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Thema: Wohlstand

  1. #26
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    ausführliche Rezension zu "Wohlstand" (fünfter Teil)

    jeweils: Bildfolge oder Seite / Bildnummer (gezählt) (vl.=vorletztes, L.=letztes Bild)


    >30/1. :
    Ich verstehe es einfach nicht, was das soll! Er weiß doch, daß er null Leistungspunkte hat, was nichts anderes bedeutet als höchste Alarmstufe! Unrealistischerweise müßten jetzt blitzschnelle Entscheidungen her, um zu retten, was noch irgendwie zu retten ist, doch er hat nichts besseres zu tun, als hilfebietende Beziehungsarbeit als Bevormundung zu empfinden!
    >30/2.-4. :
    Und rennt mit diesem aberwitzigen, blödsinnigen Getue pfeilgrad in die Falle!
    >30/5. :
    Wirklich unfaßbar, wie selbstverständlich diese absurde Menschenverachtung für den "Wohlstand"-Menschen ist!
    >30/6. :
    Echt absurd, TeMeLs Fantasiewelt! Die glauben wirklich, daß sie ihn nicht töten, und glauben zudem, ihm einen Gefallen zu tun, wenn sie ihn ins TZ (und damit in den sicheren Tod) begleiten. Zugunsten eines erfolgreichen und unbeschwerten Berufslebens haben sie jedliches Unrechtsbewußtsein ausgeschaltet.
    >30/vl. :
    Deswegen erscheint die Rumzickerei so unsinnig: Jetzt ist es zu spät, jetzt kann er sich nicht einmal mehr von Mirabelle verabschieden!
    >30/L. :
    Spitze gezeichnet: Todesangst!

    >31/1.+2. :
    Ich verstehe es wirklich nicht! Mit ihrer Vermutung, ob er sich im TZ selbst umbringen soll, und der Frage nach seinem Leistungspunktestand (->29/4.+5.) hat sie doch schon die schlimmsten Befürchtungen ausgesprochen und hat trotzdem, wie Leon, nichts besseres zu tun, als ihren geschlechtskriegerischen Beziehungsknatsch zu pflegen! Es geht ums Überleben!!
    >31/5. :
    Dieses Bild ist irre schön gezeichnet! Nur erzählt es halt eigentlich eine ganz andere, wunderbare Geschichte, in der Reue wirklich ihre Berechtigung hat!
    >31/6. :
    Oh ja, da ist nochmal dieses, nein, so ein Bild! (das im BIld!) Ich finde die Gestaltung ganz toll gelungen!
    >29/L. und 31/vl.+L. :
    Leider erfährt man nichts genaueres über dieses Leistungspunktesystem, denn mir sind dazu einige Fragen und Gedanken gekommen. Es erscheint erstaunlich ungerecht, daß null Punkte so ein unwiderrufliches Absolutum ist: Mit einem Punkt ist es noch möglich, sich wieder hochzuarbeiten, im wahrsten Sinne des Wortes, und da diese Leistungspunkte durchaus wie Geld gehandelt werden (->20/2. im Cafe), müßte es doch auch möglich sein, zum Beispiel durch Verkauf seines Inventars seinen Punktestand anzuheben. Jedoch mit null Punkten gibt es plötzlich keine Möglichkeit mehr, sich wieder hochzuarbeiten. /Wie kommt man überhaupt zu null Punkten? Beim Einkauf, weil der zu zahlende Betrag größer ist als der Restpunktestand? Somit hätten dann die Kassierer/innen die Autorität, denjenigen aufzufordern, sich in ein TZ zu begeben. Wobei er dann die Sachen an der Kasse lassen könnte, da er sie nicht mehr braucht, wenn er sich ausgliedert. Dann braucht er sie aber auch nicht zu bezahlen und hat somit auch keine null Punkte... /Außerdem: kann man versuchen, nichts mehr einzukaufen und betteln zu gehen, oder sowas? Dann kann man doch die null Punkte umgehen? In Freundeskreisen würde das bedeuten, daß man sich gegenseitig aushilft. Eigentlich doch eine solide Allianz gegen das System? /Passieren null Punkte automatisch durch die Abbuchungen zum Beispiel für die Miete? Und wenn das Restpunkteguthaben die Miete nur noch zu einem Bruchteil abdeckt, geht der Vermieter leer aus, da der Mieter verpflichtet ist, sich auszugliedern? Und wenn einem Vermieter eines Wohnblocks das reihenweise passiert (und er womöglich noch für die Räumungskosten aufkommen muß [ oder machen das die Angehörigen freiwillig, weil sie sich doch sicher sein konnten, das er sich freiwillig ausgegliedert hat, und somit voll hinter diesem Schicksal stehen??]), hat er auch selbst bald null Punkte... /Auf jeden Fall ist die Karenzzeit, im TZ erscheinen zu müssen, erstaunlich! Bis zu drei Mahnungen und ein Termin, der doch etwas weiter in der Zukunft liegt. Hätte man in dieser Zeit nicht die Möglichkeit, seinen Punktestand wieder zu erhöhen und die Aufforderung der WSB zu entkräften? Oder geht das doch nicht, weil... oh ja, Schwarzarbeit scheint es in dieser Welt nicht mehr zu geben, oder ausschließlich mit Naturalien. /Und wie funktioniert mit diesem Leistungspunktesystem eigentlich Taschengelt oder das Geldgeschenk zu Geburtstag oder Hochzeit?
    >31/L. :
    "Ich muß dahin!" Warum das?? Sie wird doch wohl nicht davon ausgehen, daß er zu Tür rausgegangen ist, dabei sogar noch zu erkennen gab, daß er in Kürze wieder zurück ist, um freiwillig auf nimmer Wiedersehn ins TZ zu gehen?

    >32/5. :
    Japanwochen!! TeMeL ist so grandios schamlos! Spitze!
    >32/5.+vl. :
    Boa, das ist Science-fiction! Stark! -Überzeugend! Ich wäre neugierig, ob und welche Funktion die Lichtleiste an der Seite haben soll.
    >32/vl. :
    "Sie wissen ja, wie Frauen so sind!" Grandios schamlos!
    >32/L. :
    "Sie dürfen das so nicht sehen, ..." Sicher..., man muß es nur richtig verkaufen, indem man es schönredet! -Man sollte sich einmal bewußt machen, wie dominant diese Schönrednerei in unserer Gesellschaft vielleicht ist (gerade in der Werbebranche, aber vielleicht auch in der Politik), wie oft womöglich wir schon wie selbstverständlich immer wieder darauf hereinfallen oder sogar unsere Lebensgrundlage auf so eine Täuschung gründen. Ohne der Realität ins Auge zu sehen und so die schädliche Seite zu entdecken!
    >32/L. :
    Super! Diese Verzweiflung! Diese Todesangst!

    >33/3. :
    Nein, Wahnsinn, ist das schamlos!! TeMeL ist echt so überwältigend gnadenlos! Richtig, man muß es nur entsprechend verkaufen, dann kann man auch Scheiße an den Mann bringen - oder den Selbstmord. Und das solideste Mittel ist natürlich. Sex sells!
    >33/4. :
    Absolut spitze gezeichnet: So sieht beißende Todesangst aus!
    >33vl. :
    Es fällt auf, daß keine Sicherheitsbeamten zugegen sind und irgendwie scheinen doch großzügige Fluchtmöglichkeiten zu bestehen. /Das fände ich dann schon interessant: Wäre so eine Situation wirklich möglich? Reichten interaktive Touch-screen-Instruktionen und die martialisch erdrückende und angsteinflößende Atmosphäre eines mit kaltem, schwerem Leder (soll es doch sein, oder?) bezogenen Exekutionssessels aus, um Menschen trotz Todesängste in den Selbstmord zu treiben? Und würden sie echt keine Fluchtversuche unternehmen? Und vor allem, würde überhaupt jemals wirklich jemand freiwillig kommen und sich da hinsetzen?

