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Thema: APPARAT (Warren Ellis)

  1. #1
    Mitglied Avatar von churchi999
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    APPARAT (Warren Ellis)



    Da die Reihe nun komplett bei DANTES vorliegt eröffne ich hier mal einen Thread dazu.


    Zum Konzept von Apparat:


    Zitat Zitat von DANTES Verlag
    Szenarist Warren Ellis [u.a. Transmetropolitan, Gravel, James Bond] hatte eine Idee: Wie, so fragte er sich, würden Comichefte in den USA heute aussehen, wenn das Superheldengenre nicht alle anderen Genres an den Marktrand gedrängt hätte?


    Seine These: Die Tradition der Abenteuererzählung, wie sie aus den Pulps und Groschenheften bekannt war, würde in den Comics fortgeführt worden sein. Statt Außerirdischen oder mutierten Muskelmännern in Latexstramplern würden Geschäftsmänner und -frauen mit übergroßen Egos, fetten Bankkonten, Unternehmergeist und fragwürdiger Moral vielleicht nicht ins Weiße Haus eingezogen sein, sie würden aber die Seiten der Comichefte bevölkern – mitsamt des einen oder anderen Drogenproblems und einem unkontrollierbaren Hang zur Gewalt.


    Zugegeben: Das klingt nach einem derart Erfolg versprechenden Marketingkonzept, dass niemand Warren Ellis ernsthaft vorwerfen kann, es sofort selbst realisiert zu haben. So kam der fiktive Apparat-Verlag in die Welt.


    Im richtigen Leben ist Apparat ein Serienlabel der Avatar Press, unter dem Ellis sieben in sich abgeschlossene Kurzgeschichten [„graphic novellas“] veröffentlicht hat – jede in einem anderen Setting, jede von einem anderen Zeichner oder einer anderen Zeichnerin umgesetzt. Jede „Novella“ erhebt den Anspruch, Teil eines größeren, potenziell unendlichen Handlungsuniversums zu sein, welches das Publikum allerdings nie zu Gesicht bekommt.

    Die folgenden Besprechungen gab es auch schon mal, habe sie nur etwas überarbeitet und in die richtige Reihenfolge gebracht. Sorry für das Chaos mit den Doppelpostings, aber damit soll dann hier auch Schluss sein…


    Also alles passende zum Thema hier rein
    Geändert von churchi999 (09.01.2020 um 08:22 Uhr)

  2. #2
    Mitglied Avatar von churchi999
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    APPARAT – VIER SINGLES

    (US Avatar / Apparat 2004)



    (Dantes Verlag / 2019)

    Warren Ellis


    Die Apparat Titel sind inspiriert von Pulp Magazinen der 1930er und sind Ellis Vorstellung wie heute moderne Comics ohne den Einfluss von Superhelden aussehen würden.

    Warren Ellis zieht dabei eine Analogie zu (Pop) Singles die sich mit einem Thema befassen, in knackigen 3 ½ Minuten auf den Punkt kommen und ohne Vorwissen genossen werden können.


    Willkommen im Singles Collectors Club



    Angel trampelt Zukunft (Angel Stomp Future)
    Artwork: Juan José Ryp

    Ellis präsentiert uns hier eine surreale und morbide Cyberpunk Zukunft.
    Der Kulturschock ist vorprogrammiert, wenn Angel (eine…ähhmm… Ärztin im knappen Latexfummel) über Mem-Komplexe philosophiert und nebenbei dem Leser erklärt,
    dass die Zukunft genauso abgefucked ist wie die Gegenwart.
    Die menschliche Natur ändert sich nicht wegen modifizierten Bodyupgrades, bizarren Sex-Fetischen oder öffentlichen Abtreibungsvorrichtungen.

    Die Gier bleibt immer dieselbe.

    Die visuelle Darstellung ist verstörend, José Ryp ("Frank Miller's RoboCop", "Black Summer") ist die Geschichte auf dem Leib geschrieben.
    Das Artwork ist überladen, wie das Wimmelbild eines hyperakitven Hirnes und ist manchmal schwer zu dechiffrieren.
    Ellis geht als Autor zu seinen Wurzeln zurück, als er noch für britische Underground Magazine ("Lazarzus Chuchyard" & Co) schrieb.

    Krankes, kleines Biest bei dem die Idee von Sci-Fi ernst genommen wird, bis auf ein paar coole Einfälle verläuft es sich dann aber ins Leere.

