakter. Doch nicht nur Tanishi hat Fehler und genau hier setzt der angekündigte Realismus wieder ein, denn auch sein Schwarm Uemura beispielsweise, entwickelt sich nicht in die Richtung, wie Romantiker es von dem weiblichen Part in einer Liebesgeschichte erwarten.

    Hier sei Luft geholt und gewarnt: Nichts entwickelt sich in diesem Werk so, wie man es sich wünscht. Wenn man denkt: „Jetzt erst einmal durchatmen“, dann setzt Hanazawa erst so richtig zum Schlag an. Ein besonders prägnantes Beispiel mag die Szene sein – und hier bitte den restlichen Absatz überspringen, wer keine Spoiler lesen möchte – in der Tanishi Uemura heimlich verfolgt und dabei ansehen muss, wie sie sich mit einem anderen Mann verschüchtert aber durchaus willig Erwachsenenspielzeug ansieht. Da kann man mit Tanishi sehr gut mitfühlen. Und nicht nur das, auch die Darstellung seines emotionalen Schmerzes ist mühelos ersichtlich, denn Hanazawa ist ein großartiger Zeichner.



    Der Zeichenstil ist ein wenig gröber noch als in seinem aktuellen Werk „I am a Hero“. Doch grob heißt in diesem Fall nicht weniger detailliert und die Unterschiede sind ohnehin marginal, so dass man also noch immer einen sehr realistischen Zeichenstil vor sich hat – der stark an das erinnert, was man aus „I am a Hero“ kennt. Die Darstellung der Figuren ist sicherlich Geschmackssache. Oft hat man das Gefühl, Hanazawa karikiert seine Personen mit den ausdrucksstarken Gesichtsausdrücken, den Grimassen, möchte man fast sagen. Doch gibt es dem ganzen neben eigenem Charme auch eine deutliche Bildsprache. Man sieht Tanishi an, wenn er glücklich ist. Man sieht ihm an, wenn er leidet. Und man erkennt seine Trauer, seine Enttäuschung, seine Resignation. Der Zeichenstil hat zumindest auf mich die Wirkung, dass er trifft - mitten ins Herz. Ehrlich in seiner Essenz, genau wie das gesamte Werk von Hanazawa Kengo sich unverstellt zeigt, wenn man es liest. So ist das eben, ist ein häufiger Gedanke beim Umblättern.

    Ich habe bisher einige Aspekte der Geschichte nicht erwähnt: Es geht in diesem Manga auch um Konkurrenz zwischen dem leidlich existierenden Tanishi und einem anderen erfolgreichen Gashapon-Verkäufer. Anfänglich auch nur ganz „harmlos“ auf geschäftlicher Ebene.
    Dann ist da der köstliche Humor: Tanishi und Uemura planen einen Tausch von Pornofilmen als Eisbrecher ihrer noch jungen Bekanntschaft, doch natürlich geht das gänzlich schief und am Ende können beide einen Bauernhof zusammen wohl nie mehr wie zuvor besuchen. Oder dann, als Tanishi ausschließlich in Unterhose mit akutem Toilettenbedarf den Helden spielt und die Widersacher ungeplant auf… Pardon die Aussprache, beschissene Weise irritiert.
    In Herzensdingen gibt es neben Uemura auch die wortkarge Hana, ein boxendes Mädchen, mit der Tanishi sich nach einigen Komplikationen gut zu verstehen beginnt.

    Ach ja, da war ja noch was. Das übergeordnete Thema des Manga, Boxen. Warum ich das nur so nebenbei erwähne, wo es doch in jeder Inhaltsbeschreibung des Manga ein Leitmotiv zu sein scheint?
    Weil es in meinen Augen nicht der relevante Punkt ist, um die Geschichte vorzustellen oder zu begreifen. Tanishi boxt zwar, doch mehr schlecht als recht. Er bestreitet in der ganzen Serie nur einige wenige wirkliche Kämpfe und die Siege, die Tanishi davonträgt, sind mehr als fragwürdig. Keiner davon findet übrigens in einem Boxring statt. Derartig ordinäre Kämpfe verfolgt Tanishi nur als Zuschauer.

    Das Boxen ist vielmehr ein Mittel, mit den gesellschaftlichen und persönlichen Konventionen zu brechen. Tanishi fällt aus seiner alten Rolle, nicht ganz, das kann er wohl nicht, aber zum Großteil ist er am Ende ein anderer.
    Beim Epilog schwingt somit, ohne zuviel zu verraten, eine schon meditative Ruhe mit. Tanishi ist geläutert. „The last run“, wie es der Manga selbst treffend betitelt, schließt den Kreis zur Mannwerdung. Und die Zeit zum Luftholen gönnt man Tanishi am Ende gerne.



    Der Manga hat außerhalb Asiens bisher keine Lizenzierung erfahren – wobei ich für Italien und Frankreich in der Zukunft recht zuversichtlich bin. Zehn Bände sind eine erträgliche Anzahl und der Erfolg von „I am a Hero“ in Europa hat in eben diesen Ländern bereits Hanazawas „Ressentiment“, sein frühestes mehrbändiges Werk unter die Augen des Okzidents gebracht. Ich hoffe auch auf eine Lizenz für die deutschen Leser, spielt der Boxsport eine vergleichsweise geringe Rolle und daher sollten altbekannte deutsche (Wortspiel!) Ressentiments gegen Sportmanga hier nicht akut Glocke schlagen (noch ein Wortspiel!).

    Ich empfehle den Manga insbesondere Freunden von Asanos Werken, denn trotz all der Überdrehtheit, wie weiter oben bereits einmal angesprochen, ist er in seiner Botschaft und auch in seiner übergeordneten Darstellung ein tief im Alltag und in den essentiellen Sorgen und Problemen des modernen Individuums verwurzeltes Werk. Somit ein typischer Slice-of-Life-Manga mit deftiger Einlage.

    Noch einfacher ist es vielleicht, sich den ersten Band von „I am a Hero“ zu kaufen und zu prüfen, ob es einem bis zum Ausbruch der Zombieapokalypse gefallen hat. Wenn man Hideo gerne bei seinen alltäglichen Wehwehchen begleitet hat, dann ist auch „Boys on the Run“’s Tanishi ein verlässlicher Kandidat für gute Unterhaltung.



    PS. Es gibt sowohl einen Film als auch eine Dorama-Serie, die den Stoff von Hanazawas Manga adaptiert. Der Film erschien 2010 und wurde von Daisuke Miura dirigiert. In der Hauptrolle spielt Mineta Kazunobu den Tanishi.


    Poster des Kinofilms von 2010

    In der TV-Serie von 2012 übernimmt Maruyama Ryūhei die Rolle von Tanishi. Die Handlung erstreckt sich dabei über neun Episoden und lief bei TV Asahi.


    TV-Dorama von 2012
    Geändert von Kulturkerbe (03.02.2015 um 23:42 Uhr)

  3. #78
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    Ich lese diesen Thread immer wieder gerne.