    >34/2.+3. :
    Diese BIldschnittfolge haut rein! Sehr gut gestaltet!
    >34/3.+5. :
    Wäre so etwas wirklich möglich? (Eigentlich auch die Giftspritze der Mutter Mirabelles [->14/L.]) Wäre es wirklich nur mit Bildschirmanweisungen möglich, Menschen dazu zu bringen, mit der Schlinge um den Hals den letzten, verhängnisvollen Schritt zu tun, ohne sich doch noch am Seil festzuhalten, da die Hände ja nicht gefesselt sind. Wäre irgendwie auf Knopfdruck da nicht "hilfreicher": "Legen sie die Schlinge um den Hals, verschließen sie die Handschellen auf dem Rücken und betätigen sie den Fußtaster!" Vor allem wäre so der Zusammenhang zwischen Knopf und Selbstmord nicht so deutlich wie bei diesem letzten Schritt. Oder wäre für die WSB das nicht selbstmörderisch genug?

    >35/1.+3.-5. :
    Nun ja, Vielleicht ist Mirabelle doch eine starke Persönlichkeit, aber ich finde den fehlenden Zusammenbruch dennoch unrealistisch, schließlich geht es um Liebe!
    >35/7+vl. :
    Boa, ist der Typ eklig! Klar, er hat sich als Last empfunden, und klar, einfach "Urlaub" machen und sich erholen...! Aber siehe da, so souverän ist er dann doch nicht, er kommt doch ins Schwitzen!
    >35/L. :
    Hat der Blick zum Galgenbrett irgendetwas zu bedeuten?

    (#53)

  2. #27
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    ausführliche Rezension zu "Wohlstand" (sechster Teil)

    jeweils: Bildfolge oder Seite / Bildnummer (gezählt) (vl.=vorletztes, L.=letztes Bild)

    >36/4. :
    Wieder faszinierend eklig gestaltet! Im Gegensatz zu seiner rothaarigen Kollegin, die es mit schamloser Menschenverachtung macht, verdient er sein "Geld" damit, mit dem Kugelschreiber wichtigtuerisch und besserwisserisch auf Leute zu deuten.
    >36/L. :
    Hoi? Das Foto des Lehrers auf dem Bildschirm und an der Kasse sah biometrisch aus, Mirabelles Foto nicht!

    >37/1. :
    Man sollte das Problem, was Propaganda verheerendes anrichten kann, nicht kleinreden, auch heute ist es aktueller denn je. Albrecht Müller hat mindestens zwei Bücher darüber geschrieben, die sind mittlerweile schon etwas älter, aber bestimmt immer noch aktuell. / Mirabelles Fernseher wettert gerade über Arbeitslose und vermutlich Arbeitsunfähige und Kranke. Albrecht Müllers Meinung zu der für solche Menschen vom Staat gezahlten Leistungen ist heute entsetzlich unpopulär, aber um Welten menschenwürdiger: Die Sozialversicherungen sind der Reichtum des kleinen Mannes! [!Bürger, auch Frauen]. Nämlich relativ abgesichert zu sein, sodaß Schicksalsschläge nicht die Zerstörung des Lebens bedeuten. /Und kann sich eigentlich irgendjemand noch daran erinnern, daß die Arbeitslosenunterstützung noch einen ganz anderen Zweck hat(te)? Ich hab ja nicht schlecht Bauklötze gestaunt über diesen Tiefsinn und Weitblick, als ich es bei Albrecht Müller las: der Hintergedanke des Arbeitslosengeldes ist der, daß der Bürger trotz Arbeitslosigkeit weiter konsumieren kann und so die binnenwirtschaftliche Konjunktur nicht einbricht! Das ist doch ein ganz neues Licht auf die Sache! Doch dank Privatisierungs-, Riester-, Hartz-IV- und Agenda-2010-Propaganda weiß das heute keiner mehr!
    >37/3. :
    Mirabelle in diesem Bild gefällt mir gut, sehr markant!
    >37/3. :
    "...uns mitteilen müssen?" Typisch Beamtentum: nicht wollen, weil es vielleicht erleichtert, sondern müssen, weil es so im Gesetz steht. Und es hat einen Geschmack, als verhalte es sich so, verpflichtet zu sein, der WSB Dinge mitzuteilen, die die Behörde eh schon weiß. So'n bischen schickanöser Bürokratieirrsinn.
    >37/4. :
    Erstaunlich: Vom Auftreten her macht der Beamte eigentlich einen recht vertrauenserweckenden Eindruck, weder herablassend noch selbstherrlich, eher schon fast besorgt; nur der Nachsatz zerschlägt dieses BIld.
    >37/vl. :
    Boa! Das die Katz' das mit sich machen läßt? Hochleistungskuscheltiger!?
    >37/L. :
    Das ist nicht schlimm, das ist menschenverachtend, wenn wirklich überhaupt keiner sich auch nur die Mühe macht, diesen Menschen wirklich aus dieser Leere herauszuholen!

    >38/4. :
    Huh! Diese Sprechblas besticht durch glänzende Absurdität! Bissig! Man neigt dazu, ihr recht zu geben, Behinderte sind lästig. -Nein! Das ist falsch! Behinderte sind nicht lästig, sondern die Gesellschaft hat sich durch irrwitzigen Zivilisationsdrang und damit einhergehenden Anspruchsdenken so sehr entmenschlicht, daß sie Behinderte als lästig empfindet! /Ich finde, die Menschheit sollte begreifen lernen, was "lebendig" wirklich bedeutet! Dann könnte sie auch besser verstehen, wie wahnsinnig kostbar der Mensch ist!
    >38/L. :
    Ja, sag amol, was isch'n dees fir a blede Zutschge! Was gibt es da erstaunt zu sein, weiß sie es in ihrem Alter immer noch nicht:
    Kinderkriegen ist "hoch ansteckend"!

    39/ganz und 40/ganz :
    Diese Sequenz ist brutal! Eine dramaturgische Glanzleistung TeMeLs! Das spricht für sich, da braucht man nichts mehr zu sagen!
    Doch:
    Der Junge mit dem blauen Schal in der Eingangsszene ist toll gezeichnet!
    Und:
    Man sollte niemals vergessen, was für eine entsetzliche Macht Erziehung sein kann!
    Denn Kinder sind prinzipiell wehrlos, denen kann man alles erzählen, weil sie noch keine ausreichende Fähigkeiten haben zu reflektieren, und mit dem nötigen, auch gewaltlosen, Druck zu relativ willenlosen Gefolgsleuten machen. Das Paradebeispiel hat die deutsche Geschichte gegeben, doch auch seit dem kommt es gewiß viel zu häufig vor, wo diese ahnungslosen Seelen für ein vermeindlich höheres Ziel mißbraucht werden, seien es fanstische Glaubensgemeinschaften, Sekten oder auch Kindersoldaten. /Das dahinterstehende, verheerende Prinzip der Erziehung, weswegen sie eine entsetzliche Macht werden kann, so scheint es mir, könnte ich mit "Selbstläufer-Schwellenwert" bezeichnen: Man muß nur die Erziehung so viele Jahrgänge lang durchziehen, bis die Erzogenen selbst zu den Erziehenden werden, dann hat man es geschafft, selbst die menschenverachtensten Lügen als Gesellschaftsgrundlage festzusetzen. / Aus meiner tabulosen Sicht gehört da auch das aktuelle, reale, immer multimedialer werdende Leben dazu: Seit fast 22 Jahren, -siehe 37/1 die Fernsehersprechblase-, erzieht die Werbung die Jugendlichen, daß Internet, Handy, Onlinebanking, Chipkarten, Smartphone, i-pod und die dafür zu kaufenden Programme und Apps absolut hip sind und nur dies die Welt eine bessere macht. Von den möglichen Gefahren, Entmenschlichung, (Informations-)Monopolisierung, Datenmißbrauch, "gläserner Mensch", erfahren sie natürlich nichts. Und selbst biometrische Paßfotos und gespeicherte Fingerabdrücke auf Ausweisen wird ihnen bestimmt als total lässig verkauft. Bis sie selbst in die Rolle der erziehenden Generation kommen und das Gedankengut einer nahtlos multimedial vernetzen Welt wie selbstverständlich weitergeben. Doch dann ist es zu spät, die Alten, die die Gefahren noch sehen können sind schon zu zahlreich weggestorben, somit kann sich der wie auch immer geartete Wahnsinn Bahn brechen und, was weiß ich, die ganze Welt zu einem Marionettentheater willenloser und überwachter Konsumeten machen... zum Beispiel...
    Lebendiger Science-fiction...
    Im ursprünglichen Sinn könnte ich mir vorstellen, daß dieser Selbstläufer-Schwellenwert eigentlich etwas Gutes ist: Er hat die Menschheit vorangebracht! Das Wissen um Aussaat und Ernte, Bewässerung, Viehhaltung, handwerkliche Fähigkeiten, von Generation zu Generation weitergegeben, bis es zur Selbstverständlichkeit wurde, darauf baut unser zivilisiertes Leben auf, zuletzt zu einer gewissen Vollendung gebracht durch das mittlerweile selbstverständliche Bewußtsein, daß auch Indianer und Schwarzafrikaner Menschen sind und daß Frauen und Männer gleichberechtigt sind! Doch irgendwann kamen welche, die durchschauten, wie man dieses System für schamlosen Eigennutz hinterlistig mißbrauchen und pervertieren kann. Und nur die Allerwenigsten, die diese Täuschung durchschauen...