    Angel entschwindet aus dieser bizarren Zukunftsvision und lässt den Leser mit fragenden Blicken zurück…




    Frank Ironwine
    Artwork: Carla Speed McNeil

    Die Handlung könnte genauso gut als Pilot für ein Fernsehserie funktionieren.
    Frank Ironwine ist ein schrulliger Detective (so eine Mischung aus Columbo und Sherlock Holmes),
    der wohl auch gerne mal einen säuft und dann Morgens in einem Müllcontainer zu sich kommt.

    Vom ersten Eindruck sollte man sich nicht täuschen lassen denn im Oberstübchen läuft alles rund.
    Nur durch seinen ausgeprägten Spürsinn knackt Frank einen Mordfall.
    Dabei verlässt er sich alleine auf seine Beobachtungsgabe und verzichtet komplett auf die ihm so verhasste Spurensicherung.

    Die Story überrascht auf mehreren Ebenen und die Dialoge sind wirklich witzig geschrieben.
    Ellis huldigt den Pulp-Krimis, allen voran Chandler und Hammett.




    Stadt der Aussteiger (Quiet City) (Quit City)
    Artwork: Laurenn McCubbin

    Der Regel folgend Abenteuercomics neu zu interpretieren, sind dieses mal die Helden der Lüfte dran.
    In der Zeit um den 2. Weltkrieg waren die Flying Aces hoch im Kurs und bildeten ein eigenes Subgenre.
    Allerdings stellt Ellis gleich mal die gewohnte Handlung auf den Kopf.

    Anstatt ein ein großes Abenteuer zu ziehen kehrt Emma in ihre alte Heimat zurück und hängt ihren Pilotenhelm an den Nagel.
    Sie muß sich hier ihrer Vergangenheit aus einem anderen Leben stellen um wieder nach vorne sehen zu können.

    Wirkt fast wie ein Slice of Life Drama Happen, das Thema hat mich wie auch das Artwork am wenigsten abgeholt




    Simon Spector
    Artwork: Jacen Burrows

    Das letzte Kapitel ist wieder eine Hommage an die Pulp Helden wie "Doc Savage" und "The Shadow".

    Simon Spector ist wie Frank Ironwine ein erfahrener Detective. Damit hört es sich mit den Ähnlichkeiten aber auch schon auf.
    Im Gegensatz zu Frank bewohnt Simon ein riesiges Penthouse (inklusive hübscher Leibwächterin), er liebt stilvolle Anzüge und ist auf allen Ebenen hochbegabt.
    An Geld mangelt es nicht, nebenbei beherrscht er natürlich noch meisterlich verschiedene Kampfsportarten.

    Wenn seinen Klienten niemand mehr haben an den sie sich wenden können, dann übernimmt er den Fall.
    Sein letzter Einsatz bringt ihn dann zu einem alten Feind. Was niemand weiß

    um über die gesteigerten Kräfte zu verfügen nimmt Simon Pillen, die ihm aber selber im Gegenzug stets eine Woche seines Lebens kosten…


    Cooler Action Thriller zum Abschluss der vor allem durch die dynamische Arbeit von Burrows lebt.
    Der Prototyp der Antihelden ist alt bekannt und bringt doch frischen Wind.

    Mark Millar hat wohl die Geschichte auch gelesen und sich dann an „Prodigy“ gesetzt…



    Interessant sind die auch Anhänge zu jeder Ausgabe bei denen Warren Ellis viel Raum für seine Ideen und Inspirationsquellen gegeben wird.

    Das Konzept der „Singles“ wird konsequent umgesetzt und man bekommt viel Abwechslung geboten.
    Beim lesen wurde ich aber irgendwie das Gefühl nicht los, als hätte Ellis ein paar Entwürfe in seiner Schublade gefunden mit denen er nicht recht was anfangen konnte und dann hier raus gehauen hat.

    Seine Liebe für die Groschenheftchen und Pulphelden hat er ja unter anderem in „Planetary“ bewiesen,
    in „Transmetropolitan“ oder „City of Silence“ die zum Cyberpunk. Hier wirkt einiges wie eine Fingerübung die dann später
    mit „Black Summer“, „Doctor Sleepless“, „Fell“ oder „FreakAngels“ weitergeführt wurde.

