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  1. #476
    Mitglied Avatar von franque
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    Es ist keine Aversion, ich kriege Alpträume von solchen Filmen. Das ist das Problem.
    Dann ist das Ansehen solcher Filme (also der guten) die erste Therapie-Maßnahme dagegen. Ich bin allerdings letztens bei einer Freundin mit "High Tension" auch gescheitert. (Ich glaube, das Thema hatten wir schon mal). Wurde nach kurzer Zeit abgeschaltet . Sie ist wohl nicht mal mehr zu der grandiosen Szene mit Ricchi & Poveris "Sara Perche Ti Amo" gekommen.
    Ich sage immer: Man muss sich irrationalen Phobien stellen!
    Oder wie ein genialer Werbespruch zu Wes Cravens "Last House On The Left" es ausdrückte: "Keep repeating: it's only a movie..."

  2. #477
    Wenn Deine Phantasie Dir aber Streiche spielt, dann nützt es nix zu wissen, das das Ganze nicht real ist. Das interessiert Deine Phantasie dann nämlich nicht, leider!
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

  3. #478
    Mitglied Avatar von franque
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    Es kann sich aber auch ein kathartischer Effekt einstellen, der für die Überwindung solcher Ängste (oder wie auch immer man's nennen will) hilfreich und auch in anderer Hinsicht geradezu befreiend ist.
    Die wirklich guten Horror-Filme haben meistens eine tiefere und subversivere Bedeutung, deren Erkennen das Horror-Drumherum in den Hintergrund drängt. Sie leisten sozusagen ein Sichtbarmachen des Unaussprechlichen/Diffusen. Deswegen ist auch das Medium Film für solche Themen besonders geeignet: Realismus und Überrealismus vermischen sich allmählich. Sie zwingen einen zur Auseinandersetzung mit dem Verdrängten und haben so einen gewissen Therapie-Effekt.
    Außerdem muss der Zuschauer hier eine bedeutend höhere "Transferleistung" als z.B. bei romantischen Komödien erbringen; somit sind die guten Horrrorfilme auch erheblich "intelligenter" als Mainstreamfilme.

    Der von OK genannte "Carrie" ist da ein Musterbeispiel.
    Geändert von franque (29.08.2017 um 00:36 Uhr)

  4. #479
    Ich habe als Kind sowohl "Der weiße Hai" als auch einen "Dracula" gesehen. Nachts kommen die Ängste wieder hoch. Und da soll ich mir freiwillig einen Horrorfilm angucken?

    Ich verstehe, Du meinst es gut. Aber das möchte ich mir doch lieber nicht antun. Ich hoffe, Du kannst das verstehen.
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

  5. #480
    Mitglied Avatar von franque
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    Ich meine es fast immer gut.

    Aber gerade Dracula: Die Rache des seiner Macht beraubten Adels an Unschuldigen ist der Kern der Sache. Oder Frankenstein: Der überhebliche "rationale" Mensch will Gott spielen und befriedigt im Grunde nur seine niederen Gelüste (Stichwort: Frankensteins Braut, die eine Art Bruch des Inzesttabus darstellt). Oder "Texas Chainsaw Massacre": Die abgehängte Landbevölkerung entpuppt sich als tickende Zeitbombe, die die Schattenseite des amerikanischen "Traums" darstellt und den arrogant auf sie Hinabschauenden die unvermeidliche Apokalypse einleitet. Oder "Carrie": Die repressive Religiösität scheitert an der von ihr unterdrückten Sexualität, die sich eindrucksvoll Bahn bricht. Das alles setzt die Horror-Effekte immer in ein ganz anderes Licht.

    Aber ich will natürlich niemanden zu etwas drängen.

  6. #481
    Was für eine Ironie, die besten Themen werden offenbar in Horrorfilmen verarbeitet.
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

  7. #482
    Mitglied Avatar von franque
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    Das hatte sicher oft damit zu tun, dass diese Themen v.a. früher lieber verschlüsselt behandelt wurden.

