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Thema: Nachtrag Comicpreiskatalog 2011 Marktreport Piccolos

  1. #1
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    Nachtrag Comicpreiskatalog 2011 Marktreport Piccolos

    hallo Lehning/piccolo-freunde!

    hier ein nachtrag für den comicpreiskatalog 2011 der es durch meinen schlampigkeit/überarbeitung nicht in den katalog geschafft hat. sorry, bernd!

    MARKTREPORT LEHNING PICCOLOS

    „Die Zukunft liegt in den Piccolos“, war das Schlagwort um 1980 unter den Comicsammlern. Ob dieses Zitat eventuell sogar von Norbert Hethke stammte, kann ich nicht mehr genau sagen. Eins ist aber gewiß: 30 Jahre nach diesem Slogan können wir heute durchaus diese „Zukunft“ einmal näher beleuchten und uns fragen: War etwas Wahres an dieser Aussage? Oder haben die Pessimisten seinerzeit recht behalten, die behaupteten, mit dem Aussterben der „älteren“ Sammlergeneration würden auch die Piccolos nicht mehr nachgefragt.

    Treten wir einmal von zwei Seiten an diese Frage heran, nämlich unter Zugrundelegung der Aspekte 1. Seltenheit und 2. Nachfrage. Zunächst können wir im Vergleich zu anderen Sammelgebieten ganz klar erkennen, daß alles, was alt ist, auch gesucht oder gesammelt wird, unabhängig davon, ob der Interessenkreis an dem Objekt eine direkte Erinnerung hat oder nicht. Ob es Blechspielzeug der 20er Jahre, Antiquitäten, Briefmarken, Münzen, Oldtimer oder andere Dinge aus dem frühen 20. Jahrhundert sind, es wird gesucht, gesammelt und auch entsprechend gezahlt. Warum sollte das bei den Piccolos anders sein? Viele Exemplare genießen durchaus den Ruf einer Top-Rarität, die nicht jeder hat und von ihren stolzen Besitzern gehütet und sorgsam behandelt werden. Genausowenig, wie der Sammler von alten Eisenbahnmodellen seine Objekte „zweckentfremdet“, d. h., er wird sie nicht dem Risiko einer Inbetriebnahme aussetzen, wofür diese Dinge ja ursprünglich gedacht waren, wird der Comicsammler seine gut erhaltenen Hefte sicher nicht bei einem Teller Erbsensuppe auf den Tisch legen und darin schmökern, sondern sich vielmehr über den Besitz erfreuen und den Inhalt und die Geschichte zur Nebensache degradieren. Vor diesem Hintergrund erkennen wir ganz genau, dass es dem Raritätensammler nicht auf die Story eines Heftes ankommt, sondern seine Gedanken sich darum drehen, etwas Kostbares und Seltenes zu besitzen.

    Wenden wir uns jetzt der andern Seite zu, nämlich der aktuellen Nachfrage nach Piccolos. Der Walter Lehning Verlag brachte zwischen 1953 und 1963, sowie 1968, das sind fast exakt 10 Jahre, insgesamt 30 verschiedenen Piccolo-Serien mit insgesamt 2290 Exemplaren heraus. Auf den ersten Blick ein überschaubares, begrenztes Sammelgebiet. Darüber hinaus auch ein Bereich, der sich allein schon vom Format her gänzlich von anderen vorher und später erschienenen Comics unterscheidet.

    Spalten wir diese 30 Serien einmal in Wäscher- und Nicht-Wäscher-Werke. Sicher stehen in der Beliebtheitsskala die Geschichten unseres Altmeisters ganz oben. Abgesehen von der Nick Piccolo-Serie, die seit einiger Zeit unverständlicherweise stagniert, werden nach wie vor alle anderen Wäscher-Serien, insbesondere die halbwegs erschwinglichen, gesucht und gekauft. Falk und Tibor stehen dabei an erster Stelle, während die erste Sigurd Piccolo-Serie zwar auch zu den Zugpferden zählt, allerdings auf Grund des hohen Preises doch viele potentiellen Käufer abschreckt, diese Serie komplett zu sammeln. Ebenfalls gesucht werden Akim Neue Abenteuer, Bob und Ben, sowie auch einige Nicht-Wäscher-Serien, die noch relativ preiswert zu bekommen sind, finden ihre Abnehmer, z. B. Bill der Grenzreiter, Jim der Cowboy, Marco und Ralf. Während die Rikko-Serie aufgrund der mageren Story und des noch relativ hohen Lagerbeständen, was die Nummern 17-48 betrifft, seit Jahren kaum Abnehmer findet, ist die 30bändige Tarzan-Serie nicht totzukriegen! Bis vor ca. einem Jahr existierten noch, mit Ausnahme der Nummern 3 und 4 von jedem Exemplar mehr oder weniger hohe Lagerbestände, wovon heute mittlerweile bereits auch schon ca. die Hälfte der Nummern nicht mehr vorrätig sind. Hieraus folgt: Je mehr Exemplare von den häufiger vorkommenden Heften verkauft werden, desto mehr steigt die Nachfrage nach den ausverkauften und schwierigen Nummern. Es liegt auf der Hand, dass auf Grund des steigenden Sammlerinteresses für diese Exemplare die Preise nach oben hin angepasst werden müssen. Das Gleiche gilt auch für einige Ralf Piccolos, z. B. Nr. 31, 49, 57, 58, 76, 99-105. Auch einige Nummern der Serien Falk, Tibor und Sigurd II sind hiervon betroffen.