    (#54)

  3. #28
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    ausführliche Rezension zu "Wohlstand" (siebter Teil)

    jeweils: Bildfolge oder Seite / Bildnummer (gezählt) (vl.=vorletztes, L.=letztes Bild)

    >41/2. :
    "...Getötet wird hier keiner, ..., nur im Notfall!" Wirklich erstaunlich, wie die "Wohlstand"-Bürger sich ihr Gewissen reinwaschen, mit haarsträubenden Widersprüchen. Getötet wird keiner, nur im Notfall; also wird doch getötet! Und vor allem: nur im Notfall! Man muß es sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Notfall, in dem man töten muß, ist zum Beispiel, wenn jemand unberechenbar mit einer Waffe vor einem steht. Doch welche lebensbedrohliche Gefahr im Sinne von "er oder ich" geht für einen WSB-Beamten von einem Menschen mit null Leistungspunkten aus? Und welche lebensbedrohliche Gefahr geht von einem solchen Menschen für die Gesellschaft aus? In Mirabelles Welt ist es wohl der Wahn, daß die Sozialleistungen für Arbeitslose und hilfsbedürftige Menschen den gesellschaftlichen Frieden zersetzen. Auch wieder eine Parallele zur deutschen Vergangenheit: Damals gab es einen Propagandafilm, der unverhohlen die jüdischgläubigen Menschen mit Ratten gleichsetzte, die Vernichtung von Nahrungsmittelvorräten durch Ratten als Beispiel für die Zersetzung des deutschen Volkskörpers durch die Juden anführte und so eine Rechtfertigung daraus schlußfolgerte, daß man das "Problem" der Juden nur mit Giftgas lösen könne, so wie es ja auch bei den Ratten üblich ist. Aus der gleichen wahnwitzigen Vorstellung heraus begründet wahrscheinlich auch die WSB die "Notfälle".
    /Doch leider scheint ein solch krankhaftes Gedankengut selbst heute noch überhaupt nicht aus der Welt geschafft zu sein bzw. nur noch in Science-fiction-Geschichten aufzutauchen, denn glaubt man F. William Engdahl, gibt es neben den Neonazis so manche wohlhabende, einflußreiche und elitäre Zusammenkunft, in denen sich auf eine alte Idee berufen wird, die mittlerweile in der Gentechnik aufgegangen ist, nämlich die, ganz unverblümt alle nicht reinweißen und nicht wohlhabenden Menschen als Humankrebs zu bezeichnen, ebenso wie die Medizin mit dem Anspruch, diesen zu bekämpfen oder gar zu besiegen.
    /Vielleicht ein abstruses Lehrbeispiel, wie man sich selbst Probleme machen kann, die es gar nicht gibt: Leben ist Vielfalt und Vielfalt ist Reichtum! Genauso dumm die WSB-Ideologie. Nach einem Staatsbankrott ist doch alles möglich: Hätte man die neue Welt nicht auf Wohlstand gegründet, sondern auf Menschlichkeit, gäbe es keine Probleme mit Arbeitslosen, Alten, Kranken und dergleichen, müßte die WSB nicht so panisch Angst haben, -die sie dazu verleitet, prinzipiell unschuldige Menschen zu ermorden-, daß der gesellschaftliche Frieden durch solche Menschen gestört wird. Doch auch die reale Welt könnte man kritisieren, hätte man doch nach knapp 800 Jahren Geldwirtschaft erkennen können, daß das mit dem Geld das Gelbe vom Ei doch nicht ist. Hätte man die menschliche Zivilisation nicht auf Geld gegründet, sondern auf etwas Natürliches, Menschliches, gäbe es kein Problem, daß die Rente (angeblich!) nicht mehr finanzierbar ist oder daß Arbeitslose die Sozialkassen und damit den Staatshaushalt belasten. Einfach das irrationale Problem des Geldes beseitigen, dann hätte man bestimmt einen ganzen Rattenschwanz unnötiger Folgeprobleme beseitigt und so das Leben menschenwürdiger gemacht.
    >41/3. :
    Der Kugelschreiber scheint es in sich zu haben...
    >41/4. :
    Tja, eingeknickt! Verübeln kann man es Mirabelle nicht, denn ihre Situation ist zu deprimierend und ausweglos! /-Was unterscheidet eigentlich Einknicken von der Minimalforderung fürs Überleben, um noch irgendwas zu retten, was zu retten ist? In Mirabelles Welt geht es ja nur über Arbeit. Doch ich denke mir, als Kämpferin hätte sie nicht verbal eingelenkt, sondern es für sich behalten.

    >42/1. :
    "Vielleicht stelle ich mich an..." Manchmal ist das Deutsche schon doof: irgendwie hölzern und leicht irreführend. /Für mich aber auch wieder eine Form des Einknickens. Scheinbar zu sehr und in dem Sinne selbstschädigend das menschenverachtende Gedankengut verinnerlicht: Oh, Mann, stell dich nicht so an, das bischen schlechtgehen, dauerhaft 400 LPs ist doch'n Klacks.
    >42/1. :
    "...,ich bin nicht mal mehr ein Zahnrad, ich bin das Öl fürs Getriebe." Ja, der Mensch als Verschleißmittel für andererleuts Wohlstand. Ist es in der realen Welt nicht bereits schon so? Wenn schon ganz offen von Humankapital geredet wird? Wenn als das Beschäftigungsmodell der Zukunft die Zeitarbeit gepriesen wird, die keine Rücksicht nimmt auf den Menschen, der hinter der Arbeitsleistung steht, sondern die Menschen regelrecht verschleißt und gegebenenfalls einfach den nächsten nimmt? Mich würde es nicht wundern, wenn sich bei genauerer Betrachtung der Situation herausstellen würde, daß der reale Wohlstand nur Zugmittel ist, um diesen Wahnsinn selbstständig zu befördern, und gleichzeitig Betäubungsmittel, damit's keiner durchschaut.

    >43/2.+vl. :
    Die beiden Bilder gefallen mir gut, im ersten ist Mirabelle durch eine grafische Unschärfe besonders hübsch, im zweiten Mirabelles markantes Relief, das erkennen läßt, daß sie nach so einem Winter doch noch was umhauen kann (->43/L.). Beide Bilder sind mit Mirabelle und dieser Nachbarin gestalterisch schön arrangiert, zuerst mit einem typischen, aber ehrlichen Großmütterchengehabe und dann mit einer ebenso ehrlichen Hilfsbereitschaft.

    >44/1. :
    Dieses Bild ist zwar nicht so extrem wie die Bilder von Mirabelles Wohnung (->12/2., 37/1.), aber es beeindruckt mich schon, neben der Anzahl der Bilder für eine Geschichte diese teilweise auch noch mühselig fein zu detaillieren! Meine Anerkennung!

    >45/5. :
    Ist zwar hübsch energisch gezeichnet, aber für mich halt doch ein sinnloser Affekt mit unabsehbaren Folgen. Wenn es natürlich dramaturgisch dazu dient, die Ausweglosigkeit in dieser menschenverachtenden Welt zu betonen, dann könnte ich mich damit zufrieden geben.