  8. #483
    Angst vor politischen Themen? Na ja, die gibt's heute auch noch.
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

  9. #484
    Mitglied Avatar von franque
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    So wie das Un(ter)bewusste sich nicht auf Dauer verdrängen lässt, so wird der von der Norm abweichende Aussenseiter - sei es Carrie oder Leatherface aus TCM - irgendwann aus seiner durch Repression erzwungenen Isolation ausbrechen. Gerade Leatherface hat in dem 2013er "Texas Chainsaw" (einer direkten Fortsetzung des Hooper-Originals von 1974) eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. In dem Bertz & Fischer-Buch "Splatter Movies - Essays zum modernen Horrorfilm" gibt es eine wunderbare Analyse der berüchtigten Chucky-Reihe, die völlig schlüssig aufzeigt, wie die Mörderpuppe und ihre Braut einen Gegenentwurf zur "heteronormativen" Familie darstellen - eine ätzend satirische Alptraum-Antwort auf die von den braven Republikanern und fundamentalistischen Christen vertretenen amerikanischen family values.
    Völlig klar wird das endgültig in den TV-Serien "True Blood" und noch mehr "American Horror Story", die die ganze Zeit tonnenweise Subtext transportieren und bei denen das Horror-Genre eigentlich nur ein Aufhänger ist.

    Die Tage läuft übrigens Cronenbergs "Die Brut" auf Arte. Cronenberg hat den völlig zurecht als seine Antwort auf den im selben Jahr erschienenen "Kramer gegen Kramer" bezeichnet. "Kramer" war ja ohnehin eine Mogelpackung, nämlich seinerseits eine durchaus fragwürdige Antwort auf die 70er-Feminismusfilm-Welle, wo all das, was normalerweise die Frau "durchmachte", jetzt in kompletter Verdrehung der Geschlechter (und Realität) auf Dustin Hoffman projiziert wird.



    Zum Subtext des modernen Horrorfilms siehe auch diesen sehr schönen Artikel von Georg Seeßlen auf Zeit Online:
    http://www.zeit.de/kultur/film/2015-...talismus-essay
    Geändert von franque (29.08.2017 um 14:12 Uhr) Grund: Ergänzung zu Die Brut

  10. #485
    Mitglied Avatar von Bücherwurm77
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    Ich habe mir vor kurzem mal wieder den Film "Horror-Express" angesehen, wo neben Peter Cushing und Christopher Lee auch Telly Savalas mitspielt... Angst bekomme ich bei sowas nicht, aber irgendwie ist der Film auch unterhaltsam. :-)

  11. #486
    Zitat Zitat von franque Beitrag anzeigen
    So wie das Un(ter)bewusste sich nicht auf Dauer verdrängen lässt, so wird der von der Norm abweichende Aussenseiter - sei es Carrie oder Leatherface aus TCM - irgendwann aus seiner durch Repression erzwungenen Isolation ausbrechen. Gerade Leatherface hat in dem 2013er "Texas Chainsaw" (einer direkten Fortsetzung des Hooper-Originals von 1974) eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. In dem Bertz & Fischer-Buch "Splatter Movies - Essays zum modernen Horrorfilm" gibt es eine wunderbare Analyse der berüchtigten Chucky-Reihe, die völlig schlüssig aufzeigt, wie die Mörderpuppe und ihre Braut einen Gegenentwurf zur "heteronormativen" Familie darstellen - eine ätzend satirische Alptraum-Antwort auf die von den braven Republikanern und fundamentalistischen Christen vertretenen amerikanischen family values.
    Völlig klar wird das endgültig in den TV-Serien "True Blood" und noch mehr "American Horror Story", die die ganze Zeit tonnenweise Subtext transportieren und bei denen das Horror-Genre eigentlich nur ein Aufhänger ist.