    Die Sammlung bietet aber trotzdem wunderbare Einblicke in die schräge Welt von Warren Ellis und zeigt wie der Herr so tickt

    Geändert von churchi999 (08.01.2020 um 18:34 Uhr)

  3. #3
    Mitglied Avatar von churchi999
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    CRÉCY

    (US Avatar / Apparat 2007)



    (Dantes Verlag / 2019)

    Warren Ellis & Raulo Cáceres


    Eine Geschichtsstunde der etwas anderen Art. Während der ersten Phase des hundertjährigen Krieges im Jahre 1346 begleiten
    wir den englischen Langbogenschützen "William von Stonham" bis zu der Schlacht in Crécy.

    Wobei William jetzt nicht der einfühlsame Geschichtsprofessor ist, sondern ein xenophober Hooligan
    der uns erklärt warum Engländer so einen Hass auf die „Scheiß Froschfresser“ haben.
    Der derbe Ton wird von Ellis auf die Spitze getrieben man sollte sich schon mal an das Wort Fotze gewöhnen.
    Kann durchaus verstehen wenn das jemandem zu viel wird

    Die Engländer marschieren plündernd durch Frankreich. Während dessen erzählt William erzählt von historischen Ereignissen
    und zeigt auch die (schmutzige) Kriegsführung in dieser harten Zeit auf.
    Hauptaugenmerk liegt auf dem Kampf mit dem Bogen und Verwendung der verschiedenen Pfeilaufsätzen.

    „Kommt euch wahrscheinlich primitiv vor. Macht aber nich’ den Fehler uns für dämlich zu halten“.
    Wir sind genauso schlau wie ihr. Wir haben nur nicht soviel Wissen angehäuft wie ihr,
    Unsere Schlauheit ist an unsere Mittel angepasst.“


    Ellis verzichtet dabei meist auf Dialoge (sind dann eh nur gegenseitige Beschimpfungen) sondern lässt den Proll
    in direkter Ansprache an den Leser seine Sicht der Dinge darlegen.
    William glänzt dabei mit Sprache und Wissen, das sich erst über die Jahrhunderte bis zur Gegenwart gebildet haben kann.

    Die deutsche Ausgabe bietet viele Anmerkungen und einen Anhang die zur Verständlichkeit beitragen.

    „Höhepunkt“ ist dann die namensgebende Schlacht um „Crécy“ bei der die beiden Heere aufeinanderprallen und eine neue Ära der Kriegsführung einleiten…



    In Szene gesetzt wird die mittelalterliche Welt von dem spanischen Künstler Raulo Cáceres (Francisco Raúl Cáceres Anillo) in detaillierten schwarz/weiß Bildern.
    Ein größeres Format hätte dem Artwork IMO gut getan und wirkt so manchmal etwas gedrungen.

    Der Umfang ist mit 48 Seiten gerade richtig. Die Standardausgabe kostet faire 9,- Euro, die limitierte Variante (inkl. signiertem Print von Raulo) gibt es um 18,- Euro.
    Wobei mir erstere mit dem Longbowman's Salute etwas besser gefällt

    Als Überraschung hatte meine limitierte Ausgabe einen kleinen Pencil Sketch von Cáceres im Innenteil. Keine Ahnung ob das bei allen so ist…

    Crécy steht wohl auch ein wenig für Crazy und ist eher was für große Jungs die schon „300“ mochten und keine ernste Story erwarten.
    Oder halt Warren Ellis Fanboys

    Leseprobe

    Geändert von churchi999 (08.01.2020 um 20:26 Uhr)

  4. #4
    Mitglied Avatar von churchi999
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    ÄTHERMECHANIK – Eine graphische Novelle

    - Aetheric Mechanics – A Graphic Novella- (US Avatar / Apparat 2008) -



    (Dantes Verlag / 2019)

    Warren Ellis & Gianluca Pagliarani

    Äthermechanik ist der sechste (und bis jetzt vorletzte) Band des Apparat Imprints von Warren Ellis.

    Dem selbst auferlegten Dogma treu, entführt uns Ellis dieses mal auf eine Alternative Erde / Zeitebene.

    Wir schreiben das Jahr 1907 und Brtiannien befindet sich mit dem (fiktiven) Land Ruritania im Krieg.
    Durch eine Antigravtionstechnik (Apergy) wird die Schwerkraft ausgetrickst und selbst riesige Schlachtschiffe
    schweben wie durch Zauberhand über den Himmel von London.

