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Thema: Das Grauen im Gemäuer - Neue Lovecraft-Geschichten von Reinhard Kleist

  1. #1
    Mitglied Avatar von God_W.
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    Das Grauen im Gemäuer - Neue Lovecraft-Geschichten von Reinhard Kleist

    Noch kein Thread zu der grandiosen Arbeit von Kleist? Dann mach ich doch gleich mal einen auf (hoffe das ist OK).

    Ich hab in letzter Zeit die zwei Werke von Kleist zu meinem Liebslings-Gothic-Autoren verschlungen (und wurde dabei nahezu vom Wahnsinn verschlungen ) und war echt begeistert. Ausführlicher hab ich meine Meinung dazu im Panini Forum hinterlassen und da der Band von Edition 52 ja noch gut erhältlich ist schonmal ne ganz klare Kaufempfehlung meinerseits!

    Lovecraft:
    https://www.paninishop.de/forum/inde...67#post2007267

    Das Grauen im Gemäuer:
    https://www.paninishop.de/forum/inde...03#post2007503

    VG, God_W.

  2. #2
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    Titel: Das Grauen im Gemäuer – Neue Lovecraft Geschichten

    Verlag: Edition 52

    Format: 48 Seiten im kleinformatigen Softcover/Taschenbuch

    Inhalt: Der leuchtende Trapezoeder, Das Grauen von Red Hook, Die Ratten im Gemäuer, Kühle Luft

    Autoren: Reinhard Kleist

    Zeichner: Reinhard Kleist

    Klappentext bzw. Angaben des Verlags:
    Dieser kleine Band beinhaltet Bearbeitungen von Kurzgeschichten von H. P. Lovecraft: "Das Grauen in Red Hook", "Der leuchtende Trapezoeder", "Kühle Luft" und "Die Ratten im Gemäuer". Die erste der vier Kurzgeschichten erschien bereits als Siebdruckcomic im Verlag Landpresse. In der Vorwortillustration sieht man: Ganz links Tobias Meißner, dahinter Thomas Schuetzinger (den Verleger), in der Mitte H.P. Lovecraft und rechts mich.

    "Expressionistisch, holzschnittartig, verschattet und verkantet errichten sich die Bilder und Seiten wie jene Monolithen, die in Lovecrafts Geschichten der Entfesselung schlafender Götzen dienen. Der vorliegende Band ist nichts anderes als ein schwarz und weiß leuchtender Trapezoeder, der eine Düsternis heraufbeschwört, die den gesamten Himmel umspannt." aus Tobias Meißners Vorwort.

    Just my 2 cents:
    Nachdem mich Reinhard Kleists erste Bearbeitung von H. P. Lovecraft gestern so begeistert, und die halbe Nacht nicht losgelassen hat, habe ich mich heute umgehend auf sein zweites Stelldichein mit dem Gentleman aus Providence gestürzt.

    Reinhard Kleist geht es wohl ähnlich wie mir, Lovecraft zieht ihn immer wieder zurück in seinen Bann und so entstand einige Jahre nach seinem ersten Buch dieses zweite Werk, in dem vier weitere Geschichten von H. P. verarbeitet werden. Wie es dazu kam ist im Vorwort von Tobias Meißner unheimlich stimmig und humorvoll ausgemalt. Das Cover ist toll und wird auf der Rückseite fortgeführt (siehe Bild oben rechts), aber leider ist das Büchlein recht klein und nur als Softcover gestaltet, also von den Maßen her wirklich noch um einiges kleiner als ein Paperback. Die 50 Seiten klingen auch erstmal nach wenig, werden von Kleist aber perfekt ausgenutzt.



    Opener ist mit Der leuchtende Trapezoeder eine Story, die ich zwar irgendwann mal gelesen habe, an die ich mich aber leider so gut wie gar nicht mehr erinnern kann. Mit dem verführenden, anziehenden Bösen, das im Wahn zu ungewollten Handlungen verleitet, wird ein typisches Lovecraft-Motiv aufgegriffen. Dass das Böse hier in einer Kirche haust, aus der unser Protagonist schließlich im Wahn flüchtet macht die Sache nochmal makabrer.