  4. #79
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    Hallo zusammen,

    es folgt die nächste Empfehlung - dieses Mal aus dem Bereich Horror-Thriller:

    Aku no Kyōten von Karasuyama Eiji (Zeichner) und Kishi Yūsuke (Autor)
    veröffentlicht im Seinen-Magazin Good! Afternoon (dort werden unter anderem veröffentlicht: Ajin, Teppū, Witchcraft Works, Tsuru tsuru to zara zara no aida) beim Verlag Kōdansha
    bisher 6 Bände, fortlaufend
    Erscheinungsjahr: 2012




    Inhaltsbeschreibung:
    Lehrer, Schüler, Eltern, alles Ungeheuer!
    Mit diesem einleitenden Gedanken stellt die japanische Inhaltsbeschreibung den charismatischen Englischlehrer Hasumi Seiji vor. Jung, gutaussehend, freundlich und hilfsbereit – kurz, ein absoluter Schüler- aber auch Lehrerliebling. Natürlich wäre dieser Manga keiner aus der Horrorsparte, wenn es nur hierbei bliebe.

    Der Sympath trägt lediglich die Maske des eifrigen Englischlehrers, denn nur kurz dahinter zeigt sich das wahre Antlitz eines infernalen Psychopathen. Und just dahinter lodert auch schon das gefährliche Feuer jeglicher Miss- und Verachtung von unwürdigem Leben. Das Produkt davon ist ein bösartig intrigantes Verhalten, welches mit fatalen Richtsprüchen nach persönlichen Wertevorstellungen einhergeht.

    Ideale Voraussetzungen also, um die jungen Menschen der Klasse 4 im zweiten Schuljahr der privaten „Shinkō Gakuin Machida Oberschule“ über Recht und Unrecht zu instruieren. Schlagen Sie die Bücher auf, meine Damen und Herren, Seite 666.



    Kurze eigene Meinung:
    Die erste Seite des Manga beginnt mit der ins Japanische übersetzten Version von Bertolt Brechts „Moritat von Mackie Messer“. Im Hintergrund eine dazu passende bluttriefende Klinge. Wer die Reime Brechts nicht kennt, wird im Internet sicherlich schnell fündig werden. Ich spare mir ein erneutes Zitieren der auf diese Handlung tatsächlich wie die Faust aufs Auge passenden Zeilen.

    Die Geschichte des lächelnden Psychopaten ist sicherlich keine neue. Und wahrscheinlich – auch wenn mir auf Anhieb keiner anfällt – hat jemand dieses Thema auch irgendwann schon einmal in ein schulisches Umfeld getragen. Und trotzdem begleitet man Hasumi-sensei mit Spannung auf seinen im Hintergrund geschickt eingefädelten Schachzügen. Dabei geht er ruchlos und berechnend vor. Diejenigen, die er als fehlerhaft betrachtet, als unwürdig zu leben, bringt er gekonnt um die Ecke. Er erpresst, missbraucht und demütigt die Menschen nach seinem Gutdünken. Ein abartiger Charakter, der doch stets ein selbstzufriedenes Lächeln aufsetzt. Der auch mal verständnisvoll wirkt und aktiv hilft. Zuhört und bemüht berät. All das um die Maskerade aufrecht zu halten. Diese Ambivalenz wird von den beiden Künstlern gekonnt in Szene gesetzt – steht und fällt mit der Darstellung eben jenes Kontrastes doch auch der gesamte Titel.

    Achtung, diesen Absatz bitte überspringen, wer nicht gespoilert werden möchte:
    Ein Beispiel ist die Schülerin Yasuhara Miya, ein Schützling aus seiner Klasse. Sie vertraut sich dem zuvorkommenden Hasumi an und dieser Umstand wird von dem Soziopathen gnadenlos ausgenutzt. Er verführt das junge Mädchen, schläft mit ihm mehrfach, man hat über einige Kapitel gar den Eindruck, Hasumi ist kein Mann, der liebesunfähig ist. Das diabolische Finale findet sich jedoch darin, dass er sie niederschlägt und vom Schuldach wirft. Ein Abschiedsbrief strategisch drapiert, der den vermeintlichen Selbstmord zu inszenieren hilft. Wenn sie im benommenen Zustand die Worte „Hasumin“, den liebevollen Spitznamen, den die Schüler dem beliebten Hasumi verpasst haben, „Hasumin… warum?“ zumurmelt, während er sie zur Dachkante schleift, dann scheinen in solchen Momenten auch die stärksten Kontraste zu verblassen und der Titel „Aku no Kyōten“, „Lehren des Bösen“, drückt einem plötzlich unangenehm auf die Magengrube.



    Der Zeichenstil ist typische Seinen-Standardkost. Keineswegs schlecht aber auch nicht sonderlich herausragend. Loben muss man Karasuyama für die ausdrucksstarken Gesichter und die wohl unnachahmliche Fähigkeit, die Hochnäsigkeit und Verachtung von Menschen so gekonnt darzustellen. Eigenschaften, die so einige Charaktere in diesem Titel innehaben. So manches Mal spielen die Kreativen des Manga auch mit schöner, mehr oder weniger subtiler Symbolik, wenn sich beispielsweise die Krähen in Massen um das Haus von Hasumi scharen und ihre Rolle als Todesboten unheilvoll gekonnt mimen.

    Alles in allem jedoch sollte man „Aku no Kyōten“ aufgrund der Geschichte lesen. Es ist einfach diese morbide Neugierde, mit der man das kaltblütige Treiben von Hasumi verfolgt. Es ist auch das Interesse an der Stück um Stück aufklaffenden Vergangenheit des mörderischen Englischlehrers. Und hin und wieder wohl das Gefühl von beschämender Genugtuung, wenn man mal mit Hasumi übereinstimmt und den desolaten Monster-Eltern* und verkommenen Lehrern ein nicht ganz so glückliches Ende herbeisehnt.

    *Monster-Eltern oder Monster Parents sind ein „angesagter“ Neologismus, den ich vor allem aus Japan kenne. Er wird wohl aber auch in anderen asiatischen Ländern genutzt. Er beschreibt Eltern, die an ihre Kinder und Personen, die in die Belange ihrer Kinder involviert sind, extrem hohe, oft nicht zu erfüllende Anforderungen haben. Das Verhalten dieser Menschen wird als irrational und egoistisch beschrieben, die den persönlichen Idealvorstellungen gegenüber den tatsächlichen Interessen und Entwicklungspotentialen der Kinder indiskutablen Vorrang geben.