    Kommen wir nun zu den Piccolo-Klassikern: In der Tat hat hier die Nachfrage etwas nachgelassen, insbesondere von den Sammlern, die sich auf Wäscher-Piccolos konzentrieren und in erster Linie auf die Qualität der Geschichten und Zeichnungen Priorität legen. Zugegeben ist es wirklich nicht die Erfüllung, z. B. Fulgor oder Peterle zu lesen. Man kann es schon eher als Anstrengung bezeichnen. Darüber hinaus lassen für viele Sammler sowohl die Zeichnungen als auch die schlecht und bruchstückhaft ins Deutsche übersetzten italienischen Texte, insbesondere der von Augusto Pedrazza konzipierten Serien, stark zu wünschen übrig. Eine Ausnahme bildet hier wohl noch die Serie Harry der Grenzreiter, die zu Beginn durch gute, ausführliche Texte und einer prägnanten Story aufwartet. Im Laufe der Serie wirken die Texte jedoch immer mehr abgehackt und sind zum Ende der Serie wirklich nicht mehr lesenswert. Zu den Klassikern zählen weiterhin die Serien Akim, Sohn des Dschungels, Blauer Pfeil, Blitz der Zeitungsjunge, El Bravo, Carnera, Fulgor, Herr des Dschungels, Jezab, Peterle, Raka und Der Rote Adler. All diese Serien werden in erster Linie nur von den Raritätensammlern gesucht, abgesehen von einigen älteren Sammlerfreunden, die mit diesen Helden groß geworden sind. Es ist oft nicht leicht, diese frühen Piccolos zu komplettieren, schon gar nicht in guter Erhaltung, da fast jede dieser Serien einige seltene und teure Exemplare enthält. Hier muß nach meinem Dafürhalten der Grundsatz: „Was selten ist, muß auch teuer sein“, zum Tragen kommen, schon allein deshalb, um ein korrektes Preisverhältnis zu häufigeren und leichter zu komplettierenden Serien zu gewährleisten.

    Alles in allem bleibt festzustellen, dass das Interesse an dem im Jahre 1953 von Walter Lehning in Deutschland ins Leben gerufenen Piccolo-Format nach wie vor viele Liebhaber hat. Das beweisen auch die seit ca. 1980 bis heute nicht enden wollenden Neuerscheinungen von Piccolos, die von mehreren Kleinverlagen publiziert werden. Auch für mich als Piccolo-Fan gilt: Die 10 Jahre, in denen Walter Lehning die „Streifenhefte“ auf den Markt gebracht hat, zählen für mich zu den interessantesten der deutschen Comic-Geschichte.

    Bernd Stinnen

  2. #2
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    Ein ganz toller Artikel, der einen Piccolo-Sammler - wie mich - immer wieder erfreut. Insbesondere der Aspekt, warum etwas gesammelt wird.

    Großes Lob für diesen (für mich immer noch aktuellen) sehr guten MARKT-REPORT !!!


  3. #3
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    Hm, jetzt wüsste ich aber doch gerne mal, warum denn dieser fünf Jahre alte Piccolo-Marktreport von Bernd Stinnen in der neuesten Ausgabe des Preiskatalogs als "Marktreport 2015" abgedruckt wird.

    Dort steht der der gleiche Text wie oben in Beitrag 1, nur noch um ein paar weitere Anmerkungen ergänzt.

    Hat da etwa der neue Herausgeber gedacht, "der wurde damals nicht gedruckt, also kennt den keiner und wir können ihn als neu verkaufen?"

    Da hat er dann wohl dieses Forum übersehen und nun sieht es leider nach einem etwas dreistem Etikettenschwindel aus.
    Inklusive einer Beschreibung von "Marktentwicklungen", die dann ja keineswegs aktuell sind - auch wenn die Grundaussage weiterhin gelten mag....

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