    Die Tage läuft übrigens Cronenbergs "Die Brut" auf Arte. Cronenberg hat den völlig zurecht als seine Antwort auf den im selben Jahr erschienenen "Kramer gegen Kramer" bezeichnet. "Kramer" war ja ohnehin eine Mogelpackung, nämlich seinerseits eine durchaus fragwürdige Antwort auf die 70er-Feminismusfilm-Welle, wo all das, was normalerweise die Frau "durchmachte", jetzt in kompletter Verdrehung der Geschlechter (und Realität) auf Dustin Hoffman projiziert wird.



    Zum Subtext des modernen Horrorfilms siehe auch diesen sehr schönen Artikel von Georg Seeßlen auf Zeit Online:
    http://www.zeit.de/kultur/film/2015-...talismus-essay
    Also ich möchte das, was dieser Artikel schreibt, nicht glauben. Wie soll man denn so leben können?
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

  12. #487
    Mitglied Avatar von franque
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    Filme waren eben schon immer ein Abbild der Gesellschaft(en). Diese These - oder besser dieses Axiom - kann man praktisch auf jeden Film anwenden, egal ob hohe Kunst, Mainstream oder "Abseitiges" wie Horror.

    Zitat aus dem Artikel: "So, wie wir gelernt haben, Horror als Abbildung sozialer und familiärer Deformationen zu sehen, deren Benennung ansonsten schwierig bis unmöglich ist."
    Und:
    "Das Genre schreibt eine negative Sozialgeschichte des Neoliberalismus. Schlimmer kann es nicht mehr werden, das ist der Stoßseufzer des kapitalistischen Realismus. Doch, sagt der moderne Horrorfilm. Es wird noch viel schlimmer."

    Sieh dir "Die Brut" an (demnächst auf Arte). Es ist die ehrlichere Negativ-Version von "Kramer gegen Kramer".

    Nicht Horror ist schlimm und schädlich. Kitsch ist schlimm und schädlich.

  13. #488
    Mitglied Avatar von Mayaca
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    Zitat Zitat von franque Beitrag anzeigen
    Filme waren eben schon immer ein Abbild der Gesellschaft(en). Diese These - oder besser dieses Axiom - kann man praktisch auf jeden Film anwenden, egal ob hohe Kunst, Mainstream oder "Abseitiges" wie Horror.

    Zitat aus dem Artikel: "So, wie wir gelernt haben, Horror als Abbildung sozialer und familiärer Deformationen zu sehen, deren Benennung ansonsten schwierig bis unmöglich ist."
    Und:
    "Das Genre schreibt eine negative Sozialgeschichte des Neoliberalismus. Schlimmer kann es nicht mehr werden, das ist der Stoßseufzer des kapitalistischen Realismus. Doch, sagt der moderne Horrorfilm. Es wird noch viel schlimmer."

    Sieh dir "Die Brut" an (demnächst auf Arte). Es ist die ehrlichere Negativ-Version von "Kramer gegen Kramer".

    Nicht Horror ist schlimm und schädlich. Kitsch ist schlimm und schädlich.
    Kitsch ist aber gerade in seiner Nachbetrachtung ein Abbild der Gesellschaft, wenn man dann noch die Beliebtheitswerte dazu rechnet...

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  14. #489
    Mitglied Avatar von franque
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    Ja klar, das ist auch kein Widerspruch. Wie gesagt, praktisch jeder Film ist irgendwie Abbild der Gesellschaft und/im Spiegel seiner Zeit. Der "Kitsch" ist eine für mich negative Eigenschaft, geben tut es den trotzdem massenhaft und das hat eben auch seine Gründe.

    In dem Artikel wird ja "Twilight" erwähnt. Die Reihe habe ich nie gesehen, aber nach allem was ich drüber gelesen habe, ist dies der Versuch, klassische (ursprünglich subversive) Horror-Elemente für einen erzkonservativen Familien- und Gesellschaftsentwurf zweckzuentfremden, was durch ein Übermaß an Fantasy-Kitsch leider erfolgreich war. Es gibt einen Markt für sowas und ein Interesse daran sowas zu produzieren, zumal in den USA (Stichwort: Teen-Keuschheitsgelübde, und das dann hier ausgerechnet mit Vampiren ).