    Ruritianias mächtige Flotte steht kurz davor in Britannien einzufallen und die Schlacht endgültig für sich zu entscheiden.



    In diesen turbulenten Zeiten lernen wir Captain Robert Watcham kennen, einen Arzt der gerade von der Front zurückgekehrt ist
    und als erstes seinen alten Freund Sax Raker aufsucht.

    Raker ist ein sehr von sich überzeugter Detektiv, der unübersehbar an Sherlock Holmes angelehnt ist.
    Ach Quatsch. Das IST Sherlock Holmes, der gerade über einem seltsamen Fall brütet.
    Und zwar über einem „Mann der nicht da war“ und für eine Mordserie an Wissenschaftlern verantwortlich ist.
    Also ein Mann der „flimmert“ und sich wohl teleportieren kann.

    Mysteriös…

    Kurz darauf werden die beiden von der Polizei um Hilfe gerufen.
    Eine Leiche wurde ans Ufer der Themse gespült und wohl zum Schema des gesuchten Killers passt.
    Mit einer Droschke macht sich nun Sherlock mit Watson… ähmm... Watcham auf den Weg um den Toten zu untersuchen.
    Die Spurensicherung könnte dann nicht theatralischer ausfallen



    Um den Spaß nicht zu verderben möchte ich dann auch gar nicht mehr vorwegnehmen, außer das Ellis hier bis zum coolen Finale richtig abliefert.

    Die Handlung ist dicht gepackt. Faszinierend wie viele Ideen in knapp 40 Seiten untergebracht werden können.
    Die steampunkartige Welt wird detailliert von Pagliarani zu Leben erweckt. Ein ähnliches Konzept kennt man von Moore’s „League of Extraordinary Gentlemen“,
    Ellis findet aber seinen eigenen Ton und setzt den perfekt um.

    Die Dialoge sind witzig und füllen den Band richtig aus. Toll auch wieder die Anhänge mit den ganzen Anmerkungen. Viele Anspielungen hätte ich sonst wohl übersehen.

    Glaubt man Anfangs an eine Kriegsgeschichte, ändert die sich zu Murder Mystery und Ellis weiß bis zum Schluss zu überraschen

    Für mich der bisher beste Apparat Band, aber einer steht ja noch aus…

    Leseprobe


  5. #5
    Mitglied Avatar von churchi999
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    FRANKENSTEINS SCHOSS

    - Frankenstein’s Womb - (US Avatar / Apparat 2009) -



    (Dantes Verlag / 2019)

    Warren Ellis & Marek Oleksicki

    Auf geht es zum (bislang) letzten Output von Ellis Apparat Reihe
    Wie üblich steht auch diese Geschichte für sich alleine und kann ohne Vorwissen genossen werden.

    Wobei es einem der Autor hier gar nicht sooo leicht macht und etwas mit den Erwartungen spielt…


    1816

    Per Kutsche reisen Mary Wollstonecraft-Godwin, ihr zukünftiger Ehemann Percy Bysshe Shelley zusammen mit
    ihrer (schwangeren) Stiefschwester Claire Clairmont quer durch Europa. Ihr Ziel ist der Genfer See in der Schweiz,
    wo sie bereits von Lord Byron erwartet werden.

    Ihr Weg führt sie auch durch Deutschland, kurz vor Darmstadt kommt es zu einem ungeplanten Halt.
    Mary erspäht in der Ferne ein düsteres Gemäuer. Ein näherer Blick offenbart, es handelt sich hierbei um Burg Frankenstein.
    Sie fühlt sich wie magisch von der verlassenen Burg angezogen und möchte sie näher inspizieren,
    die Mitreisenden haben für die Idee nicht viel übrig und verbringen die Zeit lieber in der Kutsche.

    Mary mag gute Spukgeschichten und so betritt sie die unheimliche Ruine eben alleine.
    Beim durchwandern der leeren und heruntergekommenen Hallen stößt sie auf eine große, finstere Gestalt die ihr den Rücken zukehrt.



    Erst geschockt, kommt Mary mit dem verunstalteten Mann „ohne Namen“ ins Gespräch.
    Große Narben überziehen sein Gesicht und den Hals, nur mit dem Nötigsten zusammengeflickt.
    Er bietet sich Mary als Führer durch die Ruine an und sie geht auf sein Angebot ein.