    Der Manga ist außerhalb Asiens bisher noch nicht lizenziert worden. Eine Veröffentlichung in Europa kann ich mir durchaus vorstellen, sowohl in Frankreich und Italien, wie auch in Deutschland. Wenn man im Fahrwasser von Mahō Shojō of the End, I am a Hero oder Ajin fahren möchte, wäre ein etwas realistisch angehauchter Horror-Thriller vielleicht genau die richtige Tendenz, die einen milden Kontrast zu all den überdrehteren Horror-Manga in Deutschland darstellen könnte. Hinzu kommt, dass der Titel auf dem gleichnamigen Roman von Kishi Yūsuke basiert und damit wohl auch nur endlichen Handlungsstoff bietet – damit einhergehend eine beschaulich niedrige Anzahl an Bänden.



    Ich empfehle den Manga besonders aus dem Grund, weil er schlicht die kompromisslose Handlungsweise eines mordenden und dabei im wahrsten Sinne des Wortes erschreckend sympathischen Englischlehrers mit dissozialer Persönlichkeitsstörung darstellt, der in seinen Schülern und den ihnen Nahestehenden nicht viel mehr sieht als „fair game“, wie Hasumin selbst wohl süffisant grinsend behaupten würde.





    PS. Miike Takashi hat den Roman von Kishi Yūsuke 2012 ebenfalls adaptiert und als rund zweistündige Schlachtplatte unter dem gleichen Namen in die japanischen Kinos gebracht. Der Film hat der Handlung folgend auch einige Parallelen mit dem Manga. Itō Hideaki übernahm die Rolle des charmanten Englischlehrers. Erfreulicherweise kam der Film im Juni dieses Jahres unter dem Titel "Lesson of the Evil" ungeschnitten auf DVD und Blu-ray beim deutschen Label Rapid Eye Movies. Sicherlich ein weiteres gutes Argument für eine lohnenswerte deutsche Manga-Veröffentlichung.

    Geändert von Kulturkerbe (23.09.2014 um 21:07 Uhr)

  5. #80
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    Puh, so etwas ist mal gar nichts für mich ^^
    Viel zu stressig. Ich rege mich bei so richtigem Psycho-Zeugs immer voll auf
    Probleme löse ich grundsätzlich mit Feenstaub!


  6. #81
    Mitglied Avatar von Mikku-chan
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    Die Verfilmung interessiert mich, zudem auf Deutsch erhältlich? Noch besser. :3
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  7. #82
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    Den Manga hätte ich sehr gerne hier in Deutschland, am besten sofort. (Ich kann mir den ganz gut bei EMA vorstellen.)
    Den Film werde ich mir mit hoher Wahrscheinlichkeit zulegen, nicht nur weil die Story mich anspricht, sondern auch weil ich mich für die menschlichen Abgründe interessiere und asiatische Filme liebe.

    BtW: Super Thread. *thumps up*
    Geändert von Angel of Death (23.09.2014 um 12:19 Uhr)
    Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

    Menschen sind Monster, mit Monsterfüllung und Monsterguss überzogen.

    Normalität ist eine Illusion. Was für die Spinne normal ist, ist für die Fliege das Chaos.







  8. #83
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    Hallo Germon,

    Ich lese diesen Thread immer wieder gerne.
    Das freut mich sehr. Ich hoffe, dass du auch zukünftig Gefallen an den hier vorgestellten Manga hast.

    Hallo Moxxi,
    Puh, so etwas ist mal gar nichts für mich ^^
    Viel zu stressig. Ich rege mich bei so richtigem Psycho-Zeugs immer voll auf
    Dieses Empfinden kann ich durchaus nachempfinden. Aber ich schätze für mich lag darin genau der Reiz. Der Leser wird ständig mit "Wann macht er es? Wie macht er es? Ob er es wirklich macht?"-Situationen konfrontiert. Dieses Szenario kann unter Umständen sicherlich frustrierend wirken. Mich hielt dabei wohl insbesondere die morbide Neugierde bei der Stange.

    Hallo Mikku-chan,

    Die Verfilmung interessiert mich, zudem auf Deutsch erhältlich? Noch besser.
    Rapid Eye Movies haben den Film ganz ordentlich veröffentlicht - samt gut 40 Minuten Making-of. Generell machen sie meiner Erfahrung nach einen tollen Job bei der Veröffentlichung auch weniger mainstreamtauglicher japanischer Filme bzw. Filmen aus Asien im Allgemeinen.

    Falls dir jedoch Extras im Austausch gegen eine deutschen Tonspur wichtiger sein sollten, empfehle ich die Ende September erscheinende Veröffentlichung vom britischen Label Third Window Films, die auch ein gut zweistündiges Making-of dazupacken.

    Hallo Angel of Death,
    Den Manga hätte ich sehr gerne hier in Deutschland, am besten sofort. (Ich kann mir den ganz gut bei EMA vorstellen.)
    Durchaus nachvollziehbare Vorstellung - immerhin hat es bei Ajin auch geklappt und beide Serien erscheinen im gleichen Magazin - vom Grundtenor zwar gänzlich unterschiedlich scheinen sie auch mir - schrieb ich ja auch bereits -großartige Komplementärserien füreinander zu sein. Und damit eine schöne Bereicherung für den deutschen Horror-Manga-Markt.

    Den Film werde ich mir mit hoher Wahrscheinlichkeit zulegen, nicht nur weil die Story mich anspricht, sondern auch weil ich mich für die menschlichen Abgründe interessiere und asiatische Filme liebe.
    In diesem Fall könnte ich dir - sofern eine deutsche Veröffentlichung vorausgesetzt ist - auch noch den koreanischen Bedevilled aus der Störkanal-Reihe oder Geständnisse - Confessions, ebenfalls von Rapid Eye Movies und ähnlich Lesson of the Evil mit japanischem Schulsetting - empfehlen. Confessions schlägt zwar in eine ähnliche Kerbe wie Aku no Kyōten, ist von der Gangart her jedoch eine deutlich andere. Bedevilled und Confessions spielen durchaus mit menschlichen Abgründen und eruieren diese während blutiger Tauchgänge in die Psyche. Beide sind zudem noch aus Asien. Deinen genannten Kriterien dürfte dahingehend zumindest entsprochen werden.

    BtW: Super Thread. *thumps up*
    Vielen Dank für das Lob. Das Thema ist mir als solches auch persönlich wichtig. Aus diesem Grund freut es mich sehr, wenn dir der Thread gefällt.
    Geändert von Kulturkerbe (23.09.2014 um 21:07 Uhr)

  9. #84
    Mitglied Avatar von Carcer
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    Vielen Dank für die ausführlichen Vorstellungen, sehr interessante Sachen, die hier vorgestellt werden. Die wenigsten davon sagen mir wirklich zu, aber ein paar würde ich sofort kaufen. Z. B. Umimachi Diary, Thanatos no Shisha, 2DK. Der Rest ist für mich enzweder zu brutal und schonungslos - mir geht schon Gute Nacht Punpun teilweise zu sehr an die Nieren - oder schlichtweg uninteressant.

    Aku no Kyouten habe ich in den Wunsch-Threads auch unterstützt. Ich denke, die Serie könnte hier erfolgreich sein, immerhin haben Soziopathen hochkonjunktur, siehe Hannibal oder Dexter.