    Nur das unser „Held“ zu Hause feststellen muss, dass er in einem Moment geistiger Schwäche etwas aus der Kirche entwendet hat, dass sein Ende besiegeln könnte. Er ist sich sicher, das abgrundtiefe Dunkle wird aus dem Kirchturm entfliehen, ihn ob des leuchtenden Trapezoeders aufspüren und ihm das Verderben in Form von Wahnsinn bringen. Als die Menschen Licht auf die Straße tragen keimt Hoffnung in ihm auf, doch wir wären nicht bei Lovecraft, wenn die Verzweiflung nicht schlussendlich obsiegen würde…







    Das Grauen von Red Hook habe ich bislang nicht gelesen, stellt aber eine Mischung zwischen dem Lovecraft-Typischen Okkultismus und Wiedererweckung bzw. Leben nach dem Tod dar. Herbert West, der Re-Animator lässt grüßen. Genial ist hier, dass Reinhard Kleist mal wieder Lovecraft selbst in den Mittelpunt des Geschehens rückt und so auch eine kleine, zum Schmunzeln anregende Komponente in die düstere, abgründige Welt einbringt. Spannend und makaber, wie ich meinen Lovecraft mag.



    Als Höhepunkt des Büchleins stellt sich der Namensgeber Das Grauen im Gemäuer heraus. An die Geschichte kann ich mich noch sehr gut erinnern, und sie ist mir nicht von ungefähr so gut im Gedächtnis geblieben. Einer der vielen Höhepunkte in Lovecrafts Schaffen bringt uns den Wahnsinn so nahe wie es kaum einem anderen Schreiberling gelingen kann. Der Protagonist Walter begrüßt auf dem geerbten Landsitz seinen alten Freund Norrys. Er erbittet Hilfe von ihm, denn die Geräusche der Ratten hinter den Wandvertäfelungen und im Gemäuer treiben ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn. Er kann sich ihrer nicht entledigen, und hört sie mittlerweile beinahe schon ständig, auch wenn sein Bediensteter sie noch nicht vernehmen kann. Die schrecklichen, nagenden Laute nagen ebenso an seinem Geist wie an den Wurzeln des alten Hauses. Norrys sichert seinem Freund Hilfe zu und so steigen sie des Nachts in die Gruft unter dem alten Anwesen, doch diese Gruft birgt unglaubliche Schrecken…
    Wie es Lovecraft bzw. Kleist hier gelingt die Schaueratmosphäre einer klassischen, viktorianischen Gruselgeschichte im besten Hammer-Stil zu etablieren, uns zu grausigen Schrecken und blankem Horror zu führen, nur um dann nochmal eins drauf zu setzen und die Geschichte, ganz Lovecraft-like, durch die plötzliche Zuschaltung der psychischen Ebene grenzenlosen Wahnsinns auf eine neue Ebene zu hieven, ist schon ganz großes Tennis.


    Kalte Luft vervollständigt das Quartett und steht den vorangegangenen Stories in nichts nach, ich würde sie sogar als die zweitbeste des Buches betiteln, vielleicht aber auch, weil ich sowohl die Geschichte von Lovecraft, als auch den Film der HPLHS (Howard Philips Lovecraft Historical Society) sehr cool finde.
    In der Mietwohnung tropft Ammoniak von der Decke. Da kann was nicht stimmen, denkt sich der Bewohner und klopft beim darüber wohnenden Doktor an, wovon ihn die Hausherrin erstmal abhalten will, weil der gute Doktor seit Jahren schon seehr schwer krank ist und nicht gestört werden sollte. Aber soll man machen, wenn einem eine stinkende Flüssigkeit in die Bude tropft? Also nochmal geklopft und schließlich wird er hereingebeten, in die eisige Wohnung, in der seltsame Apparaturen am Werke sind. Der wirklich nicht gesund aussehende Doktor gelobt Besserung, aber schon bald wird es unglaublich laut in der Wohnung. Also wieder rauf und nach dem rechten sehen. Der Doktor bittet um Hilfe, da seine Apparatur, eine Kühlpumpe kaputtgeht. Man soll doch bitte einen Mechaniker verständigen, oder Werkzeug besorgen und vor allem viel Eis mitbringen. Gesagt getan, doch stellt sich diese Aufgabe als weit schwieriger heraus als gedacht und was uns bei der Rückkehr in die Wohnung erwartet übersteigt jede Vorstellungskraft…

    Alles in allem vier unglaublich gut getroffene Adaptionen aus H. P. Lovecrafts Kosmos, die Kleist hier geschaffen hat, auch wenn ich zu Das Grauen von Red Hook die Original Story nicht gelesen habe und, dass in dem Fall nicht ganz so gut beurteilen kann. Reinhard Kleists Zeichnungen kommen diesmal etwas zahmer und weniger entfesselt daher, als es noch bei Lovecraft der Fall war, aber wirklich nur etwas! Noch immer weit entfernt von jeglichem Mainstream bannt er die düstere, bedrohliche und manchmal verquere Atmosphäre von Lovecrafts Geschichten auf die Seiten und ist dabei erfolgreicher als nahezu alle Filmadaptionen. Eine klare Empfehlung meinerseits für alle Liebhaber gepflegten Gruselns und für Freunde des Gentlemans aus Providence sowieso.