    Aber andere Horror-Filme waren natürlich ebenfalls reaktionär, nur auf andere Weise (weniger ideologisch), z.B. "Der Exorzist" oder natürlich die ganzen Slasher, in denen Teenager, die Sex haben und kiffen, mit der Machete Bekanntschaft machen. Die sind die andere Seite der Medaille von "Dawn Of The Dead" oder "Texas Chainsaw Massacre": Während bei diesen die gesellschaftliche Ordnung unrettbar entgleitet, werden in den Slashern die Verstöße dagegen mit Gewalt wieder eingefangen. Die Ruhe am Ende ist immer trügerisch; es wird nie wieder gut, was auch wieder ein subversiver Zug ist. Das scheint bei "Twilight" doch anders zu sein, ist aber eben von gewissen gesellschaftlichen Gruppen als jeglichen Sinns beraubter, realitätsferner Quark so herbeiersehnt.

    Film-Romanzen enden meistens mit Happy-End, aber manchmal auch im Kitsch-Overkill. Damit konnte man schon immer reaktionärsten Unfug an den Mann bzw. die Frau bringen, siehe "Pretty Woman" oder erst recht "Ein Offizier und Gentleman". Die beiden sind für mich keine wirklich schlechten Filme, aber von der "Botschaft" her viel schädlicher als so gut wie jeder Horror-Film.

  15. #490
    Die wollen keine Botschaft senden, die wollen nur unterhalten. Und ich unterhalte mich lieber als dass ich mich grusel.
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

  16. #491
    Mitglied Avatar von franque
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    Na ja, "Offizier und Gentleman" kann man jetzt schon als Reklamefilm für die Navy sehen. Sozusagen "Top Gun" für die eher weibliche Klientel. Und "Pretty Woman" zeigt den jungen Frauen eben, dass es okay ist, auf den Strich zu gehen, wenn man so den Märchenprinzen kriegen kann. Ob das eine beabsichtigte Botschaft war oder nicht. Und "Märchen" ist das Schlüsselwort. Der Horrorfilm ist grundsätzlich mit dem Märchen (s. Artikel) verwandt und liefert zumeist die besonders düstere Variante.

    Außerdem schließen sich Unterhaltung und Grusel wohl kaum aus.

    Viele besonders erfolgreiche Filme waren und sind deshalb besonders erfolgreich, weil sie auf mehreren Ebenen funktionieren. Es gibt z.B. sicher auch viele Tarantino-Anhänger, die die unzähligen Zitate in seinen Filmen gar nicht erkennen bzw. von den zitierten Sachen noch nie was gehört haben. Aber diese Nerd-Ebene ist dabei ja auch nicht alles.
    Geändert von franque (30.08.2017 um 15:00 Uhr)

  17. #492
    Mitglied Avatar von Mimile
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    Zitat Zitat von franque Beitrag anzeigen

    US-Filme enden meistens mit Happy-End, aber manchmal auch im Kitsch-Overkill.
    Ich hab's mal korrigiert. Das wäre eigentlich einen eigenen Thread wert. Die krassesten Nachwehen das Hays Codes.

  18. #493
    Mitglied Avatar von Mayaca
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    Zitat Zitat von Mimile Beitrag anzeigen
    Ich hab's mal korrigiert. Das wäre eigentlich einen eigenen Thread wert. Die krassesten Nachwehen das Hays Codes.
    Hays Code? Eher der Kampf zwischen Studio und Regie, oder Drehbuchautor und Regie und Studio...

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  19. #494
    Zitat Zitat von franque Beitrag anzeigen
    Na ja, "Offizier und Gentleman" kann man jetzt schon als Reklamefilm für die Navy sehen. Sozusagen "Top Gun" für die eher weibliche Klientel. Und "Pretty Woman" zeigt den jungen Frauen eben, dass es okay ist, auf den Strich zu gehen, wenn man so den Märchenprinzen kriegen kann. Ob das eine beabsichtigte Botschaft war oder nicht. Und "Märchen" ist das Schlüsselwort. Der Horrorfilm ist grundsätzlich mit dem Märchen (s. Artikel) verwandt und liefert zumeist die besonders düstere Variante.