    "I'm Loki, yes. I can only be Loki. But as much as they're able, I want people to trust me."
    "You're a manipulative little brat. I trust you about as far as I can throw you.
    Luckily, that's a fair way. You're tiny and I'm pretty damn strong."


    7 Seeds - Saezuru Tori wa Habatakanai - Umimachi Diary - Ooku - Gisèle Alain - Totsukuni no Shoujo - Bread & Butter

  10. #85
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    Hallo Carcer,
    Vielen Dank für die ausführlichen Vorstellungen, sehr interessante Sachen, die hier vorgestellt werden.
    Gern geschehen. Vielen Dank auch dir für das Lesen der Titelvorstellungen.

    Die wenigsten davon sagen mir wirklich zu, aber ein paar würde ich sofort kaufen.
    Das ist natürlich völlig normal - die wenigsten werden sich mit meinem Geschmack zu 100% überschneiden und alle hier vorgestellten Titel so ansprechend finden wie ich. Das kann auch nicht das erwartete Ziel sein, sondern freut es mich schon, wenn einer oder gar eine Handvoll Titel deinem Geschmack oder dem eines anderen Lesers entsprechen. Das reicht schon, finde ich.

    Der Rest ist für mich enzweder zu brutal und schonungslos - mir geht schon Gute Nacht Punpun teilweise zu sehr an die Nieren
    Ich muss sagen, dass ich O-yasumi Punpun mitnichten als einen leichten Titel mit gelegentlichen "Boxschlägen" betrachte. Der Manga ist von Grund auf melancholischer Weltschmerz. Die Darstellung realistisch und daraus resultierend in einer gewissen Weise gnadenlos grausam. Auch mir ging der Titel "an die Nieren", wie du es ausdrückst - mehr sogar als es beispielsweise ein Shimauma oder ein Aku no Kyōten tun. Vielleicht, weil die dargestellten Situationen greifbarer sind, näher. In diese Kerbe schlägt übrigens auch "Boys on the Run", wenn auch eine Spur "leichter verdaulich". Vielleicht besiehst du dich diesem Titel bei Gelegenheit einmal genauer?

    An fehlendem Interesse, dass dein zweites genanntes Ausschlusskriterium war, kann ich leider wenig machen. Entweder ist der besagte Titel dann schlicht nichts für dich oder meine Vorstellung unzureichend gekonnt. Aber solange du ein paar Titel mitgenommen hast, ist der Thread - wie oben erwähnt - für mich persönlich bereits geglückt.

    Aku no Kyouten habe ich in den Wunsch-Threads auch unterstützt. Ich denke, die Serie könnte hier erfolgreich sein, immerhin haben Soziopathen hochkonjunktur, siehe Hannibal oder Dexter.
    Das stimmt. Bedauerlich ist es schon ein wenig, dass sich der aktuelle "Trend-Geschmack" den die Leute in Büchern und Filmen, in TV-Serien und Videospielen willig aufnehmen, so unmerklich auf dem deutschen Manga-Markt wiederzufinden scheint. Oder kann man I am a Hero, Resident Evil und Tokyo Summer of the Dead gar als Nachgeburten des Walking Dead-Phänomens sehen? Und das anstehende Übel Blatt, Archenemy and Hero und Konsorten als langgezogene Schatten eines Game of Thrones-Hype? Wer weiß.
    Geändert von Kulturkerbe (30.09.2014 um 08:48 Uhr)

  11. #86
    Mitglied Avatar von Schreibfaul
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    Ich weiß nicht ob dieser Titel schon mal in irgendeinem Forum schon mal vorgestellt worden ist oder nicht. Da ich ihn selber nicht gelesen habe, kann ich nichts zu dem Inhalt sagen, außer das mich die Zeichnungen total begeistern.
    Erinnert mich an Otomo. Schade das dieser Zeichenstil in Deutschland so unpopulär ist (oder sind etwa Otomo und Satoshi zwei Ausnahmeerscheinungen im Manga Panorama? Gibt es in Japan überhaut so etwas wie eine „Otomo-Schule“, so wie die unterschiedlichen "Stilrichtungen" in Frankreich?)

    http://cdn.halcyonrealms.com/illustr...a-book-review/

  12. #87
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    Hallo Schreibfaul,

    ich weiß nicht, ob du es schon weißt, aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Seraphim 2 oku 6661 Man 3336 no Tsubasa unter dem Titel Seraphim : 266613336 Wings beim französischen Verlag Imho im November 2013, in Spanien bei Planeta Deagostini im Frühjahr 2014 und beim nordamerikanischen Verlag Dark Horse im März 2015 erschienen ist bzw. erscheinen wird. Vielleicht bist du ja einer dieser Sprachen mächtig und hast Interesse an einer ausländischen Veröffentlichung?

    Ich selbst habe den Manga leider nie gelesen, kann also zur Qualität bzw. dem Inhalt keine Angaben machen, kopiere dir aber einmal die englische Inhaltsbeschreibung von Dark Horse: Two of the most acclaimed anime directors of all time, Mamoru Oshii (Ghost in the Shell), and Satoshi Kon (Perfect Blue) came together to create a manga: Seraphim: 266613336 Wings. Written by Oshii and drawn by Kon, Seraphim is the story of a future Earth devastated by the "Angel Plague," a pandemic that induces apocalyptic visions in the afflicted, even as it ossifies their bodies into dead, seraphic forms. A cult-ridden, army-backed medical unit journeys into the heart of a dying Asian city accompanied by Sera, a mysterious girl linked to the phenomenon itself. Have they come here to kill or cure--and is the Angel Plague a withered branch on the tree of life, or somehow a new flowering of existence?

    Du hast leider recht damit, dass der realistische, detailverliebte Zeichenstil von Otomo und Konsorten in Deutschland scheinbar wenig gefragt zu sein scheint. Dieses Schicksal teilen jedoch auch moderne Künstler wie Motorō Mase oder Hanazawa Kengo. Marktgängiger sind Zeichenstile vieler moderner Shōnen- und Shōjo-Serien, die konformer gehen mit dem westlichen Bild japanischer Comicgestaltung. Zumindest scheinen diese flüchtig betrachtet deutlich mehr Zuspruch unter westlichen Lesern zu finden.

    Ōtomo Katsuhiro hatte in Japan einen unglaublichen Einfluss auf viele Mangaka. Ein interessantes Interview wurde vor nicht allzu langer Zeit im Seinen-Magazin Big Comic Spirits veröffentlicht, dort erzählt unter anderem Matsumoto Taiyō von dem Einfluss den Ōtomo auf seine Generation hatte. Mangabrog hat dieses sogar in Englisch übersetzt, für alle die es interessiert: http://mangabrog.wordpress.com/2014/...-keigo-shinzo/

    Ebenfalls englischsprachig und möglicherweise interessant im Zusammenhang ist folgender Beitrag auf Thisisinfamous: http://thisisinfamous.com/started-ak...t-comics-film/

    Eine richtige Schule im Sinne von Moebius oder Hergé von selbsterklärten Anhängern seiner Darstellungsweise ist zumindest mir nicht bekannt. Aber vielleicht ist das auch eine individuelle Definitionssache. Natürlich sind derartig erfolgreiche Mangaka freiwillig oder unfreiwillig Impulsgeber, Idole und hin und wieder auch Lehrer.