    >46/vl. :
    Dieses Bild ist mir nicht ganz klar. Gerangel? Ja, aber warum mit dieser geheimnisvollen Hüftperspektive hervorgehoben? Nun ja, vielleicht gibt es dem Gerangel dramaturgisch einen lebhafteren, turbulenteren Gesamteindruck, als wenn TeMeL die Szene nur mit Portraitzeichnungen bestritten hätte, aber durch die übermäßige Betonung in dieser Prespektive entsteht halt auch der Eindruck eines praxisinternen Geheimzeichens: Wenn Gläser klirren, dann Polizei/WSB rufen, oder ähnliches.

    >47/2. :
    "Die Giftkapsel des Chips öffnet sich automatisch, wenn man versucht ihn zu entfernen!!"
    Wirklich verstörend, was sich in dieser Geschichte eine Staatsmacht herausnimmt, machen zu dürfen! Per Implantation unweigerlich zum Tode verurteilt! Da kann es kein Leben mehr geben, das ist absolute Menschenverachtung! -Wäre es wirklich möglich, daß Bürger, ein Volk, so etwas wirklich über sich ergehen ließen? Sollte die Antwort darauf doch "Ja" lauten, ich glaube, dann würde ich den Respekt gegenüber der Menschheit verlieren. In meinen Augen hätte eine solche Menschheit es nicht mehr verdient, noch gerettet zu werden.
    >47/3. :
    Man kann es deutlich sehen: Da bricht eine Welt zusammen!
    >47/vl. :
    "Gehen sie ... dann zeig ich sie auch nicht an..." Erstaunlich! Ist das Solidarität, das sie dazu veranlaßt?
    >47/L. :
    "Uaahh..." ...Uah, gespenstisch! Als wäre es ein direkter Erfahrungsbericht eines sterbenden Menschen, wie sich Sterben anfühlt... /Ich finde "Uaahh" aber unpassend, es hört sich mehr wie ein dezenter, überraschender, aber tötlicher Stromschlag an. Für eine Giftkapsel hätte ich 'aahh', 'aarg' oder 'aa-hh' besser gefunden.


    (#55)
    Geändert von Traumwaldschrat (09.10.2013 um 22:33 Uhr)

  4. #29
    Mitglied Avatar von Eric Zonfeld
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    Ich habe das Album heute erhalten und sofort gelesen. Es gefällt mir sehr gut und lässt auf weitere vielversprechende Werke hoffen. Der an anderer Stelle kritisierte Selbstmord ist ein - dramatischerweise - nicht unglaubwürdiger Höhepunkt, der die Voraussetzung für den Schlussplot darstellt, die letzte Seite. Genau durch dieses Abschlusskonstrukt wird die inhaltliche Dichte der Geschichte aufrechterhalten, so wie die Autorin auf den letzten Seiten noch mal alle ihre Stärken (und die der Geschichte) aufbietet.

  5. #30
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    Zitat Zitat von Traumwaldschrat Beitrag anzeigen
    "...und mit der besten Gothicparty!" Zwar bezweifle ich, daß TeMeL die einstige legendäre Kultdisco im Kopf hatte, aber ich fühle mich dennoch geschmeichelt! Man möge nur nachschauen, wo ich herkomme!
    Nein, ich fass' es nicht!

    Gerade vor ein paar Wochen hatte ich mich noch stolz und geschmeichelt auf deren Berühmtheit berufen,
    doch nun ist sie nicht mehr!
    Diese Disco ist gestorben!

    Das „Melodrom“ ist abgebrannt!


    Diese Diskothek, die wahrscheinlich wie keine zweite die Schwarze Szene vorangebracht hatte und somit indirekt auch herausragende Musik hervorgebracht, schon fast vollendete tanzbare, elektronische Musik, die eventuell sogar maßgeblich am Entstehen der Gruftie-Szene überhaupt beteiligt war und damit Wegbereiter einer eigenständigen Jugendkultur, also irgendwie auch so etwas wie ein Kulturerbe sein könnte, die in ihrer Glanzzeit regelmäßige Besucher aus einem Umkreis von 300 km Radius hatte, die mehr als nur eine Disco war, weil sie in einem Kino untergebracht war, in dem auch Filme liefen, und zusammen mit der Lasershow ein wirklich abendfüllendes Programm bot,
    diese Legende einer Diskothek gibt es nicht mehr!

    Unfaßbar!


    Traumwaldschrat

    (#56)

  6. #31
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    ausführliche Rezension zu "Wohlstand" (achter Teil)

    jeweils: Bildfolge oder Seite / Bildnummer (gezählt) (vl.=vorletztes, L.=letztes Bild)

    >48/2. :
    "...in Sorge....vorsichtshalber..." Wahnsinn, wie schamlos! Mal vorsichtshalber jemanden töten! Absurd!
    >48/3. :
    So wie die Ärztin schaut, könnte man hoffen, daß sie unter dem Eindruck ihrer Lebensgefahr ob dieser zum Himmel schreienden Menschenverachtung, die dieser WSB-Beamte von sich gibt, vielleicht doch mal zu denken anfängt.
    >48/4.+vl.+L. :
    Genau... so stimmt's... (nur daß erstaunlicherweise ihr Vater einen höheren Stellenwert zu haben scheint als Leon)
    Ach, nein, Mensch, diese Schmerzen! Das Bild ist so grausam, es tut so weh! Mir kommt da gleich wieder Leeloo in den Sinn, "das fünfte Element", als sie beim Betrachten der Bilder zum Wort "Krieg" vor Schmerzen schier zerbricht, was ja logisch ist, denn sie als das Leben selbst sieht nicht nur die Qualen in den Bildern, sondern spürt sie unmittelbar und tausendfach. Ein Meisterwerk einer Filmszene, die Luc Besson damit kreiert hat! TeMeL folgt mit einem brillantem Standbild, das in dem Sinn auch etwas direkter, greifbarer ist! Nur daß es beiden dennoch nicht gelingen konnte, den Schmerz selbst zum Ausdruck zu bringen. Warum geht das nicht, warum läßt es sich nicht vermitteln, wie grausam das Leben sein kann, wie grausam das Leben naturgegeben sein muß. Und warum wollen es nur die allerwenigsten verstehen. Man könnte es besser begreifen, wie unermeßlich kostbar das Leben ist. Und wie entsetzlich viel man eigentlich tun müßte, um diesen Schmerzen zu lindern!
    Warum ist das Leben in diesem Universum zum Leiden verdammt!

    >49/4. :
    "Diese Toten könnten sie auch interessieren" Nein, Wahnsinn!! TeMeL, Du kannst doch Deine Leser nicht so ins Gesicht erschlagen! Spitzenmäßig! Grandios schamlos!
    >49/5. :
    "Das Internet ist also... tot", "...seitdem..." die WSB das Internet bereinigt hat. -Hmm? Ist es nicht schon heute so, oder war es überhaupt jemals anders? Ich habe mich ja schon an anderer Stelle hier im Forum darüber ausgelassen, daß das Internet doch eh nur zum Pornosrunterladen, Schuhebestellen und Schnäppchenjagen genutzt wird. Das ist doch quasi tot, denn darüber hinaus wird doch nur rumgelästert oder Späßle gmacht.

    >50/3. :
    "Komisch, wie wichtig es der WSB ist Kinder zu bekommen / Sie dann hinterherzu glücklichen Menschen zu erziehen ist dann eher nebensächlich." Mich bedrückt, wie wenig Science-fiction Mirabelles Gedanken sind. In den Vereinigten Staaten ist so ein "Gedankengut" schon längst in der Realität angekommen. Dort gibt es fundamentalistische Christen, die sich nicht scheuen, einen erwachsenen Menschen umzubringen und damit ein Loch in ein Familienleben und die Familie in den Abgrund zu reißen, nur um ungeborenes Leben zu schützen, weil dieser Mensch ein Arzt ist, der auch Abtreibungen praktiziert. Man führe sich nur die Idiotie vor Augen: Da wird ungeborenes Leben krampfhaft geschützt, wenn dieses Leben aber ein Arzt wird, der auch Abtreibungen vornimmt, wird das Leben getötet.
    >50/L. :
    Noch so ein Fall unbeschreiblicher Schamlosigkeit...

