The Church (UK-Bluray)
Die meisten Editionen dieses Films von Michele Soavi (unter nicht genau zu rekonstruierender Mithilfe von Daro Argento) sind uncut, und doch kommt mir diese hier mit 102 (Bluray-)Minuten irgendwie inhaltlich besser sortiert vor. In einer Kirche kommt es zu okkulten Vorgängen, von Besessenheit bis Reinkarnation, intellektuell beseelt von Michelangelo bis Nietzsche, maßgeblich begleitet von architektonischen Einfällen. Ein Prolog lässt die Frage zu, ob der Film die christliche Kirche dämonisiert oder deren Inquisition legitimiert. Dazu siehe unten. Visuell ist das alles jedenfalls ganz außerordentlich großartig und auch nach oftmaligem Sehen macht es immer wieder Spaß. Einer meiner Lieblings-Italo-Horrorfilme und ich empfehle, ihn dank dieser Edition im italienischen Original zu gucken, für die hier angeblich weltweit erstmalig englische Untertitel zur Verfügung gestellt wurden, die sich in Details auch positiv von der englischen Synchronisation unterscheiden. Asia Argento in ihrer zweiten Kinorolle (nach Demoni 1) leidet hier deutlich weniger als ihr Vater es ihr sonst zugemutet hat.
Ein Schlüsselmoment des Italo-Horror-Genres insgesamt zeigt sich gegen Ende, wenn von einer kosmischen Struktur (des Übernatürlichen) gesprochen wird, die sich in der menschlichen Architektur wiederspiegelt, wodurch sich die rätselvollen Ereignisse erklären lassen. Was für ein Geniestreich. Und erinnert mich sofort an den herausragendsten Moment in Lars von Triers "Nymphomaniac", wenn sich anhand der Fibonacci-Zahlenfolge ein kausaler Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Sex auftut. Hier lässt sich der Vorwurf an Argento in Frage stellen, dass der Meister formal brilliant, inhaltlich schwach sei. Ist es nicht eher so, dass überall im italienischen Horror die spirituelle Verknüpfung zwischen Natur und Übernatürlichem visuell sichtbar wird, aber sich nicht in Worte kleiden lässt? Der bellende Hund auf dem leeren Kirchplatz in "Suspiria"? Die Kommunikation mit Insekten in "Phenomena"? Der fast vollständig nur aus Ahnungen und Spontanität zusammengesetzte "Inferno"? Argento und seine Acolyten berufen sich hier grundsätzlich und elementar auf eine kosmische Ordnung, die das Übernatürliche und Dämonische in sich trägt, die aber aufgrund ihrer überirdischen Beschaffenheit nicht im Film in Text transkribiert werden kann. Wenn man den Gedanken zu Ende führt, erscheint plötzlich die "Offenbarung des Johannes" wie ein Deja Vu eines Argento-Filmes.

Was der Meister selbst in "Mother of Tears" - den ich ja genial finde - dann im Grunde selbst ausführt.
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