    Ab hier beginnt es dann auch seltsam zu werden. Der Mann scheint nicht nur Marys Vergangenheit gut zu kennen,
    sondern kann auch über zukünftige Ereignisse ihres Lebens berichten.

    Viel mehr möchte ich auch gar nicht mehr vorweg nehmen, die beiden kommen ins philosophieren
    und Mary erlebt noch so einige Überraschungen…


    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Ellis wagt mit „Frankensteins Schoß“ einen etwas anderen Blick auf die Entstehungsgeschichte des berühmten Romans.
    Dabei nimmt er es mit historischen Fakten nicht so genau, was aber nicht weiter stört (die Anhänge und Fußnoten
    von Jens sind wieder eine wahre Fundgrube).

    Streng genommen ist der Plot ziemlich dünn und erinnert IMO stellenweise an Dickens „Christmas Carol“.
    Reizvoll sind die gelungenen Dialoge zwischen Schöpfer und Kreation (oder ist es umgekehrt?).
    Der Blick auf die heute banalen Dinge, die man zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch als Wunder empfand
    und für die wir mittlerweile blind geworden sind.

    Einen ähnlich erhabenen Moment erlebt auch Sir William Gull in „From Hell“


    als er die 4. Dimension durchbricht und einen Blick auf die heutige Zeit erhascht.


    Es ist auch die Zeitenwende einer neuen Generation. Im Denken und auch der Technik.
    Vieles was Mary widerfährt und das „Monster“ offenbart, sind harte Schicksalsschläge,
    sie erlebt aber auch viel Liebe.

    Die Ideen kreisen um die Themen Schöpfung, Hinterlassenschaften und (Un)vergänglichkeit,
    die Mary (aber auch Percy und Byron) auf ihre Art erreichen.

    Die sehr detaillierten s/w Zeichnungen von Oleksicki fangen die romantische / Gothic Stimmung wunderbar ein.
    Einen besseren Partner hätte Ellis für das Sujet nicht finden können.

    Nur Schade, das man von Byron nichts sieht, ansonsten fühlt man sich bei dem Band wie im namensgebendem Schoß

    Erwartet euch nur keine klassische Horror Story oder irgendeine Action…



    „Nothing is so painful to the human mind as a great and sudden change.“
    - Mary Wollstonecraft Shelley (Frankenstein, or the Modern Prometheus, Frankenstein)

  6. #6
    Mitglied Avatar von JRN
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    Kein Grund, sich zu entschuldigen, @churchi999 ... außer vielleich dafür, dass Du den Originaltitel von "Stadt der Aussteiger" immer noch falsch schreibst.
    Oakland ist auch im Original keine "Stadt der Stille" ["Quiet City"], sondern die "Stadt der Quitter" ["Quit City"].



    Aber im Ernst: Tolle Aktion. Vielen Dank für den Thread und Deine Rezis.
    Bin gespannt, ob sich nun noch jemand traut, etwas hinzuzufügen ...



    Mit 1000 Grüßen,
    JRN

  7. #7
    Mitglied Avatar von robert 3000
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    Eigentlich wäre Warren Ellis ja fast mal reif für eine Sonderausgabe der Reddition.

    Ich muss gestehen, dass ich, obwohl glühender Fan von Transmetropolitan, nicht so ein Ellis Kenner war. Eigentlich das genaue Gegenteil.
    Gravel war mir zu "hart".
    Aber den Rest hab ich dann (eigentlich als Verlagsunterstützung gedacht) alles gekauft und auch gelesen.
    Und es hat mir echt toll gefallen. Da sind richtig, richtig gute Comics.

    Dann hab ich mich ein bisserl reingelesen und festgestellt, das Ellis ja wirklich extrem viel gemacht hat.
    Richtig viel.

  8. #8
    Mitglied Avatar von churchi999
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    @JRN
    Sach das doch gleich, bin ja lernfähig brauch wohl nur langsam ne Brille (und Stille mag ich auch)

  9. #9
    Mitglied Avatar von JRN
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    @robert 3000 :

    "Eigentlich" gibt es ja eigentlich gar nicht - wie mein alter Herr immer zu sagen pflegte.
    Was in die REDDITION kommt, entscheidet Volker ... und eine Ellis-Solonummer wird es in absehbarer Zeit kaum geben [soviel kann ich in Kenntnis seiner üblichen Kriterien sagen]. Das heißt aber nicht, dass ein längerer Artikel über Ellis in einem Themenheft wie z.B. zu "Cyberpunk" oder zu "Britische Szenaristen" [dann im Verein mit Neil Gaiman, Pat Mills usw.] nicht irgendwann kommt.
    Geredet haben wir darüber bereits ...

