"Es ist die Unmöglichkeit, zwei Menschen auf dieselbe Art zu lieben."
Ein Mann und eine Frau - 20 Jahre später (DVD, diesmal als deutsche Edition)
Das Kinopublikum des ersten Teils hat bestimmt nie auf eine Fortsetzung gewartet und hatte 1986 womöglich auch längst anderes zu tun. Und genau das ist auch das Thema dieses Films, der wie kein anderer die Meisterleistung vollbringt, die 60er Jahre und die 80er Jahre in Beziehung zu setzen. Sagenhaft! Am Anfang weiß man gar nicht, was Film und was Film im Film ist. Auch wartet hier niemand - wie im Vorgänger - 20 Minuten auf die Antwort einer Frage. Hier werden ständig drei Gespräche gleichzeitig geführt. In den 80er Jahren war niemand entschleunigt, bei sich und in meditativer Haltung (obwohl Letzteres durchaus das Ziel eines Teils der Jugendkultur war). Die 80er waren laut, psychedelisch, bunt und ungebremst. Der Film schafft es aber, dies auszudrücken und zugleich selbst doch Ruhe auszustrahlen. Distanz zu seinem Thema zu halten. Zwischendurch gibt es hier eine Thrillerhandlung, die später dann verfilmt wird. Zugleich könnte man den Filme als Vorab-Entmythologisierung von Bertoluccis "Der Himmel über der Wüste" betrachten, jedenfalls in der zweiten Hälfte.
Wenn die 60er Jahre das existentialistische Jahrzehnt sind, wo Standards in Frage gestellt werden, wo Paare weniger an Ehe und Fortpflanzung als an Rauchen, Whiskey, Sex und Gesellschaft interessiert sind, dann sind die 80er Jahre die Geburtsdekade von Modebegriffen wie Burn Out. Und Anouk Aimee ist da schon mittendrin. Wenn sie aber als Regisseurin die Ereignisse des ersten Films als Musical inszeniert, mit ihrer Tochter als sie selbst, dann nimmt der Film eine humorvolle, fast sarkastische, Position zu sich selbst und seinem Vorgänger ein. Und da wären wir dann wieder im phänomenologischen Existentialismus, der in den 60er Jahren eine Popkultur war und von der Lelouch, der Regisseur beider Filme, sicherlich mehr als nur geküsst war.
Die Fortsetzung ist sowohl als Fortsetzung als auch als eigenständige Meditation des Seins, des Nichts, der Filmwelt und des Lebens eine kleine Sensation. Eine völlig andere Form des Sequels als die, die wir aus den USA kennen. Hier wird nicht wiederholt, nicht erweitert und es werden keine Erwartungen erfüllt. Hier zeigt der Film, dass ihm das obige Zitat ernst und wichtig ist. Es ist die Unmöglichkeit, zwei Filme auf dieselbe Art zu machen. Die Amis beweisen zwar seit 25 Jahren das Gegenteil und versuchen zu beweisen, dass man überhaupt nicht zwei verschiedene Filme machen kann (Scherz.

), aber die Wahrheit liegt wie immer nicht in der Mitte.
Die Franzosen und Italiener sind filmtechnisch einfach der totale Hammer. Dieser Film ist gerade heute umwerfend. In den 80ern mag er eben einer dieser Filme gewesen sein, aber von heute aus gesehen ist er eine Offenbarung.
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