    >51/8. :
    Hmm? Mit einer Blumenvase, ohne daß diese zu Bruch geht, einen Menschen niederstrecken...? (53/6. : Ach so, der soll auch noch tot sein?! Hmm... ja, stimmt eigentlich!)
    >51/L.+52/1. :
    Wahnsinnig bizarre Logik! Und eine absurd ausweglose Situation! Sehr gut gestaltet!
    >52/7. :
    Für mich blitzt aus diesem Bild ein letztes Mal die Kämpferin heraus! Auch das Verhältnis scheint wieder zu stimmen. Und wie sie da mit dem Schlafhemd durch Matsch und Regen irrt, in Gedanken noch einmal Abschied nehmend, das stellt mit den sechs Bildern davor die Ausweglosigkeit glänzend dar, obwohl nur das schmerzverzerrte Gesicht zu sehen ist!

    >53/5. :
    Och nö, was soll'n der Blödsinn? "Ich weiß, was sie vorhaben!! Die WSB hat alles getötet, was ich liebe! Wagen sie es nicht auch noch, mir mein Kind zu nehmen!!!". Soll ich jetzt echt noch glauben, daß die WSB das alles absichtlich gemacht hat? Aus einer konspirologischen Laune heraus Mirabelle zugrunde gerichtet...? -Oder sollte ich nur die Betonung anders legen...
    >53/5. :
    "...Wagen sie es nicht auch noch, mir mein Kind zu nehmen!!!" Mich verblüfft, was für eine Macht Mutterliebe ist; das ist ja gewiß authentisch!
    >53/5. :
    Erstaunlich, wie teilnahmslos die Frau ist, obwohl sie aufgrund ihres Alters doch noch etwas von Menschenwürde verstehen müßte!
    >53/5. :
    Boa, ist der brillant eklig selbstgefällig!
    >53/L. :
    "...elegant gelöst..." Wirklich unglaublich, diese menschenverachtende Selbstgefälligkeit!


    (#57)
    Geändert von Traumwaldschrat (24.10.2013 um 21:06 Uhr)

  7. #32
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    Zitat Zitat von Traumwaldschrat Beitrag anzeigen
    jeweils: Bildfolge oder Seite / Bildnummer (gezählt) (vl.=vorletztes, L.=letztes Bild)

    >48/2. :
    "...in Sorge....vorsichtshalber..." Wahnsinn, wie schamlos! Mal vorsichtshalber jemanden töten! Absurd!
    >48/3. :
    So wie die Ärztin schaut, könnte man hoffen, daß sie unter dem Eindruck ihrer Lebensgefahr ob dieser zum Himmel schreienden Menschenverachtung, die dieser WSB-Beamte von sich gibt, vielleicht doch mal zu denken anfängt.
    >48/4.+vl.+L. :
    Genau... so stimmt's... (nur daß erstaunlicherweise ihr Vater einen höheren Stellenwert zu haben scheint als Leon)
    Ach, nein, Mensch, diese Schmerzen! Das Bild ist so grausam, es tut so weh! Mir kommt da gleich wieder Leeloo in den Sinn, "das fünfte Element", als sie beim Betrachten der Bilder zum Wort "Krieg" vor Schmerzen schier zerbricht, was ja logisch ist, denn sie als das Leben selbst sieht nicht nur die Qualen in den Bildern, sondern spürt sie unmittelbar und tausendfach. Ein Meisterwerk einer Filmszene, die Luc Besson damit kreiert hat! TeMeL folgt mit einem brillantem Standbild, das in dem Sinn auch etwas direkter, greifbarer ist! Nur daß es beiden dennoch nicht gelingen konnte, den Schmerz selbst zum Ausdruck zu bringen. Warum geht das nicht, warum läßt es sich nicht vermitteln, wie grausam das Leben sein kann, wie grausam das Leben naturgegeben sein muß. Und warum wollen es nur die allerwenigsten verstehen. Man könnte es besser begreifen, wie unermeßlich kostbar das Leben ist. Und wie entsetzlich viel man eigentlich tun müßte, um diesen Schmerzen zu lindern!
    Warum ist das Leben in diesem Universum zum Leiden verdammt!

    >49/4. :
    "Diese Toten könnten sie auch interessieren" Nein, Wahnsinn!! TeMeL, Du kannst doch Deine Leser nicht so ins Gesicht erschlagen! Spitzenmäßig! Grandios schamlos!
    >49/5. :
    "Das Internet ist also... tot", "...seitdem..." die WSB das Internet bereinigt hat. -Hmm? Ist es nicht schon heute so, oder war es überhaupt jemals anders? Ich habe mich ja schon an anderer Stelle hier im Forum darüber ausgelassen, daß das Internet doch eh nur zum Pornosrunterladen, Schuhebestellen und Schnäppchenjagen genutzt wird. Das ist doch quasi tot, denn darüber hinaus wird doch nur rumgelästert oder Späßle gmacht.

    >50/3. :
    "Komisch, wie wichtig es der WSB ist Kinder zu bekommen / Sie dann hinterherzu glücklichen Menschen zu erziehen ist dann eher nebensächlich." Mich bedrückt, wie wenig Science-fiction Mirabelles Gedanken sind. In den Vereinigten Staaten ist so ein "Gedankengut" schon längst in der Realität angekommen. Dort gibt es fundamentalistische Christen, die sich nicht scheuen, einen erwachsenen Menschen umzubringen und damit ein Loch in ein Familienleben und die Familie in den Abgrund zu reißen, nur um ungeborenes Leben zu schützen, weil dieser Mensch ein Arzt ist, der auch Abtreibungen praktiziert. Man führe sich nur die Idiotie vor Augen: Da wird ungeborenes Leben krampfhaft geschützt, wenn dieses Leben aber ein Arzt wird, der auch Abtreibungen vornimmt, wird das Leben getötet.
    >50/L. :
    Noch so ein Fall unbeschreiblicher Schamlosigkeit...

    >51/8. :
    Hmm? Mit einer Blumenvase, ohne daß diese zu Bruch geht, einen Menschen niederstrecken...? (53/6. : Ach so, der soll auch noch tot sein?! Hmm... ja, stimmt eigentlich!)
    >51/L.+52/1. :
    Wahnsinnig bizarre Logik! Und eine absurd ausweglose Situation! Sehr gut gestaltet!
    >52/7. :
    Für mich blitzt aus diesem Bild ein letztes Mal die Kämpferin heraus! Auch das Verhältnis scheint wieder zu stimmen. Und wie sie da mit dem Schlafhemd durch Matsch und Regen irrt, in Gedanken noch einmal Abschied nehmend, das stellt mit den sechs Bildern davor die Ausweglosigkeit glänzend dar, obwohl nur das schmerzverzerrte Gesicht zu sehen ist!

    >53/5. :
    Och nö, was soll'n der Blödsinn? "Ich weiß, was sie vorhaben!! Die WSB hat alles getötet, was ich liebe! Wagen sie es nicht auch noch, mir mein Kind zu nehmen!!!". Soll ich jetzt echt noch glauben, daß die WSB das alles absichtlich gemacht hat? Aus einer konspirologischen Laune heraus Mirabelle zugrunde gerichtet...? -Oder sollte ich nur die Betonung anders legen...
    >53/5. :
    "...Wagen sie es nicht auch noch, mir mein Kind zu nehmen!!!" Mich verblüfft, was für eine Macht Mutterliebe ist; das ist ja gewiß authentisch!
    >53/5. :
    Erstaunlich, wie teilnahmslos die Frau ist, obwohl sie aufgrund ihres Alters doch noch etwas von Menschenwürde verstehen müßte!
    >53/5. :
    Boa, ist der brillant eklig selbstgefällig!
    >53/L. :
    "...elegant gelöst..." Wirklich unglaublich, diese menschenverachtende Selbstgefälligkeit!


    (#57)
    Liest Du eigentlich noch was anderes, oder ist das Dein einziger Comic?

  8. #33
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    Zitat Zitat von Harry Haller Beitrag anzeigen
    Liest Du eigentlich noch was anderes, oder ist das Dein einziger Comic?
    Ich lese viel anderes, nur zur Zeit keine Comics.
    Du kritisiert die Menge? Dann sei doch froh, daß Du es nicht gemacht hast!
    Natürlich ist es viel, heillos zu viel, aber wie Du auf Seite 1 lesen kannst, ist das ein Versuch.
    Gut, jetzt weiß ich's, sowas ist zu viel!
    Aber interessant!