    @churchi999 :

    'tschuldige, mein Fehler. Ich dachte, ich hätte Dich bereits beim ersten Mal darauf hingewiesen ... aber das war dann wohl Wunschdenken ...
    Ich seh' schon, ich brauch wieder einen Termin bei Dr. Antimony ...



    Mit 1000 Grüßen,
    JRN

  10. #10
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    Crecy von Ellis und Caceres

    Hau mir auf Maul, früher hätte man dem werten William die Seife in eben dieses geschoben. Dieser Mensch hasst alle die nicht das reine Engländer Herz tragen und hat dabei noch eine blühende Fantasy was Beleidigungen angeht! Egal ob Franzosen, Waliser oder Schotten, alle haben ihren Titel weg. Wie sangen schon die alten Australier: "For those about to rock, we salute you", na da schließe ich mich mal an.

    William, der vorderste Bogenschütze des englischen Königsheeres, nimmt uns mit auf den Weg in die Schlacht bei Crecy, spricht uns dirket an und zeigt eben so seine ganz persönliche Sicht auf diese Schlacht. Kann man ja auch machen wenn man eh gewinnt. Wir dürfen Williams ausschweifenden, mancher würde es weitschweifig nennen, Erklärungen lauschen, was den Umgang mit Pfeil und Bogen betrifft und bekommen nebenbei noch "Die Kunst des Krieges" neu verfasst von von William Ellis frei Haus. Ich war dann doch überrascht das diese Erläuterungen nicht in Langeweile abdriften, liegt aber wohl auch am sehr umgangssprachlichem Ton der vorherrscht. Da trifft Zeitgeist auf Historie und das hebt dann doch sehr die Laune.

    Zeichnerisch in s/w gehalten, ist das von Caceras schon ordentlich aufs Papier gebracht worden. Diese Art erinnert fern an Andreas' Cromwell Stone, tausende kliene striche ergeben ein wunderbares Bild. Ich mag diesen Stil sehr. Leider sind die Bilder und auch der doch recht viele Text in diesem Format etwas ungünstig. Die Wirkung welche Caceras Zeichnungen haben, wird meist erst in den größeren Panels sichtbar und den Text konnte ich ohne Lesehilfe (scheiß Alter!) kaum erkennen. Dafür lobe ich den enorm sauberen Druck, und die Aufmachung. Auch die Anmerkungen vom geschätzten JRN waren mir dann etwas zu viel, soviel Nachhilfe in Sachen Geschichte brauch ich nicht, das zieht einen dann doch zuviel aus der Geschichte raus, ist aber auch meine persönliche Ansicht, mancher mag evtl. genau das. Hilfreich ist es allemal. Und wenigstens weiß ich jetzt wie man in England oder Australien auf keinen Fall zwei Bier bestellen sollte
    Sind Abenteuer Geschichten und "mittelalterliche Ritterstorys" so gar nicht mein Metier, so ist es Ellis Schreibe dafür um so mehr. Und da hat er mit dem Band genau meinen feinen, hintersinnigen und verhaltenen Humor getroffen
    "If you can't dazzle them with brilliance, baffle them with bullshit." W.C.Fields

  11. #11
    Mitglied Avatar von JRN
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    @joe ker :

    Dafür gibt's nichts "aufs Maul", sondern 'nen Daumen hoch ... und was mit dem Schild.



    Das Thema mit der kleinen Schrift hatten wir bei den "Apparat"-Titeln ja schon mehrmals. Ich persönlich bin zwar extrem kurzsichtig, hoffe aber trotzdem immer noch auf schnellen Abverkauf - und dass Josch dann die "von führenden Gerontologen empfohlene" Gesamtausgabe in A3 nachschiebt.
    Die werden wir dann an Altenheime, Sanatorien und über Apotheken verticken ...

    Mit 1000 Grüßen,
    JRN

  12. #12
    Mitglied Avatar von God_W.
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    Ich seh schon, über kurz oder lang komme ich an APPARAT nicht vorbei.

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