    Um zu deiner ersten Frage zurückzukommen: Satoshi und Ōtomo sind im Hinblick auf den realistischen, detaillierten Zeichenstil, der ein wenig an westliche Comics erinnert, mitnichten alleine. Das Schöne an Seinen- und Josei-Manga ist, dass sie wunderbar divers Themen verarbeiten können und im richtigen Magazin und zur richtigen Zeit auch dürfen, dies auch im Hinblick auf die künstlerische Gestaltung. Wenn dir der Zeichenstil von Kon Satoshi und Ōtomo Katsuhiro zusagt, sind vielleicht auch die Werke von Kawaguchi Kaiji, Igarashi Daisuke, Tōme Kei, Taniguchi Jirō, Yasuhiko Yoshikazu und vielleicht, weit ausgeholt aber dennoch empfehlenswert, die Werke von Matsumoto Leiji etwas für dich. Auch Saruwatari Tetsuya oder Morita Masanori befahren in etwa die gleichen Pfade. Hier sei jedoch erwähnt, ausschließlich im Hinblick auf den Zeichenstil.
    Solltest du an konkreten Titeln interessiert sein, kann ich gerne welche nennen.

    PS. Da ich Seraphim nicht kenne, aber die Inhaltsbeschreibung mich ein wenig daran erinnerte und der Zeichenstil sicherlich auch über alle Maßen empfehlenswert ist, sei hier noch Boichi und Yajima Masaos "Rakia" bzw. unter dem englischen Titel der anstehenden One Peace Books-Veröffentlichung lautende "Raqiya" (gleichnamig in Italien, "Sanctum" in Frankreich) erwähnt.
    Geändert von Kulturkerbe (03.02.2015 um 23:49 Uhr)

  13. #88
    Mitglied Avatar von Carcer
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    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    Vielleicht, weil die dargestellten Situationen greifbarer sind, näher.
    So ist es! Und oft sind es Situationen, in denen man sich selbst befunden hat. Deswegen lese ich Inio Asano auch so gerne, weil ich mich sehr oft in seinen Geschichten wiederfinde.

    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    In diese Kerbe schlägt übrigens auch "Boys on the Run", wenn auch eine Spur "leichter verdaulich". Vielleicht besiehst du dich diesem Titel bei Gelegenheit einmal genauer?
    Das werde ich tun!

    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    Entweder ist der besagte Titel dann schlicht nichts für dich oder meine Vorstellung unzureichend gekonnt.
    An deiner Vorstellung gibts nichts zu meckern. Es ist meist die Thematik, die an mir vorbei geht.

    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    Das stimmt. Bedauerlich ist es schon ein wenig, dass sich der aktuelle "Trend-Geschmack" den die Leute in Büchern und Filmen, in TV-Serien und Videospielen willig aufnehmen, so unmerklich auf dem deutschen Manga-Markt wiederzufinden scheint.
    Ist das nicht immer so? Die Masse bestimmt, was erfolgreich ist, und der Kommerz möchte das natürlich so lange es geht ausnutzen. Deswegen ist GoT erfolgreicher als die ASoIaF-Bücher und deswegen war oder ist der Büchermarkt überschwemmt mit "Vampiren". Und der Mangamarkt mit Romance-Shoujos und Shounen.


    "I'm Loki, yes. I can only be Loki. But as much as they're able, I want people to trust me."
    "You're a manipulative little brat. I trust you about as far as I can throw you.
    Luckily, that's a fair way. You're tiny and I'm pretty damn strong."


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  14. #89
    Mitglied Avatar von Schreibfaul
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    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    Du hast leider recht damit, dass der realistische, detailverliebte Zeichenstil von Otomo und Konsorten in Deutschland scheinbar wenig gefragt zu sein scheint. Dieses Schicksal teilen jedoch auch moderne Künstler wie Motorō Mase oder Hanazawa Kengo. Marktgängiger sind Zeichenstile vieler moderner Shōnen- und Shōjo-Serien, die konformer gehen mit dem westlichen Bild japanischer Comicgestaltung. Zumindest scheinen diese flüchtig betrachtet deutlich mehr Zuspruch unter westlichen Lesern zu finden.
    Ja wirklich schade; das ist auch der Grund warum so viele nicht-Manga-Leser ein schlechtes Bild von Mangas haben (nur für kleine Mächchen und simple Zeichnungen)

    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    Um zu deiner ersten Frage zurückzukommen: Satoshi und Ōtomo sind im Hinblick auf den realistischen, detaillierten Zeichenstil, der ein wenig an westliche Comics erinnert, mitnichten alleine. Das Schöne an Seinen- und Josei-Manga ist, dass sie wunderbar divers Themen verarbeiten können und im richtigen Magazin und zur richtigen Zeit auch dürfen, dies auch im Hinblick auf die künstlerische Gestaltung. Wenn dir der Zeichenstil von Kon Satoshi und Ōtomo Katsuhiro zusagt, sind vielleicht auch die Werke von Kawaguchi Kaiji, Igarashi Daisuke, Tōme Kei, Taniguchi Jirō, Yasuhiko Yoshikazu und vielleicht, weit ausgeholt aber dennoch empfehlenswert, die Werke von Matsumoto Leiji etwas für dich. Auch Saruwatari Tetsuya oder Morita Masanori befahren in etwa die gleichen Pfade. Hier sei jedoch erwähnt, ausschließlich im Hinblick auf den Zeichenstil.
    Solltest du an konkreten Titeln interessiert sein, kann ich gerne welche nennen.

    PS. Da ich Seraphim nicht kenne, aber die Inhaltsbeschreibung mich ein wenig daran erinnerte und der Zeichenstil sicherlich auch über alle Maßen empfehlenswert ist, sei hier noch Boichi und Yajima Masaos "Rakia" bzw. unter dem englischen Titel der anstehenden One Peace Books-Veröffentlichung lautende "Raqiya" (gleichnamig in Italien, "Sanctum" in Frankreich) erwähnt.
    Gefällt mir alles sehr gut was du da aufzählst, werde es mir genauer anschauen. Insbesondere Sanctum finde ich fasziniered!!!

    Dankeschön!!!

  15. #90
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    Hallo Carcer,

    Das werde ich tun!
    Das freut mich. Hoffentlich viel Spaß dabei.