    Und wie Du über dem folgenden Beitrag sehen kannst, nun ist es dann rum.

    (#58)

  9. #34
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    ausführliche Rezension zu "Wohlstand" (letzter Teil)

    jeweils: Bildfolge oder Seite / Bildnummer (gezählt) (vl.=vorletztes, L.=letztes Bild)

    >54/2. :
    Schon wieder von TeMeL aufs Glatteis geschickt: "Es gibt keine einsamen Senioren mehr, die lieblos in Altersheimen zu Tode gepflegt werden..." Irgendwie wird man dazu gedrängt, diesem Widerling damit recht zu geben. Man sollte aber eben das richtige Verhältnis beachten: nicht die Senioren sind das Problem, sondern die Gesellschaft, die sie, zugunsten des Erhalts der uneingeschränkten persönlichen Freiheit, in Altersheime abschiebt sowie der Irrglaube, Pflege und Zuneigung als Beruf, quasi auf Abruf und trotz der selbstschützenden Interessenlosigkeit zu den einzelnen engagiert erscheinend, menschenwürdig sein zu lassen. Das Problem ist, daß die zivilisierte Menschheit sich entmenschlicht hat, zum Beispiel durch gesellschaftsbedingten Egoismus. Wäre das höchste Streben nicht die materielle Selbstverwirklichung, sondern die uneingeschränkte Fürsorge füreinander, hätte die Menschheit bestimmt sehr viel weniger Probleme. Doch nicht nur Alte, das Gleiche gilt sicher auch für Behinderte, siehe 38/4.
    >54/6. :
    "Man ist nicht zwangsläufig selber schuld, wenn man sein Leben nicht im Griff hat!!!!" Genau! Richtig! Weitersagen! Unbedingt! Das sollte eigentlich gesellschaftliche Grundweisheit sein, Stichwort: füreinander!

    >55/4. :
    "...nur an den Tod meines Kindes." Ob man es als Mann je verstehen oder nachvollziehen kann? Mutterliebe scheint eine echte Bestie zu sein, die notfalls auch über Leichen geht!
    >55/6. :
    Ein Querverweis zu "Momo"? Ein guter WSB-Beamter schafft es innerhalb einer Zigarettenlänge, wertlose Menschen fertig zu machen, ansonsten wird er selbst eliminiert...

    >56/2.+3. :
    Zum wiederholten Mal fällt es mir als ein außergewöhnliches, jedoch häufiges Gestaltungselement TeMeLs auf: Der Bildrand schneidet die Augen der Figuren ab, halb oder ganz, Nase und Augen oder den ganzen Kopf. In vielen Fällen eine ungewöhnliche Perspektive!

    -----------

    Nachwort:

    "Oder haben das unablässige Streben nach Reichtum und Macht schon immer dafür gesorgt, dass der Wert des Einzelnen nach dem Kapital bemessen wird, über das er verfügt?"

    Dieses Nachwort, vor allem mit diesem "schon immer", erinnert mich spontan an Gabriel Laubs Satirebüchlein "Der leicht gestörte Frieden" (schon allein diese Doppeldeutigkeit!). Nach dessen Lektüre bleibt ein seltsamer Nachgeschmack: Es scheint, als würden seit der Hochzeit Spartas Menschen ausschließlich dafür geboren, um auf Schlachtfeldern verheizt zu werden, also satirisch ganz systemantisch zu verstehen, Frauen wurden nur geschwängert, um Kanonenfutter zu produzieren. Ein bizarrer Eindruck, doch mir dünkt, daß daran sehr viel Wahrheit ist, gerade wenn man bedenkt, wie unangefochten selbstverständlich in den letzten 3000 Jahren die Wehrplicht war; es war einfach normal und natürlich, in den Krieg ziehen zu müssen.

    Rein kosmologisch betrachtet ist das eigentlich gar nicht so verwerflich, denn da es keine höchste richterliche Instanz zu geben scheint in Form von Gottheiten und die Menschheit bestimmt auch kein Experiment außerirdischer Intelligenzen ist, somit diese Verfehlung offensichtlich für immer ungeahndet bleibt, spricht eigentlich nicht dagegen, wenn seit der Entwicklung von den Affen einige wenige durchblickenden und weitsichtigen Leute alle unter ihnen lebenden Erdbewohner ausschließlich als frei verfügbares Humankapital für Kriegszüge betrachteten, vielleicht untereinander diese Erkenntnis für sich behielten und nur den engsten Vertrauten weitergaben und sich so ein schönes Leben machten.
    Rein kosmologisch..., das kann man so machen.
    Doch menschlich ist es halt eine schier unfaßbare Tragödie, ein Verrat an das entwickelte Gehirn, weil so seit Jahrtausenden die überwältigende Kostbarkeit menschlichen Daseins überhaupt nicht sich entwickeln konnte!

    TeMeL liefert mir einen ganz neuen "schon immer"-Aspekt, den sie in ihrem Nachwort wie zitiert wiederholt und mit 54/1. glänzend in Szene setzt (wobei ich auch bei diesem bestechend faszinierenden Bild den Eindruck habe, als erzähle es eine ganz andere Geschichte. Dieses Gesicht ist stereotyp für einen ranghohen Menschen, der ohne weiteres über Leichen geht): "...die Gesellschaft, die sich jeder wünscht. Es hat seit Menschengedenken immer nur Geld und Leistung gezählt. / Es hat niemals der Mensch gezählt, sondern in jedem Land und zu jeder Zeit immer nur die Wirtschaftskraft."
    Hmmm?
    Ein Aspekt, der mir jedoch nicht zusagt!
    Ich neige dazu, dem zu widersprechen! Das stimmt so nicht, meine ich!
    Der entlarvende und satirisch bissige Geschichtsschreiber Joachim Fernau stellt es so dar, daß das Geld nach einem Dornröschenschlaf seit dem Ende des Römischen Reiches erst ab 1095 (Kreuzzüge) wieder mehr in Erscheinung trat und erst durch das Aufblühen der Handelsstädte eine gewisse Dominanz erreichte. Dennoch könnte ich mir vorstellen, daß das Geld trotz Hanse, Fugger und der Erfindung des Buchdruckes eine elitäre Randerscheinung blieb, die breite Bevölkerung, auch in den Städten, lebte vielleicht weiterhin hauptsächlich vom Naturalien- und Tauschhandel. Oder aber sie verwendeten das Geld ausschließlich in seinem eigentlichen Sinn: als Tauschmittel! Doch dadurch, finde ich, entsteht noch kein Bemessungsmaßstab, mit dem man den Wert eines Menschen bestimmen könnte; wahrscheinlich auch deswegen, weil das Geld noch nicht lebensnotwendig war, es vereinfachte Handel und Gewerbe, aber zu leben ging wohl auch ohne ganz gut. Das veränderte sich, so sieht es für mich aus, erst mit der Industrialisierung, als im großen Stil die Arbeit nicht mehr zum Arbeiter kam, sondern der Arbeiter zur Arbeit kommen mußte, als zum ersten Mal in der Weltgeschichte Menschen zur Miete, Arbeiter in Mietskasernen, wohnten, erst da wurde das Geld lebensnotwendig, denn Miete, und in der Folge alles andere, konnte man nicht mehr mit Naturalien bezahlen, vor allem, weil man als Manufakturarbeiter gar keine mehr besaß. Erst in dieser Zeit wurde auch die breite Bevölkerung vom Geld abhängig und das Geld das Maß aller Dinge, auch deshalb, weil die Manufakturprodukte, die durch diese neue Herstellungsmethode billiger und somit auch für nicht wohlhabende Menschen erschwinglich wurden, nur noch mit Geld zu bezahlen waren. Und erst danach erlangte das Geld den Prestigestellenwert und Wertemaßstab, der heute so selbstverständlich ist, weil erst mit der Industrialisierung es auch für die breite Bevölkerung möglich war, Dinge zu kaufen, die für ein Leben gar nicht notwendig waren, sondern die man einfach haben wollte, weil sie Spaß machten,
    -oder zeigten, was man sich alles leisten konnte.
    Ähnlich jung und neu in der Weltgeschichte dürften die Begriffe Leistung und Wirtschaftskraft sein, auf die sich der WSB-Beamte beruft, weil sie vielleicht erst durch die moderne Erfindung der Solidargemeinschaft durch eine neidgeleitete Schieflage in einen unbegründeten Fokus gerieten: Von manchen Leuten wird es eben doch als ungerecht empfunden, daß ein Arbeitsloser Geld zum verkonsumieren hat, obwohl er akut keine wirtschaftliche Leistung erbringt, die vergütungswürdig wäre.