    Außerdem schließen sich Unterhaltung und Grusel wohl kaum aus.

    Viele besonders erfolgreiche Filme waren und sind deshalb besonders erfolgreich, weil sie auf mehreren Ebenen funktionieren. Es gibt z.B. sicher auch viele Tarantino-Anhänger, die die unzähligen Zitate in seinen Filmen gar nicht erkennen bzw. von den zitierten Sachen noch nie was gehört haben. Aber diese Nerd-Ebene ist dabei ja auch nicht alles.
    Okay, wer Grusel oder Horror mag, fühlt sich natürlich davon unterhalten. Aber da sind die Geschmäcker halt verschieden. Und wenn wir hier von Märchen sprechen: Glaubst Du wirklich, dass die Menschen, die Romanzen usw. angucken, so naiv sind, dass sie das nicht als Märchen erkennen? Wieviele "Pretty Womans" kennst Du im realen Leben? Wird wohl nicht so viele davon geben.
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

  20. #495
    Mitglied Avatar von franque
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    Natürlich werden viele (erwachsene) Zuschauer solche Konstrukte durchschauen, das gilt für das Horror-Genre genauso. Das heißt aber noch lange nicht, dass nicht eine unterschwellige Ideologie drin steckt. Da Filme eben Spiegel ihrer Zeit und ihres gesellschaftlichen Umfeldes sind. Die kann sogar aus mutmaßlicher Unschuld oder besser Naivität heraus entstanden sein, wie z.B. bei den total infantilen "Star Wars"-Prequels (1999-2005).

    Ist wirklich jeder gegen filmische Propaganda (und überhaupt Propaganda in sogenannten Unterhaltungsmedien) gefeit? Ich habe da meine Zweifel. Was ist z.B. mit Michael Bays "Pearl Harbor" oder übrigens auch Spielbergs "Der Soldat James Ryan"? Oder "Top Gun"? Hat da jeder gedacht "Ach, ist gut, um sich ein paar Tüten Popcorn reinzustopfen und sonst geht mich da nix weiter dran an?" Oder "Independence Day" mit seinen regelrecht faschistoiden Untertönen?
    Da war die "Rambo"-Reihe weitaus ehrlicher. In dem mMn großartig-grotesken "Invasion USA" mit Chuck Norris (Cannon at is best) haben wir im Grunde zwei Ebenen: Ultrapatriotisch-martialischer Humbug einerseits, seine eigene Parodie andererseits. Das ist die - ja auch nicht so offensichtliche - Qualität von B-Filmen in Reinkultur.

    Zitat Mimile:
    US-Filme enden meistens mit Happy-End, aber manchmal auch im Kitsch-Overkill.
    Im New Hollywood der Siebziger z.B. in der Regel nicht. Wunderbar karikiert auch in Robert Altmans "The Player", wo das doppelte Happy-End komplett zynisch gemeint war.
    Geändert von franque (31.08.2017 um 02:23 Uhr)

  21. #496
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Zitat Zitat von franque Beitrag anzeigen
    Oder "Independence Day" mit seinen regelrecht faschistoiden Untertönen?
    Äh, welchen? Wenn man es laut Plot mit einem Gegner zu tun, der die Menschheit auslöschen will, fallen dem schon ein paar Erungenschaften der Aufklärung zum Opfer. Ist der Plot nun faschistoid, weil es solche Außerirdische nicht geben kann?

    Bermerkenswert finde ich ja WStarship Trooper". Verhoeven hat den ganz bewußt (warum auch immer) mit Nazisymbolik vollgestopft. Und in den Fortsetzungen wird das einfach übernommen, ohne Verhoevens Intentionen allerdings.
    Das ICOM-Heft zum Gratis Comic Tag 2012 jetzt herunterladen (7,3 MB)!

