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  1. #1
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    "X" und "Die Kolonie" von Charles Burns

    Der zweite Teil von Charles Burns' Hergé-Hommage, "Die Kolonie", steht in den Startlöchern. Zeit also, ein paar "X"-Rezis zusammenzutragen ...

    Für den Berliner Tagesspiegel hat Moritz Honert sich am 20.3.2012 in Burns' Albtraumwelten vertieft:

    "Jenseits der Schmerzgrenze" - Kunstvolle Verwebung von Symbolen, Motiven und Figuren: In „X“ entführt der Comic-Altmeister Charles Burns in eine psychedelische Albtraumwelt.

    Eier. Immer wieder Eier. Sie liegen neben dem Speck auf dem Teller, in der asiatisch anmutenden Garküche und gleich dutzendfach in den albtraumhaften Kellern unter dem Schlafzimmer von Doug alias Nitnit. Was aus ihnen schlüpfen wird? Man weiß es nicht. Wo sie herkommen, aber schon: Die rot-weiße gefleckte Schale ist ebenso ikonenhaft wie die Haartolle der Hauptfigur. Wer ihren Namen rückwärts liest, kommt schnell darauf: Nitnit, das ist Tintin, französisch für Tim aus „Tim und Struppi“. mehr
    Geändert von Filip Kolek (03.05.2012 um 14:45 Uhr)

  2. #2
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    Eine treffende Überschrift findet Fritz Göttler für seine "X"-Besprechung, die am 27.3.2012 in der Süddeutschen Zeitung erschien:

    "Wie ein Horror-Trip auf LSD" – Charles Burns hat gegenwärtig den härtesten Strich aller amerikanischen Comic-Zeichnern, die stärksten Konturen, das tiefste Schwarz. Nach "Black Hole" ist "X" seine neue Chronik der amerikanischen Jugend der Siebziger - verstörend, deformiert, apokalyptisch. Ein Trip, wie man ihn sonst nur von William S. Burroughs oder David Lynch kennt.

    Die Rieseneier mit dem gesprenkelten Ausschlag haben es in sich. Im Rührei, das man aus ihnen zubereitet, krümmen sich merkwürdige fötale Wesen, und wenn man eins aufschlägt, erwächst eine bedrohliche Schlingpflanze daraus. Die Natur ist völlig aus dem Gleichgewicht. Aber vielleicht ist alles auch nur ein wilder LSD-Traum. Ein Traum in einem Traum. So wie man es kennt von William S. Burroughs oder Philip K. Dick. Und später dann aus den Filmen von Lynch und Cronenberg (der unter anderem den "Naked Lunch" verfilmt hat). mehr

  3. #3
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    Christian Schlüter schrieb im Feuilleton der Berliner Zeitung am 26.4.2012 auf über einer halben Zeitungsseite über "X". Leider nicht online. Auszug:

    Verloren in Kloakenlandschaften - Charles Burns ist mit einem furiosen Comic zurück: "X" zeigt die traumatische Kehrseite der Popkultur

    Tim und Struppi auf Speed. Unter Drogen. Gezeichnet mit exakten Konturen und linearen Kolorierungen.(...) Wer sich schon einmal gefragt hat, ob es im blitzblank sauberen Universum des belgischen Zeichners Hergé eigentlich mit rechten Dingen zugehen kann und ob seine Ästhetik der Ligne Claire nicht doch ein dunkles Geheimnis birgt, der wird in Charles Burns' Comic "X" eine deutliche Antwort finden: in einem psychedelisch-surrealen Punkmanifest mit drastischen Splattereinlagen.(...)"
    Geändert von Dirk Rehm (17.06.2012 um 13:14 Uhr)

  4. #4
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    Für "Die Presse" vom 16. Juni schreibt Christoph Huber:
    Comic-Trip: Angst unter Punks

    Charles Burns wurde mit der unheimlichen Teenager-Saga "Black Hole" berühmt. Seine neue Trilogie erzählt wieder von der Krankheit der Jugend – als Tribut an "Tim und Struppi"

    Hört der schräge Albtraum nie auf? Oder ist er die eigentliche Wirklichkeit? „Das ist alles, woran ich mich erinnern werde. Ich wache auf und weiß nicht, wo ich bin“, lauten die ersten, leitmotivisch wiederkehrenden Zeilen in „X“, dem Auftaktband zur neuen Comic-Trilogie von Charles Burns.
    Mehr: http://diepresse.com/home/kultur/lit...ratur/index.do

  5. #5
    Moderator Reprodukt Avatar von Christian Maiwald
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    Nun ist auch der Beitrag aus dem "Rolling Stone" online. Maik Brüggemeyer unterhielt sich mit Charles Burns:

    Charles Burns: Der Horror, der nicht weichen will

    Maik Brüggemeyer traf den Comiczeichner Charles Burns, der durch die Serie "Black Hole" bekannt wurde - und der bereits Cover für Iggy Pop malte. Die beiden sprachen über die Bände "X" und "Die Kolonie" seiner neuen Trilogie, die bei Reprodukt erschienen sind - und die man im Package bei uns gewinnen kann.
    Mehr: http://www.rollingstone.de/magazin/g...chen-will.html
    Aktuelle Infos auch auf: www.graphic-novel.info

  6. #6
    Mitglied Avatar von Rorschachlebt
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    Wann wird denn der nächste Band erscheinen?

  7. #7
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    Wissen wir leider noch nicht.

  8. #8
    Mitglied Avatar von Rorschachlebt
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    Charles Burns Comics sind wirklich nichts für Menschen, die sich nur mit schönen Dingen umgeben möchten. Das sollte man wissen, bevor man eines seiner Werke liest. Ich habe heute hintereinander "X" und "die Kolonie" gelesen, und bin gefesselt von der Phantasie dieses Künstlers!
    Teilweise fragte ich mich beim lesen, welche Tabletten Mr. Burns so einnimmt, um solche graphischen Welten erschaffen zu können!
    Ich finde, Charles Burns und Hieronymus Bosch wären sicher gute Freunde geworden, und hätten sich bestimmt viel zu erzählen gehabt!
    Charles Burns Kunst ist für mich sehr viel verstörender als Splatter-Comics wie zum beispiel "Crossed" von Garth Ennis.
    Jedenfalls freue ich mich schon auf den nächsten Band, "der Zuckerschädel".

  9. #9
    Mitglied Avatar von joe ker
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    Aus den Untiefen des CF empor gehoben und mit Zuckerschädel gleich vervollständigt.

    X/Die Kolonie/Zuckerschädel von Charles Burns

    Herrje, soviel Herge und dazu eine bizarre Traumweltenstory mit den üblichen Burns Zutaten. Das klingt nicht nur schräg, ist es auch, noch mehr als Black Hole.
    Endlich mal in Farbe präsentiert uns der Freund amerikanischer Jugendkulturgeschichten aus dem letzten Jahrtausend eine mystische und mehrschichtige Story, die sich nach und nach entwickelt.
    Doug ist eine Art perfomender Poetry Slammer der mit immer vor Punkkonzerten mit einer Maske auftritt, die eine starke Ähnlichkeit hat mit Herges Tintin. Passend dazu nennt er sich bei Auftritten auch Nitnit. Und Doug hat Probleme sich zu erinnern, etwas hat er tief in seinen Gedanken vergraben, was sich langsam seinen Weg ans Licht bahnt. Auf mehreren Ebenen begleiten wir Doug durch sein Leben, welches zwischen medikamentösen Fieberträumen, Erinnerungen und Fotografien projiziert wird. Dazu unzählige Anspielungen auf Tim & Struppi, so sehen zum Beispiel die Eier, welche die Brüterinnen in seiner Traumwelt ausbrüten wie der Pilz aus Der geheimnisvolle Stern, die Rakete aus Schritte auf dem Mond wird ebenfalls angedeutet und als Begleiter bekommt Doug/Nitnit statt eines weißen Hundes das Gegenteil, eine schwarze Katze.

    Das alles im bekannten Stil des amerikanischen Künstlers, nur diesmal eben in Farbe, was dann selbst Puristen überzeugen sollte mal reinzuschauen. Großartiges Werk, das Burns hier abliefert und ja, das sollte mehr Menschen ansprechen, auch die, die mit seinem Black Hole nicht so warm wurden. Bis zur, zugegeben nicht sonderlich überraschenden Aufklärung gegen Ende des dritten Bandes, steigert sich die Geschichte immer mehr und wir durften nach Ende der Lektüre weit mehr als einen Blick auf das Leben von Doug werfen.

    Und wer beim ersten Lesen nicht so ganz durchsteigt, kein Problem, einfach nochmal lesen. Das Ding ist so gut, da kann man schon mal einen Re-Read einglegen.
    Faszinierend gut, mehr leider nicht, aber das reicht doch, oder?


    Freu mich schon auf Dedales welches bald kommt. Eigentlich schade das Burns eher der gemächliche Typ ist und es da gar nicht so viel gibt von ihm. Andererseits bleibt so ein Comic aus seiner Feder immer eine Besonderheit. Auch schön
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