    Daß niemals der Mensch gezählt hat, kann ich nicht ohne weiteres glauben.
    In der elitären Oberschicht, in den Augen der Könige, Herzöge, Fürsten, Stadtverwalter, der Kaufleute und Handeltreibenden und diejenigen, die dem nachzueifern versuchten, da sicherlich, aber in der breiten Bevölkerung? Die abgeschieden vom großen Weltgefüge mehr oder weniger verzweifelt versuchten, einfach nur zu überleben, durch den Winter zu kommen und genug zu essen zu haben? Ich weiß nicht? Was ist mit Liebe? Das ist keine moderne Erfindung! Gerade Mutterliebe, die ja bestimmt bis ins hohe Alter unsterblich ist! -Es sei denn, daß der Fehler, den die Menschheit laut Leo angeblich in sich tragen soll, noch viel gravierender ist, als ich es schon ahne, was man vielleicht nur noch so beschreiben könnte, daß die Menschheit zu sich selbst ein gestörtes Verhältnis hat, dann hätte der Mensch möglicherweise tatsächlich niemals gezählt.

    Aber mein Ausgangspunkt war das "schon immer" und Joachim Fernau liefert mir dazu einen anderen Gedanken, der dem WSB-Beamten recht geben würde, aber in einer ganz anderen Weise. Mit dem Begriff des Adels macht Joachim Fernau eine für ihn seltsame Erscheinung aus, daß es in den letzten 6000 Jahren häufig war, daß die Mehrheit der Menschen lieber den bequemen Weg des Versorgtwerdens vorzogen und es einigen wenigen überließen, sich um alles zu kümmern. Ich hätte eine Idee, daß diese Bequemlichkeit häufig sogar selbstzerstörerische Züge annahm, daß man sogar die übelsten Despoten ertrug, wenn man sich nur um nichts kümmern brauchte.

    Mit dieser Idee bekäme der WSB-Beamte erstaunlich recht, aber nicht so, wie er meint: Die Gesellschaft, die sich jeder wünscht, ist vielleicht die, in der man sich um nichts kümmern braucht. Das übernimmt die WSB, aber mit ihrem menschenverachtenden Gesellschaftssystem. Da aber jeder lieber diese Menschenverachtung erträgt, anstatt sich selbst um alles zu kümmern, entsteht der Eindruck, die von der WSB geschaffene Gesellschaft mit ihrem absurden Leistungsanspruch ist von den Menschen gewollt. Dabei ist es nur die Bequemlichkeit!

    Also von wegen unablässiges Steben nach Reichtum und Macht, es ist vielleicht die Bequemlichkeit, die von einigen wenigen Wohlhabenden und Mächtigen, die tatsächlich nach Reichtum und Macht strebten, schamlos zu ihern Gunsten ausgenutzt wurde, wodurch dieser Eindruck entsteht, daß jeder danach strebte.

    Auch in anderer Hinsicht könnte dieser unrichtige Eindruck entstehen: Ein Fernseher, ein eigenes Auto, eine CD-Sammlung, ein i-pod, hippe Klamotten, all das und noch etliches mehr kann man eben nur über "Reichtum" erwerben, wenn man das nötige Geld dafür hat, aber all diesen unzähligen Menschen, die dafür das Geld verdienen, geht es ja nicht primär um Reichtum und schon gar nicht um Macht, sondern um den Fernseher, das Auto, die Sammlung, das i-pod oder die Klamotten, ihnen geht es um diesen Wohlstand, das, was der Nachbar hat, selber haben, dadurch, daß man es hat, mitreden zu können. Das jedoch ist relativ neu in der Weltgeschichte, das gab es nicht "schon immer", so etwas wurde erst durch die Industrialisierung möglich!

    Nur hat es sich binnen kürzester Zeit zu einer solch unumgehbaren Dominanz entwickelt, schon fast götzenhaft verehrt, sodaß tatsächlich der Eindruck entstehen könnte, Wohlstand war schon immer das Ziel unablässigen Strebens.

    Was es aber vielleicht doch nicht war.


    Aber TeMeLs Motivation ist spitze! Einfach mal einen relativ naheliegenden, aber größtenteils unbeachteten Gedanken übertreiben und in einer Geschichte, in einem Comic als Gesellschaftsproblem festsetzen. Eigentlich genau das, was ich mir von Comicautoren, besonders Leo, gewünscht hätte! Doch es ist halt so ärgerlich, trotzdem sagt mir "Wohlstand" nicht zu.

    ---

    Nachwort:

    Ja, Wahnsinn, was ist den das für ein faszinierend bizarres Bild, das dem Nachwort unterlegt ist? Jetzt (nach drei Monaten) kapier ich erst bzw. habe ich das entscheidende Detail entdeckt: die WSB-Tätowierung am rechten Arm! Bisher sah das für mich fälschlicherweise nach Daumenlutschen aus.

    Soll das Mirabelle sein an dem Tag, als ihr der Chip samt Giftkapsel implantiert wurde? Soll das Bild das klebrig flaue und stechende Angstgefühl ausdrücken, die lähmende Verzweiflung, daß sie nun nicht mehr der gleiche Mensch ist wie morgens beim Aufstehen, daß sie nun unumkehrbar ein Leben führen muß, das sie nicht als ihres annehmen kann, schon allein, weil der rechte Arm mit der Giftkapsel nicht mehr zu ihrem Körper zu gehören scheint, sich fast schon verzweifelt wünschend, er möge abfallen und nachwachsen?
    Boa, spitzenmäßig! Gespenstisch!

    -----------

    Rücktitel:
    "Nur wer leistet soll leben" Neu ist diese Forderung nicht. Jeder mit entsprechend alten und hinter vorgehaltener Hand unbelehrbaren Großeltern hat es vielleicht schon erfahren (müssen), was zwischen 1933 und dem Kriegsende das Maß aller Dinge war: Nur wer arbeitet, hat ein Recht zu leben.
    Rücktitel:
    Da steht sie, die Kämpferin, die sie in meinen Augen doch nicht war.
    Wahnsinnig tolles Bild!



    Nachbetrachtung:

    Warum gefällt mir "Wohlstand" nicht? Ich hätte sogar eine Idee!
    Einleitend könnte ich es vielleichtso beschreiben: Mir war es nicht möglich, in die Geschichte hineinzufallen.
    Ich weiß sogar warum: Dafür ist sie zu dicht! Oder anders: zu viel Handlung mit zu wenig überleitenden Zwischenschritten.
    Die Enttäuschung hatte mich an eine Frust in der Vergangenheit erinnert, der es möglicherweise umschreiben kann; es hat sich zwar nicht genau so zugetragen, aber es macht es hoffentlich ganz anschaulich:

    In einer etwas ruhigeren Zeit (verlängertes Wochenende, Feiertagsmarathon) tagträumte sich mir eine unglaublich faszinierende Traumwelt, die ich aktiv tagträumend ausgestaltete, wobei mir unglaublich interessante Strukturen in den Sinn kamen. Ich war voll drin, auch emotional, ich lebte schon fast in dieser Traumwelt, weswegen ich so begeistert war, daß ich mir tatsächlich stichpunktartige Notizen machte, um bei Gelegenheit weiterträumen zu können. Doch genau das funktionierte nicht. es waren nur noch recht nichtssagende Stichwörter, nichts mehr von der einstigen Pracht, fast keine Möglichkeit, auch noch mal emotional in diese Traumwelt zu tauchen, bzw nur mit großer Mühe.