    Ist das nicht immer so? Die Masse bestimmt, was erfolgreich ist, und der Kommerz möchte das natürlich so lange es geht ausnutzen. Deswegen ist GoT erfolgreicher als die ASoIaF-Bücher und deswegen war oder ist der Büchermarkt überschwemmt mit "Vampiren". Und der Mangamarkt mit Romance-Shoujos und Shounen.
    Das stimmt natürlich, was du sagst. Dem Gedanken folgend sollte dann doch auch der Manga-Markt von eben jenem derzeitigen Trendphänomen tangiert werden. Da habe ich jedoch oft das Gefühl, passiert dies nur unmerklich - wenn überhaupt. Es kann natürlich an der allgemeinen Nischenexistenz des deutschen Manga-Markts liegen und den daraus resultierenden wenig auffälligen Veränderungen, vielleicht erkenne ich auch nur offensichtliche Entwicklungen, wie oben erwähnt bei den Serien mit Zombie-Thematik, zu einem verspäteten Zeitpunkt, somit wäre dann auch der Manga-Markt nicht gegen den allgemeinen Massengeschmack gewappnet bzw. davon isoliert und lässt sich seit jeher miteinfärben. Zumindest mir scheint dies aber nicht der Fall zu sein.

    Hallo Schreibfaul,

    Ja wirklich schade; das ist auch der Grund warum so viele nicht-Manga-Leser ein schlechtes Bild von Mangas haben (nur für kleine Mächchen und simple Zeichnungen)
    Ja, das ist in der Tat schade und man kann sich leicht darüber ärgern, dass so voreilig eine Kunstform abgeurteilt wird. Aber ist es nicht mit fast jedem Medium so, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis es sich in der "Masse" etabliert hat? Das heißt nicht, dass diese Angewöhnung zwangsläufig stattfinden muss, aber beispielswese Videospiele fristeten vor einigen Jahren noch absolutes Nischendasein und füllen heute große Hallen auf Conventions. Daraus resultiert auch ein breitgefächerter Geschmack und der jetzte Trend zu ungewöhnlichen Indie-Spielen und "reiferen" Erzählweisen. Zumindest in gewissen Kreisen und gewissem Umfang.

    Vielleicht wird es bei Manga eine ähnliche, wenn auch weniger massenumgreifende Entwicklung geben - am Horizont sehen kann ich sie zumindest. Eine "Verfeinerung" des Manga-Markts, die auch ungewöhnliche Titel immer wahrscheinlicher werden lässt und was noch viel wichtiger ist, akzeptierter im breiten Feld.

    Gefällt mir alles sehr gut was du da aufzählst, werde es mir genauer anschauen. Insbesondere Sanctum finde ich fasziniered!!!
    Das freut mich sehr. Wenn du weitere Empfehlungen brauchst, bitte einfach anfragen. Hoffentlich gefällt dir der eine oder andere Titel bzw. Künstler auf ähnliche Weise wie Kon und Ōtomo. Der Markt ist wunderbar divers und auch in Europa gibt es viele Manga-Perlen zu entdecken, die man so vielleicht nie vermutet hätte.

    Dankeschön!!!
    Das in der Tat immer gerne.
    Geändert von Kulturkerbe (01.10.2014 um 07:52 Uhr)

  16. #91
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    Hallo zusammen,

    ich möchte heute einen Manga vorstellen, der - wie ich finde - beide Geschlechter und verschiedene Altersgruppen anspricht. Ein Manga, den man am besten auf einer Liege bei Sonnenuntergang liest. Zumindest assoziiere ich mit diesem Werk stets die orange Farbe untergehender Sonne.

    Gisèle Alain von Kasai Sui
    erschienen im Seinen-Magazin Harta (dort werden unter anderem auch veröffentlicht: Otoyomegatari, Sakamoto desu ga?, Ran to Haiiro no Sekai, Kabuki Isa) beim Verlag Enterbrain
    bisher 5 Bände, fortlaufend
    Erscheinungsjahr: 2010




    Inhaltsbeschreibung:
    Wir befinden uns Anfang des 20. Jahrhunderts in der Hauptstadt Frankreichs. Inmitten der Belle Époque steht das alte Paris, die Straßen gesäumt von pittoresken Alleen, aufragende, beeindruckende Gebäude im Stil der Beaux-Arts-Architektur, blühende Gärten und gediegene Herren in Begleitung stolzer Damen in feinem Zwirn.
    Irgendwo in dieser Millionenstadt steht ein Wohnhaus, im Besitz eines jungen Mädchens. Zudem ist sie Erbin einer reichen Familie. Doch wenig daran interessiert, die Geschäfte der Verwandten weiterzuführen, bricht die junge Gisèle mit den Pflichten und macht lieber das, was ihr wirklich etwas bedeutet, was ihr wichtig ist und sie erfüllt.

    Begleiten muss sie dabei der junge Eric. „Muss“ ist hier das passende Wort, denn eigentlich hat Eric wenig Lust auf die Eskapaden seiner sturen Vermieterin. Doch so herzensgut die junge Gisèle auch sein mag, so schreckt sie nicht davor zurück, die ausstehende Miete dreier Monate auf dem Fuße von Eric zu verlangen, sollte er nicht gewillt sein, ihren Watson zu mimen. So also macht sich das mehr oder minder motivierte Pärchen auf, verlorene Katzen zu finden, Schornsteine zu fegen und andere oftmals alltägliche Geheimnisse inmitten einer vergangenen Epoche zu lüften.
    Mesdames et Messieurs: Elle est appelée Gisèle Alain… femme à tout faire!



    Kurze eigene Meinung:
    Sollte es aus der Inhaltsbeschreibung nicht deutlich genug herausgekommen sein, möchte ich noch einmal betonen, wie großartig Kasai Sui es versteht, das vergangene Paris wiederauferstehen zu lassen. Oder besser, die melancholisch-märchenhafte Atmosphäre der alten Hauptstadt, so wie man sie sich vorstellt. Mit einer unglaublichen Detailversessenheit werden hier Kleidung, Architektur und andere Gegenstände dargestellt. Diese Beschreibung der Arbeitsweise und zudem der Inhalt des Manga werden dem einen oder anderen ziemlich zügig eine andere äußerst talentierte Künstlerin ins Gedächtnis rufen: Mori Kaoru.

    Der Vergleich kann nicht oft genug herangezogen werden, denn was Amir, Emma und Shirley während ihrer jeweiligen Abenteuer auszeichnet, das hat in meinen Augen auch Gisèle in beeindruckend ähnlicher Weise zu bieten. Insbesondere die zeichnerische Darstellung auf einigen Panels ist schlicht atemberaubend und lädt zum Träumen in vergangenen Zeiten ein. Ich würde nur zu gern einige dieser Bilder zeigen, um meine großspurige Behauptung zu untermauern.

    Selbst die Gestaltung der Charaktere hat starke Ähnlichkeit mit Mori. Leider konnte ich im Internet nicht sehr viel über Frau Kasai finden, außer dass sie gerne mit ihrer Katze spielt und Steine sammelt. Eine eventuelle Assistentinnenzeit bei Mori Kaoru kann ich mir jedoch, da zudem beide im gleichen Magazin veröffentlicht werden, sehr gut vorstellen.