    Da mich der gute Herr Kleist mit seinen beiden Werken komplett angeholt hat, habe ich natürlich gleich mal Ausschau nach weiteren Veröffentlichungen von ihm gehalten. Auch wenn die Rezi von churchi zu Nick Cave - Mercy on me sehr gut klingt habe ich mir erstmal Der Boxer – die wahre Geschichte des Hertzko Haft auf den Wunschzettel gepackt. Zum einen, weil mich das Holocaust-Thema grundsätzlich interessiert und zum anderen, weil ich sowieso Fan des Boxsports bin.
    Bei der kurzen Recherche zu dieser Rezi bin ich dann noch zufällig über die geplante Verfilmung gestolpert! Also verfilmt werden soll allgemein die Lebensgeschichte des Hertzko Haft, nicht der Comic im Speziellen. Scheint aber ein größeres Projekt zu werden, das mit Barry Levinson (Der Unbeugsame, Good Morning Vietnam, Rain Man), einen genialen Regisseur bekommen hat (auch wenn ich Rock the Kasbah ziemlich schlecht fand) und mit Ben Foster und Tom Hiddleston stark besetzt ist. Man darf gespannt sein.

    Meine Wertung: 9/10

    Kennt Ihr das Büchlein und wie ist Eure Meinung dazu? Wer hat welche der enthaltenen Stories von Lovecraft gelesen und hat eine Meinung zu denen? Und wer ist allgemein Lovecraft-Fanboy wie ich?

    VG, God_W.

  3. #3
    Mitglied Avatar von freeman17
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    Hallo mein lieber God_W., wieder einmal eine rundum gelungene, sehr anschauliche Rezension aus deiner Feder ... ich mag Lovercraft (habe alle seine Bücher aus dem Suhrkamp Verlag, dazu dies und das, z.B. Corben's Lovercraft Adaptionen) ... meine Geldbörse ist zwar so leer wie das Konto eines Hartz4 Empfängers (die Amazon Schnapper Aktion hat mich finanziell vollkommen ausgezehrt), aber der Titel ist vorgemerkt.

  4. #4
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    Zitat Zitat von God_W. Beitrag anzeigen
    Da mich der gute Herr Kleist mit seinen beiden Werken komplett angeholt hat, habe ich natürlich gleich mal Ausschau nach weiteren Veröffentlichungen von ihm gehalten. Auch wenn die Rezi von churchi zu Nick Cave - Mercy on me sehr gut klingt habe ich mir erstmal Der Boxer – die wahre Geschichte des Hertzko Haft auf den Wunschzettel gepackt. Zum einen, weil mich das Holocaust-Thema grundsätzlich interessiert und zum anderen, weil ich sowieso Fan des Boxsports bin.
    Wenn du Kleist und Boxen magst, solltest du dir sein neuestes Werk auch holen!

    Kennt Ihr das Büchlein und wie ist Eure Meinung dazu? Wer hat welche der enthaltenen Stories von Lovecraft gelesen und hat eine Meinung zu denen? Und wer ist allgemein Lovecraft-Fanboy wie ich?
    Leider kenne ich Kleists Lovecraft-Adaptionen nur vom Hörensagen - sind ja schon recht alt und bei meinen Comicläden nicht mehr im Sortiment. Bin also auf der Suche nach Gebrauchtware.
    Lovecraft mag ich auch sehr, kenne einen Großteil seiner Werke aber nur als (sehr stimmungsvolle) Hörbucher. Muss mir mal ein paar Exemplare zulegen - allein schon, weil ich demnächst endlich mal eine Lovecraft-Hommage für Horrorschocker schreiben will ;-)
    Die Werwolf-Saga endet hier!

    Bitte beachtet meinen Verkaufsthread.

  5. #5
    Mitglied Avatar von Mervyn
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    Zitat Zitat von FilthyAssistant Beitrag anzeigen

    Leider kenne ich Kleists Lovecraft-Adaptionen nur vom Hörensagen - sind ja schon recht alt und bei meinen Comicläden nicht mehr im Sortiment. Bin also auf der Suche nach Gebrauchtware.
    "Grauen im Gemäuer" ist bei der Edition 52 erschienen und noch ganz normal über PPM bestellbar.

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