  22. #497
    Mitglied Avatar von franque
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    Zitat Zitat von Mick Baxter Beitrag anzeigen
    Äh, welchen? Wenn man es laut Plot mit einem Gegner zu tun, der die Menschheit auslöschen will, fallen dem schon ein paar Erungenschaften der Aufklärung zum Opfer. Ist der Plot nun faschistoid, weil es solche Außerirdische nicht geben kann?

    Bermerkenswert finde ich ja WStarship Trooper". Verhoeven hat den ganz bewußt (warum auch immer) mit Nazisymbolik vollgestopft. Und in den Fortsetzungen wird das einfach übernommen, ohne Verhoevens Intentionen allerdings.
    Bei feindseligen Aliens kann man mit Waldorf-Schülern nichts werden, das stimmt schon, aber zu den speziellen Untertönen des Emmerich-Opus' siehe z.B. diese Rezi von Dietrich Kulhlbrodt:
    http://www.filmzentrale.com/rezis2/i...dencedaydk.htm
    Irgendwo habe ich damals auch gelesen, dass manchen Figuren nahezu 1:1 Sprüche von KKK-Typen u.ä. in den Mund gelegt worden seien. (Entweder in der Spex oder in dem Filmmagazin "Splatting Image").

    Klar "Starship Troopers" spielt bewußt mit der Nazi-Symbolik, ist von der Aussage aber praktisch das Gegenteil des fast gleichzeitig erschienenen "Saving Private Ryan".

    "Ryan" sagt: Es ist wichtig, sich für sich sein Land aufzuopfern und notfalls auf dem Schlachtfeld zu krepieren. Und Spielberg weiß genau, dass er mit einer Verklärung von Kriegseinsätzen in modernen Zeiten nicht mehr durchkommt (wenn er für voll genommen werden will), daher fliegen - auf Authentizität getrimmt - die Fetzen. Der Film sagt aber: Es muss trotzdem sein.

    "Starship" (das Original, die Sequels kenne ich nicht) sagt: Es ist notwendig, sich für unseren Planeten aufzuopfern und notfalls von Rieseninsekten zerstückelt zu werden. Allerdings ironisch. Er sagt nämlich im Subtext: Es ist alles eine Propagandalüge. Deswegen sind die Rekruten darin auch alles solche Soap-Milchgesichter, quasi gleich aus "verlogenen" Trivial-TV-Ingredienzien wie z.B. Clearasil-Werbespots und Klischee-Teen-Serien übernommen.
    Geändert von franque (01.09.2017 um 15:30 Uhr) Grund: letzter Satz abgeändert

  23. #498
    Mitglied Avatar von Bücherwurm77
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    R.I.P. Mireille Darc

    Kannte sie u.a. aus "Der Große Blonde Mit Dem Schwarzen Schuh"...

  24. #499
    Mitglied Avatar von OK.
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    Mein Lieblingsfilm mit ihr (in einer Nebenrolle): "Der Fall Serrano".

    Edit: Pierre Richard war noch nie so mein Fall, ich mag seine "Blond"-Filme nicht besonders. Habe mir anlässlich von Mireilles Tod stattdessen eben "Monte Carlo Rallye" mit Tony Curtis, Mireille Darc, Bourvil, Terry-Thomas und Gert Fröbe bestellt. Die deutschsprachige DVD scheint sehr rar zu sein, ich habe sie nur bei einem österreichischen Händler gefunden. Außerdem bestellt: "Nimm's leicht, nimm Dynamit" mit Lino Ventura und Mireille Darc (die DVD ist leicht zu bekommen). Europäische Komödien der 60er/70er passen gut zum aufkommenden Herbst.
    Geändert von OK. (02.09.2017 um 22:16 Uhr)

  25. #500
    R.I.P., Mireille!
    Unsere Vollkommenheit besteht zum großen Teil darin, dass wir einander in unseren Unvollkommenheiten ertragen.

    Franz von Sales

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