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    Der zweite Mann

    Die 1. Mondlandung und der Weg zu Apollo 11 ist genau mein Thema. Ich glaube mich zu erinnern, wie meine Eltern und ich während des alljährlichen Urlaubs in Grömitz im überfüllten Frühstücksraum unser Unterkunft saßen und alle gebannt auf den Schwarz-Weiß-Fernseher schauten. Ich meine es war der 16.07.1969, also der Start der Rakete, und nicht der Tag der Mondlandung. Ganz sicher bin ich mir aber nicht mehr.

    Seit dieser Zeit interessiere ich mich jedenfalls für alles, was mit Raumfahrt zu tun hat. "Der zweite Mann" war somit fast ein Pflichtkauf. Im Reportagenstil umreißt die Graphic Novel den Wettlauf zum Mond, wobei einzelne Panels den jeweiligen historischen Kontext z. B. Korea- und Vietnamkrieg beleuchten. Zuerst wird eine Szene aus dem Leben des 72 jährigen Buzz Aldrin gezeigt, in der er einen "Reporter" mit der Faust niederstreckt, was damals auch Thema der Nachrichtensendungen weltweit war. Aldrin wurde freigesprochen. Ein sehr schöner Anfang. Im weiteren Verlauf erfahren wir nur relativ wenig über den privaten Aldrin. Die stärksten Momente finden sich in den vermeintlich nebensächlichen Episoden, die nur Randnotizen der großen Erzählung von der Eroberung des Weltalls sind. Das Fotoshooting mit der Crew von Apollo 11 oder die Anwesenheit großer Künstler wie Rauschenberg oder Rockwell auf dem Gelände der NASA. Oder moderne Mythen wie die von Marilyn, JFK und "Fly me to the Moon". Diese kleinen Geschichten machen den eigentlichen Reiz des Comics aus.
    Wer dagegen eine ausführliche chronologische Darstellung der bekannten Fakten erwartet, muss zwangsläufig enttäuscht werden. Mehr ist auf 51 Seiten nicht machbar. Sehr schön ist auch der Bonusteil mit den Aquarellen und Skizzen.

    Damit sind wir auch schon beim Artwork. Anfangs haben mich die "unscharf" wirkenden Zeichnungen nicht überzeugt. Ich hatte mir einen feineren Strich erhofft, der technische Details erkennen lässt und auch die Gebäude facettenreicher darstellt wie z. B. bei Rick Master. Die auf der Splitter Website eingestellten Bilder geben diesen, von Eickmeyer verwendeten Stil gut wieder. Nach dem wiederholten Lesen bzw. Durchblättern gefallen mir die Bilder aber immer besser. Fast eine Liebe auf den zweiten Blick. Künstlerisch für mich daher eine überzeugende Leistung, so dass ich den Band immer mal wieder aus dem Regal holen werde.

    Noch ein Tipp am Rande: "Moonfire" von Norman Mailer, ein wundervoller Fotoband und noch ein bisschen mehr. Die ideale Ergänzung. Und für absolute Fans: "Das NASA-Archiv" aus dem Taschen-Verlag (allerdings kein Schnapper, kostet 100 Otternasen).
    Geändert von Zardoz (19.06.2019 um 21:56 Uhr)

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