    Der Manga beschreibt leicht zugängliche episodische Alltagsgeschichten. Die meisten davon lassen den Leser in ruhiger, freundlicher Atmosphäre verweilen, wenn Gisèle die allerlei Aufträge ihrer Mädchen-für-alles-Agentur mit der Hilfe ihres Gefährten Eric anpackt - man denke dabei an Feel-Good-Stories à la Aria, Yotsuba und Yokohama Kaidashi Kikō. Hin und wieder finden jedoch auch ernstere und traurigere Geschichten ihren Weg in die Handlung.

    Hauptanziehungspunkt für mich ist neben der gekonnten künstlerischen Gestaltung des Paris zu Beginn des letzten Jahrhunderts der erfrischende Charakter des Hauptcharakters. Eine burschikose, eigenwillige und sture Persönlichkeit, die so gar nicht in die allgemeingültige Vorstellung der gesellschaftlichen und geschlechtertypischen Etiquette jener Zeit passen will. Gisèle macht was ihr Spaß macht. Dabei taut sie nicht nur das kälteste Herz Paris sondern hin und wieder gibt es für die Dienste auch ein paar Münzen. Und derart verdientes Geld ist mit keinem Erbe der Welt aufzuwiegen. Doch sieht ihre Familie das auch so?



    Der Manga Gisèle Alain wird im Westen bisher in Italien (GP Publishing) und Frankreich (Editions Ki-oon) veröffentlicht. Ich fände eine deutsche Veröffentlichung sehr schön und ganz unwahrscheinlich ist es wohl auch nicht, ruft man sich ins Gedächtnis, dass es die Titel Mori Kaorus trotz großer Ähnlichkeit in Handlung und Gestaltung ebenfalls geschafft haben.

    Ich empfehle den Manga primär denjenigen, die einen oder mehrere der in dieser Vorstellung erwähnten Titel erkannt und gemocht haben. Ich empfehle ihn auch allen, die gerne in jener Epoche schwelgen, gibt es doch leider nicht so viele Werke, die thematisch in der jüngeren Vergangenheit Europas angesiedelt sind. Und zuletzt empfehle ich den Manga allen Lesern, die das Werk einer handwerklich äußerst talentierten Künstlerin lesen möchten.
    Au revoir, demoiselle.



    PS. Bin ich der Einzige der beim Anblick Gisèle Alains ständig an Mathilda aus Luc Bessons „Léon – Der Profi“ denken muss?
    Geändert von Kulturkerbe (01.10.2014 um 14:10 Uhr)

  17. #92
    Mitglied Avatar von Mikku-chan
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    Gisèle Alain würde ich mit Kusshand nehmen, und kommt der nicht bald mal, werde ich ihn mir auf frz. kaufen. >.<

    Ich liebe Stories, die in der Zeit spielen, ob nun paar Jahrzehnte davor oder danach, ob in Frankreich oder England. Der Zeichenstil ist absolut wundervoll und er erinnert - absolut zurecht - an Kaoru Moris Werke Emma oder Young Bride's Story. :3
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  18. #93
    Annerose
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    Gisèle Alain würde mich auch ansprechen. Würde ich mir holen, wenns in deutsch erscheinen würde.

    PS. Bin ich der Einzige der beim Anblick Gisèle Alains immer an Mathilda aus Luc Bessons „Léon – Der Profi“ denken muss?
    Stimmt jetzt wo du es sagst Habe den Film vor einiger Zeit geschaut.


    Edit:
    Gerade gesehen das du Aku no Kyōten auch vorgestellt hast. Den Manga wünsche ich mir derzeit bei den Verlagen und es wäre echt toll wenn sich ein Verlag diesen schnappen würde. Bin durch den Realfilm auf die Manga Serie gestoßen.
    Geändert von Annerose (01.10.2014 um 14:18 Uhr)

  19. #94
    Mitglied Avatar von Carcer
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    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    Das stimmt natürlich, was du sagst. Dem Gedanken folgend sollte dann doch auch der Manga-Markt von eben jenem derzeitigen Trendphänomen tangiert werden. Da habe ich jedoch oft das Gefühl, passiert dies nur unmerklich - wenn überhaupt.
    Ich hatte deine Aussage so gedeutet, dass du diese Entwicklungen auch auf dem Manga-Markt siehst. Ein Missverständnis also Ich selbst überblicke den Markt zu wenig, als dass es mir wirklich auffallen würde. Bei Büchern und Serien/Filmen ist es leichter, weil sie viel präsenter sind.

    Und I Am a Hero scheint hier gar nicht so viele Fans zu haben. Zu wenig Action und Splatter, würde ich mal sagen.


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  20. #95
    Mitglied Avatar von Soul_Silence
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    Jetzt will ich auch mal einen Manga in die Runde werfen, der zum Josei-Bereich gehört:

    IS - Otoko Demo Onna Demo Nai Sei von Chiyo Rokuhana



    Bände: 17 (abgeschlossen)
    Genre: Drama, Gender Bender, Josei, Romance, School Life
    Magazin: Kiss (u.a. Werke wie Nodame Cantabile, Kimi wa Pet (Tramps like Us), Kuragehime)
    Verlag: Kodansha
    Jahr: 2003

    Inhaltsangabe:
    Wie ist es, wenn man weder 100 % Mann noch Frau ist? Wenn man einem genetisch oder anatomisch bedingt nicht in ein Geschlecht einordnen kann? Solche Menschen nennt man Intersexuelle oder auch Hermaphroditen. Der Manga zeigt verschiedene Fälle von Intersexuellen und deren Leben. Im 1. Band geht es um Hiromi, einer Office Lady, und Ryoma, der zuerst wie ein Junge lebte, aber sich dann für ein Leben als Mädchen entschied. Ab Band 2 folgt man Haru, von der Geburt bis zur Highschool. Zwischendurch kommen noch weitere Intersexuellen vor, von denen manche auch mit Haru befreundet sind.

    Der Manga zeigt auf, wie es ist als Intersexueller zu leben: Durch welchen Schmerz man durch muss, die Probleme mit denen man konfrontiert wird (sei es die Familie oder allgemein die Umgebung) und das Wissen, dass man niemals Kinder zeugen oder bekommen kann. Am schlimmsten ist jedoch die Angst, womöglich niemals einen Partner zu finden, der einem akzeptiert, so wie man ist.

    Meine Meinung:
    Es ist lange her, seit ich in IS reingelesen habe. Der Manga ist zwar relativ simpel gezeichnet und auch die Cover sind vielleicht nicht vielen Details gespickt, jedoch passt genau diese Einfachheit zum Werk. Ein zu detaillierter Stil würde meiner Meinung nach ein wenig vom Charme von IS wegnehmen.