    "Wohlstand" könnte ich für mich damit vergleichen: Vielleicht war TeMeL im Eifer des Gefechts tatsächlich auch in einer Art Traumwelt, die sie zu dieser Dramaturgie verleitete, sie hat eventuell schon fast die Geschichte gefühlsmäßig durchlebt und dadurch spontane Ideen für die nächsten Bilder bekommen. Diese Bilder kann man lesen, aber es fehlen logischerweise die Gefühle, die emotionalen Regungen, die sie zu diesen Bildern inspirierte. So wie mir zum Weiterträumen die Strukturen fehlten, die mich beim Tagträumen auf die Stichwörter gebracht hatten, -zwischen den Stichpunkten fehlten die Verbindungen-, so fehlen, finde ich, im Comic überleitenden Zwischenschritte. In TeMeLs Fall wäre diese Annahmen natürlich heillos übertrieben, die Geschichte ist ja absolut schlüssig, aber es stellt vielleicht ganz gut dar, weswegen ich "Wohlstand" eher als eine sehr dichte Kollage an gesellschaftlichen und dramaturgischen guten Ideen empfinde und weniger als flüssige Geschichte. Ihr eigenes Nachwort würde eigentlich sogar für dieses Manko sprechen, denn wenn Ideen unter den Nägeln brennen, ich kann es sehr gut nachvollziehen, dann kann es eben doch passieren zu schludern oder dramaturgische Grundregeln zu überrennen, zu viele Ideen mit zu wenig Zwischenschritten in zu wenig Geschichte zu quetschen.
    (In der Konsequenz würde das natürlich bedeuten, daß die Geschichte noch länger geworden wäre, womöglich auf mehrere Alben verteilt, auf die man dann wieder monatelang hätte warten müssen. Ach tückisch...)

    Falls doch noch nicht klar sein sollte, was ich meine, noch ein anderer Gedanke:

    In der Physik gibt es die Heisenbergsche Unschärferelation, die postuliert, daß sich bei bestimmten Variablen nicht beide gleichzeitig exakt bestimmen lassen, immer nur die eine oder die andere.

    Vielleicht wäre es interessant, für Comics eine dramaturgische Unschärferelation festzusetzen: je mehr Handlung, desto weniger Orts- und Umgebungswechsel, je mehr Orts- und Umgebungswechsel, desto weniger Handlung, aber nicht beides gleichzeitig.

    Aldebaran1 würde sich danach verhalten, denn es passiert sehr viel, sogar Dramatisches, Umwälzendes, doch die Umgebung verändert sich kaum, ist ständig blau-braun-grün, ebenso Aldebaran2, viele Ortswechsel, ständig ändert sich die Landschaft, aber es passiert relativ wenig, so wie im gesamten Aldebaranzyklus sehr viele unterschiedliche Regionen des Planeten zu sehen sind, aber genaugenommen passiert gar nicht so viel oder nicht so viel auf einmal, aber es ist tötlich spannend!

    In diese Geschichte konnte ich hineinfallen, vielleicht ja tatsächlich wegen dieser Unschärferelation!
    -Oder nur, weil ich zu viele Monate des Wartens auf die Fortsetzung Zeit hatte, mich aus verzweifelter Neugier darin zu verlieren - weil ich halt viel zu große Erwartungen an Aldebaran hatte...
    Oder weil es eine faszinierende Abentheuergeschichte ist und keine gesellschaftskritische Alltagsgeschichte.
    Das hat mir eben gefehlt, für einen Leseabend in eine andere Welt eintauchen.

    Möglich scheint es ja zu sein, schließlich machte für Eric Zonfeld (siehe oben #29) die Dichte gerade die Qualität der Geschichte aus.

    Schade, irgendwie schein ich mit Comics nicht grün zu werden.


    Traumwaldschrat

    (#59)
    Geändert von Traumwaldschrat (31.10.2013 um 00:26 Uhr)

  10. #35
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    Zitat Zitat von Traumwaldschrat Beitrag anzeigen
    Ich lese viel anderes, nur zur Zeit keine Comics.
    Du kritisiert die Menge? Dann sei doch froh, daß Du es nicht gemacht hast!
    Natürlich ist es viel, heillos zu viel, aber wie Du auf Seite 1 lesen kannst, ist das ein Versuch.
    Gut, jetzt weiß ich's, sowas ist zu viel!
    Aber interessant!

    Und wie Du über dem folgenden Beitrag sehen kannst, nun ist es dann rum.

    (#58)
    Ich hab nichts über die Menge gesagt, jeder kann hier so viel schreiben wie er will.

    Aber mach doch mal eine solch detaillierte Analyse mit Sandman von Neil Gaiman oder die Katze des Rabbiners von Joann Sfar.

  11. #36
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    Hmm?

    Interessant!

    Zitat Zitat von Harry Haller Beitrag anzeigen
    Aber mach doch mal eine solch detaillierte Analyse mit Sandman von Neil Gaiman oder die Katze des Rabbiners von Joann Sfar.
    Du wärst also tatsächlich an solch einer Buchbesprechung interessiert!
    Zumindest bei manchen wie Dir wären also durchaus tiefergehende Gedanken über einzelne Comics erwünscht.
    Das läßt mich doch hoffen!

    Nur muß ich Dich leider enttäuschen, ich werde es nicht machen, weil ich diese Comics nicht kenne und nun auch mich wieder mehr anderen Dingen zuwende.
    Aber vielleicht schlägt diese positive Reaktion doch weitere Kreise in der Art, daß es Schule macht; Du könntest also Deinerseits darauf hoffen, daß vielleicht jemand anderes so etwas für genannte Comics macht.

    Ich würde mich darüber riesig freuen, denn es sähe für mich aus, als hätte ich doch mal etwas im Internet bewegt. Wie ich es schon angedeutet hatte:

    Zitat Zitat von Traumwaldschrat Beitrag anzeigen
    Natürlich wäre ich geehrt, wenn ich Maßstäbe setzen könnte
    Vielleicht wenigstens ein ganz kleines bischen...


    Gruß

    Traumwaldschrat

    (#60)

  12. #37
    Mitglied Avatar von Frank1360
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    Zitat Zitat von Traumwaldschrat Beitrag anzeigen
    Hmm?

    Interessant!



    Du wärst also tatsächlich an solch einer Buchbesprechung interessiert!
    Zumindest bei manchen wie Dir wären also durchaus tiefergehende Gedanken über einzelne Comics erwünscht.
    Das läßt mich doch hoffen!

    Nur muß ich Dich leider enttäuschen, ich werde es nicht machen, weil ich diese Comics nicht kenne und nun auch mich wieder mehr anderen Dingen zuwende.
    Aber vielleicht schlägt diese positive Reaktion doch weitere Kreise in der Art, daß es Schule macht; Du könntest also Deinerseits darauf hoffen, daß vielleicht jemand anderes so etwas für genannte Comics macht.

    Ich würde mich darüber riesig freuen, denn es sähe für mich aus, als hätte ich doch mal etwas im Internet bewegt. Wie ich es schon angedeutet hatte:



    Vielleicht wenigstens ein ganz kleines bischen...


    Gruß

    Traumwaldschrat

    (#60)

    Wie wäre es mit V wie Vendetta von Alan Moore. Das geht von der Thematik in die gleiche Richtung.

  13. #38
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    In die gleiche Richtung?

    Harry Haller,

    Du meinst "V wie Vendetta" ist auch gesellschaftskritisch?
    Hmm, ja. Trotzdem weiß ich nicht...
    Ich bin im Moment äußerst unentschlossen, wie ich mit Comics weitermache und ob überhaupt, denn wie ich (bestimmt schon allzu oft) betont habe, scheine ich mit Comics doch nicht grün zu werden. Außerdem kenn ich nun meine Fehler bezüglich der Erwartungen zu Comics, weshalb ich vermute, daß ich keinen Comic mehr finden werde, in den ich beim Lesen so richtig reinfallen könnte.
    Mal schaun.
    Aber vielleicht warte ich jetzt einfach erst mal auf Antares5 (Leo)...

    Gruß

    Traumwaldschrat

    (#61)

  14. #39
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    Ich hab einen "neuen" Gruselcomic entdeckt!
    Der ist sogar in gewisser Weise interaktiv, weil man gar nicht mehr weiß, ob man wirklich noch einen Comic liest oder ob das schon irgendwie Realität ist, oder wird!
    Vor allem die Seiten 13 und 14!
    Total gruselig!

    Der "neue Realitycomic": TeMeL: "Wohlstand"




    (#103)
    Geändert von Traumwaldschrat (21.06.2020 um 18:24 Uhr) Grund: Die Textmaske funktionierte gestern nicht

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