    Die Thematik über die Intersexualität ist auch etwas, von dem ich in Mangaform vorher noch nie was gelesen habe (gut, später kam zwar After School Nightmare mit einem intersexuellen Hauptcharakter, jedoch ging es dort nie zentral um das Thema). Ich finde IS sehr bewegend, besonders die Geschichte von Haru. Jahrelang lebte Haru als Junge bis er (ich sage mal er) dann auf der Highschool wegen der Geburtsurkunde als Mädchen zum Unterricht musste. Auch wuchsen ihm in dieser Zeit die Brüste und er bekam seine Tage. Haru wollte lieber weiter als Junge leben bis er schließlich Kenji kennenlernt, in den er sich mit der Zeit verliebt und dieser auch in ihn. Wie sollte man jedoch dem Freund sagen, dass man selbst kein "richtiges" Mädchen ist - aber auch kein "richtiger" Junge? Wie würde er darauf reagieren? Ablehnend oder verständnisvoll? Könnte er damit leben, dass er nie mit so einer Person Kinder haben könnte oder nicht?

    In Harus Fall ging es gut aus und Kenji akzeptierte nach anfänglicher Schwierigkeit ihn so wie er ist, und machte nicht Schluss. Allgemein hatte Haru sehr viel Glück, da seine Eltern ihn nicht zu einem Geschlecht gezwungen haben, in dem sie ihn nach der Geburt gleich vollständig zum Mädchen oder Jungen umoperieren ließen. Sowas ist keine Selbstverständlichkeit, da es für die meisten Eltern einfacher ist ihr Kind als Mädchen oder Jungen in der Öffentlichkeit vorzustellen und dadurch keine unangenehmen Fragen beantworten müssen. Auch ist es nicht immer der Fall, dass sich die Eltern gut mit ihrem intersexuellen Kind verstehen und Verständnis zeigen. In IS kommt auch noch das Schicksal einer intersexuellen Freundin von Haru vor, die deswegen ein eher schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter hat.

    Von IS gibt es noch ein J-Drama, welches 10 Episoden lang ist und im Sommer 2011 lief. Die Hauptrolle des Haru Hoshino spielte Saki Fukuda. Auch gewann IS 2007 den Kodansha Manga Award im Bereich Shojo (daher bin ich nicht sicher, ob IS wirklich ein Josei ist oder doch ein Shojo).



    Die Wahrscheinlichkeit, dass IS bei uns erscheint, ist gegen 0, da der Manga 1. einen simplen Zeichenstil hat 2. eine Thematik, die schon recht speziell ist und 3. vor allem mit dem Erscheinungsjahr 2003 zu alt für den deutschen Mangamarkt ist. Daher hatte ich die Hoffnung, dass wenigstens die Franzosen den Manga eines Tages lizenzieren würden, weil bei ihnen vieles, was bei uns nie erscheinen wird, zu kaufen gibt. Leider ist das bis heute nicht passiert .

    Ich weiss auch nicht, wie viel "Sinn" es macht, einen Manga zu präsentieren, den es außerhalb von Japan gar nicht gibt, aber ich wollte ihm einfach ein wenig mehr Aufmerksamkeit geben, weil es ein wirklich tolles Werk ist.
    Geändert von Soul_Silence (02.10.2014 um 17:16 Uhr)
    Meine PKT: IS - Otoko demo Onna demo nai sei (oberste Priorität!), B Gata H Kei, Rudolf Turkey, Harapeko Usagi to Koisuru Ookami, Boku no Kimi to de Niji ni naru, Haikyuu!!, Sugars
    Sonstige Wünsche:
    Kuroko no Basket, Lady Detective, Lovely Complex, Cousin, Gunka no Baltzar, Hitori-Tachi, Tight Rope

  21. #96
    Mitglied Avatar von PachiPa
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    @Soul Silence: Du hast den Manga wirklich toll vorgestellt. Ich bin ganz bewegt!
    Beruflich hatte ich mal mit einer Person zu tun, bei der diese Problematik auftrat. Da habe ich mich schon etwas unsicher gefühlt. Er/sie ist da aber ziemlich locker mit umgegangen und hat es mir so leichter gemacht. Was er schon alles erlebt hatte will ich wohl gar nicht wissen. Ich bin nur froh, in einer Zeit und in einer Gesellschaft zu leben, wo solche Themen auch besprochen werden, und man den Betroffenen nicht mehr als Hexe oder Teufel verbrennt.
    Wir haben letztens auch mit unseren Kindern über das Thema Hermaphroditen gesprochen. Wir sitzen meistens Abends immer alle zusammen beim Essen, und da hat mein Mann dann unseren Kindern auch von so einem Fall bei sich auf der Arbeit erzählt. Er ist Beamter und bei der Personanlienangabe auf Formularen muss man das Geschlecht nicht mehr angeben, eben aufgrund dieser ungewissen Fälle. Damit diese sich nicht benachteiligt fühlen. Schön, daß meine Kinder mit solch ungewöhnlichen Thematiken ganz selbstverständlich aufwachsen können.

    Gerne würde ich auch IS einmal lesen. Es hört sich wirklich gut an!
    Geändert von PachiPa (02.10.2014 um 07:35 Uhr)

  22. #97
    Mitglied Avatar von Schreibfaul
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    Zitat Zitat von Kulturkerbe Beitrag anzeigen
    Du hast leider recht damit, dass der realistische, detailverliebte Zeichenstil von Otomo und Konsorten in Deutschland scheinbar wenig gefragt zu sein scheint. Dieses Schicksal teilen jedoch auch moderne Künstler wie Motorō Mase oder Hanazawa Kengo.
    Ooh, bei Carlsen erscheint bald Opus von Satoshi Kon!!
    Würde ich auch in die oben genannte Gruppe aufnehmen.
    Mal sehen, ob sich das noch jemand anders außer mir kaufen tut...

  23. #98
    Mitglied Avatar von MissMoxxi
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    @ Schreibfaul: Klaaaaaarrr *.*
    Probleme löse ich grundsätzlich mit Feenstaub!


  24. #99
    Mitglied Avatar von Schreibfaul
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    Zitat Zitat von Moxxi Beitrag anzeigen
    @ Schreibfaul: Klaaaaaarrr *.*
    Tut nichts zur Sache, aber dein Wonder Woman Profilbild find ich mal richtig

  25. #100
    Mitglied Avatar von Peuchel
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    Obwohl ich nicht wirklich der Historical-Fan bin, würde ich Gisèle Alain auch sehr begrüßen. :3 IS kannte ich noch gar nicht wirklich, sieht aber sehr interessant aus!



    Edit: Wäre es möglich, im ersten Post eine Art Register hinzuzufügen, wo man dann per Mauklick zum richtigen Post gelangt, wo der Titel vorgestellt wird? So fleissig, wie hier Titel vorgestellt werden, wird es sonst irgendwann bestimmt unübersichtlich.
    Geändert von Peuchel (02.10.2014 um 16:27 Uhr)
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